Benzingespräche · Folge 4 · · 21 Min
Christian Meyer, Mustang-Deutschland.de und Traumwagen.com

Worum es geht
Erfolgreiche Autohausnachfolge mit Mut, Emotion und Leidenschaft. Was bewegt einen jungen Menschen mit 25 Jahren, mit vollem Risiko ein in die Krise geratenes Autohaus seiner Eltern zu übernehmen? Wie geht man dabei mit den Banken, Mitarbeitern und den Marken um? Was braucht es neben Mut und Leidenschaft? Der Weg von Christian Meyer ist ein außergewöhnlicher und genau dieser interessierte mich. Ich konnte ihn dafür gewinnen, über all diese Themen offen zu sprechen und seine persönlichen Erfahrungen zu teilen. Wir reden über alle Aspekte, die ihm in den letzten Jahren positiv wie auch negativ begegnet sind. Dazu gehören Mut, Leidenschaft, Insolvenz, Positionierung in der Nische und so weiter. Ein interessantes Gespräch ist entstanden, teils Ernst und Bedacht, teils emotional und gefühlt mit "Auto-Spaß". Links: Christian Meyer´s Mustang-Deutschland: www.mustang-deutschland.de Christian Meyer´s exklusiver Traumwagen-Handel und Vermietung: www.traumwagen.com
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00:00 Benzingespräche. Der Podcast führt mit Menschen aus der deutschen Automobilbranche, die etwas zu sagen haben. Wir teilen die Liebe zum Automobil in persönlichen Erfolgsstories, die es wert sind, erzählt zu werden. Es geht um verschiedene Blickwinkel und persönliche Ausblicke. Vom prüfenden Blick in den Rückspiegel bis zur spannenden Aussicht mit Fernlicht in die mobile Zukunft. Ich bin Tim Klötzing, Online-Marketing-Experte und freier Berater für die Automobilbranche, Autoliebhaber und Agentureinhaber. Hallo und willkommen zurück bei Benzingespräche. Heute mit einem neuen Partner an meiner Seite, der sich bereit erklärt hat, hier mit mir ein bisschen zu reden über seine Erfahrungen, die er in der Vergangenheit gemacht hat. Und in dem Intro stelle ich ihn erstmal grob vor.
00:51 Und zwar ist er Inhaber von traumwagen.com und Mustang Deutschland. Mutiger junger Unternehmer, der mit 25 bereits das in die Krise geratene Autohaus seiner Eltern übernommen hat. Sehr mutig. Und das binnen weniger Jahre erfolgreich neu positioniert hat und auch in die Gewinnzone geführt hat. Das dann auch verkauft hat später, um sich ganz auf seine Leidenschaft zu konzentrieren. Den Handel mit Sportwagen und Mustangs aller Baujahre. Hallo Christian Meyer. Hallo Tim. Auch für dich ein neues Medium hier, ne? Natürlich, ist cool. Aber genau wie meine letzten Gäste auch, war es für die alle erstmal neu und wir haben ja gerade schon ein bisschen Smalltalk hier mitgemacht und ist ja alles genau gleich wie immer. Genau. So, jetzt weißt du ja auch in meiner Brust schlägt ja ein großes Herz für Sportwagen. Mit was bist du hier heute hingekommen?
