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Benzingespräche · Folge 13 · · 31 Min

Andre Dietzel, Volkswagen Motorsport GmbH, Leiter Kommunikation und Marketing

Cover des Podcasts Benzingespräche

Andre Dietzel

0:00 / 31:09

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Worum es geht

Durch Teamspirit erfolgreich: im Motorsport, im Unternehmen, im Marketing. Wie entwickelt man ein mehrfaches elektrisches Rekord-Auto in nur 9 Monaten? Wie erreicht man mit Liebe zum (Motor)Sport und Kommunikation seinen Traumjob? Und: bekommt Auto fahren eine neue Qualität, wenn man es nur aus Spaß an der Freude macht? Während seines Boxenstopps bei mir rede ich mit Andre Dietzel über diese und noch weit mehr Themen, die seine Karriere und seinen Traumjob betreffen. Natürlich reden wir über das Rekord-Projekt "id.R", dem aktuellen Aushängeschild von Volkswagen. Wir erfahren wissenswertes aus der Entwicklung und auch wie dies im Kontext der Serienproduktion von VW integriert ist. Aber auch geht es natürlich über den Werdegang von Andre und seine persönlichen Eindrücke der sich so dramatisch wandelnden Automobilindustrie. Wir reden über den Autohandel, Marketing und Automobile-Emotionen. Besonders spannend ist zu hören, wie Andre den Teamspirit lebt: es fällt kaum ein "ich" sondern immer ein "wir". So erreicht man Ziele - im Motorsport, im Unternehmen, persönlich. Links: Volkswagen Motorsport GmbH: https://volkswagen-motorsport.com/

Gespräch als Text

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00:00 Schön, dass du dran bleibst. Weiter geht's. Im Gegensatz zu vielen meiner anderen Gesprächspartnern bist du ja nicht aus dem klassischen Autohandel. Und dennoch hast du da eine gewisse Nähe zu und auch eine Meinung und Blick auf die Dinge. Stichwort Kunden