01:49 Ich bin back to the roots. Natürlich mit Mustang hier. Mit Mustang? Okay. Mit einem besonderen Mustang. Mit einem besonderen Mustang. Den sehe ich gleich nämlich noch. Den müssen wir uns anschauen, ja. Auf jeden Fall. Die Optik macht es in dem Fall. Die Optik macht es? Ja. Weil? Ja, wir haben uns wieder mal was getraut und haben wieder mal was anderes gemacht und haben einfach voll foliert. Es ist ein bisschen, ich nenne es abwertend immer Zirkuspony. Okay. Die ein oder anderen werden es dann auf unserer Facebook-Seite oder bei Instagram sehen oder auf dem YouTube-Channel, warum das Zirkuspferd heißt. Ganz genau. Ja, die Fahrzeuge, die ihr macht, die bekommen ja schon eine gewisse Reichweite. Gerade euer Facebook-Channel, will ich jetzt auch keine Details nennen, aber da habt ihr ja so eine gewisse Reichweite. Und das letzte Auto, was ihr gemacht habt, was so ein bisschen Oldschool-Look mit einer Rennnummer und so hatte, der war ja schon medial durchaus bekannt, ne? Genau. Und das Auto war ein bunter Hund, wie man so schön sagt. Und auf dem haben wir jetzt aufgebaut, also so diese Style ist es, aber neu interpretiert. Schön. Ja, da macht er immer viel. So, gehen wir mal zu unserem Leitfaden, zum Rückspiegel und zum Fernlicht. Und da fangen wir immer erstmal mit dem Blick zurück, mit dem Rückspiegel an. Zu deinem Werdegang, 83er Baujahr, bist verheiratet, hast ein Kind.
03:02 Bist zu Hause in Ulm, wobei, da lebst du nur zu Hause, bist du ursprünglich... Ich komme aus Gunzenhausen, ich bin Franke, der im Exil lebt, also ich habe Migrationshintergrund. Von dem... Sehr schön. So ist es. Ja, muss man ja mal sagen, ne? Ja. Okay. Ja, treffen wir ja heute zwei Sprachen aufeinander, ne? Ich werde das Ruhrpottplatt nicht immer ganz los, vor allem, wenn ich nicht so rede. Ich werde mein fränkisches auch nicht mehr ablegen, das gehört dazu. Ne, ist immer lustig, wenn wir unterwegs sind.
03:29 Du bist Diplom-Betriebswirt, Fachrichtung Automobilhandel. Genau. Und was ich nochmal recherchiert habe, deine Leidenschaft oder den Mustang-Virus hast du dir während eines Schulpraktikums 1999 in den USA, in Chicago ein bisschen eingefangen. So ist es. Das war früh, ne? Wenn man im Autohaus aufwächst, ist es eigentlich relativ spät, ne? Okay. Ich war ja 16 schon. Okay. So von dem her. Okay. Ja, schön. Jetzt hast du schon im Autohaus quasi aufgewachsen. Du hast mit deinem Werdegang gleich zwei Herausforderungen gemeistert. Einmal eine Unternehmensnachfolge des elterlichen Betriebs, wo du dann auch direkt mit 14 Mitarbeitern gestartet bist. Da warst du Mitte 20.
04:14 Du hast das neu positioniert, weil das in der Krise war und das mit Mitte 20. Da möchte ich mal so ein bisschen Insights von dir hören, was dich da getrieben und geritten hat, wenn man so sagen darf. Ja, das ist natürlich eine Entwicklung. Also man kommt jetzt nicht einfach auf die grüne Wiese und sagt, hey, hier bin ich frisch vom Studium. Ich gehe jetzt in ein Autohaus und ich bin es und ich kann es. Wie gesagt, ich bin im Autohaus aufgewachsen. Also mein Vater hat ja sich aus dem eigenen Hobby selbstständig gemacht, hat das in Summe dann 40 Jahre lang gemacht. Ich habe das dann natürlich in meiner Jugend miterlebt, wie das gewachsen ist. Also es hat angefangen mit Mercedes Jahreswagenhandel in den 70ern, als der Markt noch ein klassischer Nachfragemarkt war.
05:03 Also da war eher das Problem, wo kriege ich die Kiste her? Also im Gegenteil zum heute. Dann kam so 80er kam die Japanerwelle. Dann hat er einen Mazda-Händler-Vertrag übernommen, hat vorher mal noch Fiat Landmaschinen gemacht. Dann danach 2001, da war ich dann schon, das war eigentlich gerade zur Abiturzeit, war ich witzigerweise mal kurzfristig Deutschlands jüngster Ford-Händler, weil ich nämlich die Ford-Sparte gemacht habe. Wir hatten dann einen Ford-Agenturvertrag und Servicevertrag und dann hat das ja schon während dem Studium angefangen. Also ich habe, wie gesagt, 1999 war das auf dem Schüleraustausch diesen 66er Mustang in der Nachbarsgarage entdeckt, beziehungsweise der Nachbar hat uns Rübe geholt und dann waren das ein Vater mit seinen zwei Söhnen, drei Mustangs.
05:50 Aus heutiger Sicht eigentlich nichts Besonderes, aber für so einen deutschen Jungen, 3V8 mit Edelstahlauspuffanlage, ohne Töpfe, hat er angelassen danach, was passiert. Und so hat es dann angefangen. Die Liebe zum amerikanischen Raum war da schon immer da und irgendwann war dann auch die Zeit gekommen, nachdem halt der MX-5 mal langsam langweilig war als Mazda-Kind und dann musste ein V8 her. Und so ist dann 2004 das Thema mit den Mustangs entstanden, während dem Studium schon und ist eigentlich mit jedem Jahr mehr geworden, hat sich bis 2008 gesteigert und dann kam eben die Krise. Im Rahmen der Finanzkrise haben wir, ich habe damals als Verkäufer, Verkaufsleiter und Teil der Geschäftsführung mitgearbeitet, haben wir keinen Neuwagen mehr verkauft. Also wir hatten von August 2018, genau, August 2008, Entschuldigung, bis Februar 2009 keinen Neuwagen mehr verkauft und das natürlich bei damals 25 Mitarbeitern, kann sich da ausrechnen, dass es nicht funktioniert und dann musste das Autohaus in die Insolvenz gehen.
06:50 Und ich hatte vorher schon, so eine Entwicklung zeichnet sich natürlich ab mit rückläufigen Erträgen. Ich habe mich glücklicherweise vorher schon auf das Mustang-Geschäft konzentriert und hat mich im Sommer 2008 schon selbstständig gemacht, weil ich gesagt habe, das bringt nichts, in einem Autohaus mitzuarbeiten und hatte dann im Grunde eine kleine selbstständige Firma mit einem Existenzgründer darin und dann musste mein Vater Insolvenz anmelden. Das war im Sommer noch nicht absehbar, aber irgendwie war das so eine Voraussicht. Und dann habe ich das im Insolvenzbetrieb einfach probiert. Also ich habe es mir anfangs, als es im Dezember die Insolvenz angemeldet wurde, habe ich mir natürlich die ganzen Kosten angeguckt und habe mir gedacht, wie soll es das stemmen? Weil zu dem Zeitpunkt war ich eine One-Man-Show, war da eigentlich auch glücklich mit meinem Schreibtisch im Ausstellungsraum und meinen, glaube ich, acht oder zehn Autos vor der Hütte, weil mehr konnte ich mir nicht leisten.
07:39 Und das waren damals auch noch Autos, die durchaus weniger wert waren, als die Radsätze meiner Mustangs heute. Ja, und so hat es dann halt seinen Lauf genommen, Monat für Monat. Der Insolvenzverwalter hat mich dann gefragt, ob ich die Nachfolge antreten möchte. Und dann haben wir das einfach probiert. Und dann habe ich es insgesamt fünf Monate probiert und habe gemerkt, okay, es ist eine Herausforderung, aber in den passenden Rahmenbedingungen könnte es funktionieren. Und dann habe ich mich im Juni 2009 dazu entschieden, das einfach zu machen. Und da bist du ja, das Autohaus war in der Insolvenz, also finanziell schwierige Lage. Und dann bist du ja angetreten, um das, ich sage jetzt mal, besser zu machen oder aus der Krise rauszuholen mit deinem eigenen Business. Und du hast ja, der Familienbetrieb war ja noch da. Das war in den selben Räumlichkeiten. Und die haben ja dann auch da noch weiter mitgezogen.
08:27 Das war wahrscheinlich auch ein schwieriger Übergang. Also Nachfolge, wenn man da so will, ist ja nicht nur schauen, dass die Finanzen passen, sondern du musst ja deine Familie da auch unterbringen. Also das war ein langer Prozess wahrscheinlich. Wie so oft im Leben, wenn du das vorher weißt, würdest du es dir nicht trauen. Was für Herausforderungen dich auf dem Weg prägen oder dir gestellt werden. Und natürlich ist es genau in der Situation. Es war egal, bei welcher Fahrzeugbank du anfragst. Das heißt, Entschuldigung, gleicher Vorname wie der Vater auch noch. Also mein Zweitvorname ist ja der gleiche wie mein Vater. Daher muss man erst mal erklären, dass ich nicht der gleiche bin. Dann fängst du dir an und sagst, ja, sie sind Existenzgründe. Sie kommen aus dem insolventen Auto. Also das wollen sie. Also hatte ich nur meinen Startkredit.
09:16 Das kann man auch sagen. Es waren 140.000 Euro. Und wer sich mit Autos ein bisschen auskennt, weiß, wie viel mir das mitbekommt. Deswegen auch die Anspielung mit dem Wert. Und damit habe ich das Ganze die ersten zwei Jahre gemacht. Das war ambitioniert. Und es hat aber auch auf der einen Seite, der Schritt hängt natürlich jetzt nicht nur mit dem Hunger, selbstständig zu sein, Unternehmer zu sein zusammen, sondern war natürlich auch eine gewisse Verpflichtung gegenüber der Familie. Weil ich wollte, dass das, was mein Vater aufgebaut hat, auch weiterlebt. Ich war ja selber in dem Thema drinnen. Dann auch Thema Mitarbeiter. Es hängt natürlich alles davon ab. Dann ist es noch in der Kleinstadt. Das ist ja noch ein anderes Thema. Und daher wollte ich einfach, dass es weiterläuft. Aber auf der anderen Seite musst du dann eine imagemäßige Neupositionierung machen. Weil es ist ja natürlich auch in der Presse. Es weiß jeder. Der Meier hat Insolvenzer angemeldet.
10:02 Auch wenn das 2008 in der Finanzkrise natürlich keine Seltenheit war. Und gerade in der Autobranche. Und die Herausforderung musste gehen. Und dann hat natürlich mein Vater noch aktiv mitgewirkt. Obwohl jetzt ich eigentlich auch auf dem Papier der Chef war. Das ist ein Spannungsverhältnis. Spannung, ja. Dann sind wir vom Charakter verschieden. Mein Vater ist ja dominant. Nicht eher kooperativ. War spannend. Es muss man aber auf der anderen Seite sagen. Dieses familiäre Umfeld hat es auch möglich gemacht. Es dann letztendlich auch mit zu schultern. Also es ist auch eine wichtige Komponente. Weil nur dadurch, dass du zusammenstehst in so einer Zeit. Kannst du das auch wieder nach vorne ziehen. Also es war auch ein Riesenfaktor. Ja, es ist ja auch nicht nur ein Spannungsfeld. Deine Mutter ist ja auch ganz senatorisch.
10:48 Ich glaube, fast noch bis heute oder bis vor kurzem hat dir zugearbeitet und dir geholfen. Definitiv, ja. Und deine Schwester hat damals noch, wo ihr in dem alten Standort war, hat die den Service geleitet. Kommt noch später. Und da war die ja auch echt eine Hilfe. Ja. Also das habt ihr schon zusammen da gestemmt. Definitiv. Ich war zu der Zeit ja ein paar Mal bei dir. Ja, da werden wir aber später noch eingehen darauf, was dann die Gründe für den Wandel waren. Also natürlich, meine Eltern hatten ja irgendwo, sagen wir mal, mein Vater hat diesen Weg durchgehen müssen, eigentlich am Ende seiner Berufslaufbahn. Also er war eigentlich kurz, wir waren sowieso vom Generationswechsel. Das ist das eine Thema. Und dann kam eben meine Schwester, kam dann zwei Elf mit dazu.
11:35 Also die habe ich später dazu geholt und die war so mein verlässliches Stand bei dem Service. Weil es ist natürlich immer, du kannst eins besser. Ich bin halt, ich bin der Vertriebler, ich könnte Service, aber mein Herz schlägt einfach für Autos an und verkaufen. Und daher war es dann auch wichtig, dass du ein Standbein hast. Und meine Mutter, aufgrund dessen, dass sie über die Jahre alles gemacht hat, kannst du dich darauf verlassen, wenn es irgendwas auszubügeln gibt oder irgendwo hartnäckig dran zu bleiben. Das ist dann ihr Part gewesen. Und das ist natürlich so ein Fundament von so einem Betrieb. Absolut. Und was mich da interessiert ist, du hast natürlich Erfolg oder die Stichwörter Erfolg und Misserfolg. Du bist ja gerade schon so ein bisschen, du hast es neu positioniert mit deinem Steckenpferd, auch mit den Mustangs.
12:21 Und da habt ihr ja auch viel Kompetenz aufgebaut, seid erfolgreich geworden. Ihr habt eine Marke gegründet mit Mustang Deutschland. Das auch in Facebook reingebracht, da kommen wir gleich noch zu. Und da hast du natürlich auch Erfolge gefeiert, aber auch Misserfolge. Ich habe mir so schön vorbereitend eine Frage hier so ausgedacht. Wenn du da so drauf zurückschaust, auf diese Zeit, hast du da ab und zu mal gedacht, ich schmeiße hin? Gab es die Option? Also da gab es definitiv während der Phase, als ich mir überlegen musste, ob ich es mache. Also sprich, dieses halbe Jahr zwischen Insolvenzanmeldung und dann der faktischen Übernahme, was so im Insolvenzbetrieb war, also unter Leitung vom Insolvenzverwalter.
13:07 Da überlegst du dir natürlich oft, was sind die Alternativen. Weil wenn wir, jetzt mal meine Autohausunternehmerkollegen, wenn wir uns offen eingestehen, was wir da eigentlich machen. Wenn man überlegt, mit welchem Kapitalrisiko du bezüglich Bestandsvolumen, Immobilieninvestitionen, dann Know-how-Abhängigkeit bezüglich der technischen Mitarbeiter. Dann auch die Dauer der Investitionen, wenn du dagegen, dann die Umsatzrendite, die durchschnittlich im Autohandel ist. Und selbst wenn du doppelt so gut bist wie der Durchschnitt, dann hast du 2,4% Umsatzrendite. Und da gehört schon ein bisschen Passion und ab und zu auch Ausblenden dazu, dass man das wirklich macht. Weil du kannst natürlich, wenn du heute in eine Verkaufsleiterposition gehst, verdienst du teilweise das gleiche wie ein Autohausinhaber. Aber da sind wir wieder beim Thema Unternehmer. Also wo du gerade Passion sagtest, wir kennen uns ja auch schon ein paar Tage und wir kennen uns, haben wir gerade festgestellt, knapp vor Mustang Deutschland haben wir uns kennengelernt irgendwo.
14:03 Ich weiß gar nicht mehr genau wo. Ist aber auch jetzt nicht wichtig, aber so über die Jahre Passion, das war bei dir immer super authentisch. Und das ist auch ein wichtiger Schlüssel, denke ich mal, der zum Erfolg führte, auch langfristig das authentisch zu machen. Bei dem Stichwort Passion ist mir, hast du mal irgendein großes Fest gefeiert, wo wir dann nachts noch Mustangs auf deinem Hof ausprobiert haben? Nein. Haben wir nicht gemacht. Nein. Ist ja aber ein Privatgrundstück, ne? Nein. Von daher, nein. Also von daher, die Passion ist ja bei uns beiden da und wir haben in den Autos gesessen wie die kleinen Kinder und... Stimmt, wir saßen auch drin, ja ich weiß. Wir saßen auch drin. Die Motoren waren aus und wir saßen da. Dann trotzdem nachher so schwarze Striche überall, aber egal. Das beim Thema Passion nur so ein kleiner Ausritt, was wir da schon erlebt haben.
14:51 Da gab es noch andere Geschichten, ja. Ja, auf jeden Fall. Du hast dich von den Verträgen, von den Vollverträgen, Mazda und Ford, hast du dich dann aktiv getrennt? Das war eine interessante Entwicklung. Das ist auch witzig, weil sich das jetzt eigentlich gerade wiederholt hat, so zehn Jahre später. Als ich da reingegangen bin, in die Thematik, habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht über meinen lokalen Markt. Weil das klassische, also das Autohaus von meinem Vater war ja klassischer Markenbetrieb, zwei Markenbetrieb. Dann haben wir teilweise mit Volvo, also drei Marken, klassisches Servicegeschäft, also dieses typische Kürtumgeschäft. Und parallel lief dieses Mustang-Geschäft ja eigentlich schon recht gut an. Ich habe mich aber zu diesem Zeitpunkt nicht getraut, zu sagen, ich habe keine Lust auf diese lokale Kundschaft oder auf das Brot-und-Butter-Sortiment.
15:40 Wir haben ja vom Fiesta bis zum Transit alles verkauft. Wir hatten Abschleppunternehmen, wir hatten eine Aufbereitung, Karosserie. Also alles, das war so dieser bunte Bauchladen, dem man klassische mittelständische Familienautohaus, wie es ja heute nach wie vor gibt. Aber was immer weniger wird, das hatten wir. Und ich hatte so diesen Eindruck, man muss das weitermachen und die lokale Kundschaft so quasi bei Laune halten. Deswegen haben wir uns dann weg von dem Markenthema, weil dadurch, dass ich keine Einkaufslinie hatte, habe ich keinen Händlervertrag bekommen, was aus heutiger Sicht das größte Glück war. Also wir haben nur Serviceverträge gehabt, keine Einkaufslinie, daher auch keine Vorführwagen, kein Händlervertrag. Und dann habe ich gedacht, okay, mein Vater hatte ja damals schon die EGA-Partnerschaft. Darüber hatten wir dann auch Kontakt. Und dann habe ich das als Mehrmarkenautohaus positioniert und parallel die Mustangs gehabt.
16:29 Also wir haben uns dann auch mit meiner Schwester versucht, im Bereich Service die Kompetenz für alle Marken, was man da gemacht hat. Dann so ein Thema wie Autogasumrüstung, dann Vermietung vom Kleinwagen bis zum Transporter hat man gemacht. Eben Abschleppen haben wir nach wie vor gemacht. Und das war so dieser bunt gemischte Bauchladen, den wir versucht haben zu bewirtschaften. Und da dann halt mit knappem Budget gedacht hat, dann bewirtschaftet ich die. Jetzt müssen wir mal gerade, hier läuft gerade ein Trupp Leute vorbei, die sich laut unterhalten. Okay. Also bunt. Denkst du also, um es auf den Punkt zu bringen oder jetzt nicht so weit auszuschweifen, man denkt, man muss es jetzt auch gerade aus Marketing-Sicht, man muss so einen Lokalmarkt bewirtschaften, weil so macht es Sinn und es ist ein tolles Konzept und das habe ich mir ausgedacht. Aber auf der anderen Seite hast du einen wörtlichen Pferd im Stall, nachdem Leute aus Hamburg kommen und es haben wollen, obwohl du da eigentlich gar keine Werbung machst.
17:19 Also so ist ja das Mustang-Geschäft entstanden. Ich wollte ja eigentlich für mich einen Mustang haben und wie man es als Autohändler macht, alles was man irgendwann besitzt, manchmal nach 24 Stunden und manchmal nach einer Woche, man inseriert es. Und in dem Fall war da halt Nachfrage. Ja. Und das war eigentlich das Witzige. Und ich habe die ganzen Jahre dann immer versucht, dieses lokale Geschäft noch zu bewirtschaften. Aber an einem gewissen Punkt habe ich mir gedacht, okay, jetzt go for it. Wir machen einfach Mustangs, beziehungsweise die Passion hat dem Ganzen recht gegeben, dass einfach das, was mir am leichtesten gefallen hat, was mir persönlich gefallen hat, das war auch das, was den Kunden gefallen hat. Und daraus ist dann das Mustang-Deutschland gestanden. Ja, das ist auch in der Tat das, wofür das dein Herz geschlagen hat, hast du ja so gerade formuliert. Und rein in die Nische und der Schlüssel dann zum Erfolg ist ja, wenn du für was brennst, setzt du ja Energien frei.
18:08 Und dann ist das relativ einfach. Ja. Und das wiederholt sich, hast du gerade schon gesagt, jetzt gerade auch wieder so ein bisschen, wo du sagst, Mensch, das ist alles, wie ich es neu aufgestellt habe, nicht ganz einfach. Und ich lasse mal laufen. Und siehe da, auf einmal wiederholt sich so ein bisschen Geschichte dafür, wo du brennst. Das läuft dann wieder von alleine. Wo du gerade sagtest, kommen auf einmal Hamburger zu dir und wollen ein Auto haben. Es kommen ja auch Ruhrgebietler zu dir, haben ein Audi TT quasi gekauft, den du auch schon zugelassen hast. Die Leute aus dem Ruhrgebiet, der eine sitzt ja am Tisch, das bin ich, kommt dann zu dir, guckt sich den TT an, guckt sich dann an, was du da gerade fährst in so einem gebrauchten Range Rover Sport. Und mit welchem Auto fährst du ins Ruhrgebiet zurück?
18:54 Nicht mit dem TT, sondern mit deinem Auto. Ja, aber da war inzwischen doch was anderes. Ja, genau. Den habe ich dir ja relativ schnell auf dem Hof, dann habe ich den Wagen, der angemeldet war, alles fertig. Da habe ich ja Probe gefahren, kam zurück und sagte so, hm, ist cool. Ist halt ein TT. Ja, ist halt ein TT. War ja auch für den Übergang. Und dann sah ich ja deinen Range Rover in schwarzer stehen und sag, wo ist der Schlüssel? Und dann bin ich den Probe gefahren und dann, wo ich zurückkam, gucktest du mich nur an und dachte, hast du die Augen gerollt und sagst, alles klar. Na klar, weil es ein Achtzylinder war. Ja, so ist das Leben. Geht nichts über vor Acht. Gut, soviel dazu. Thema Authentizität, mein permanenter Verhaspler und Reichweite hatten wir vorhin schon mal ganz kurz. Mit der mustangdeutschland.de hieß der nicht nur so, sondern er hat ja auch die Website, was natürlich dann unter SEO-Kriterien und allem natürlich ein Perfect Match ist in dem Kontext.
19:46 Haben wir ja auch damals die Facebook-Seite aufgebaut. Und das ging ja relativ einfach und schnell eine Reichweite aufzubauen, weil das Thema einfach so nische und so speziell und so emotional war. Emotional ist das Thema. Emotional. Das haben wir ja relativ schnell gemerkt. Das machen ja viele, wenn ich jetzt heute, wenn ich sehe Autohäuser, denen ich folge, die versuchen das ja heute noch irgendeine besondere Leasingrate über Facebook zu vermarkten. Da haben wir auch keine andere Alternative manchmal, wenn es ein unemotionales Produkt ist. Aber wir haben sehr schnell gemerkt, wenn du eben ein Burnout auf dem Hof machst oder wenn du zeigst, wie wir Autos modifizieren, customisen, diesen Weg, das Endprodukt, das Besondere und das Emotionale. Da haben wir teilweise Reichweiten hingeriegt, von dem haben andere geträumt, die da Werbung drauf geschalten haben.
20:33 Da waren wir ja regelmäßig begeistert. Und wenn du das dann noch mit Werbung verstärkt hast, war das immens. Und dadurch ist ja dieses, muss man natürlich auch sagen, in der Entwicklungsphase von Facebook, was natürlich 12, 13, 14 eine andere war als heute. Aber war dann plötzlich eine Leichtigkeit. Ich erinnere mich, das war relativ schnell auf 5.000 Fans. Dann ging es ein bisschen langsamer, aber dann waren die 10.000 erreicht. Und aktuell, ich habe es mir nochmal angeschaut, ihr habt 20.000 Fans, die sind ja alle nicht immer permanent super involviert. Aber, was ich mir in den Insights auch angesehen habe, ihr habt eine Reichweite im Monat mit diesen 20.000. Danke fürs Zuhören bis hierhin. Weiter mit der Story geht es im zweiten Teil.
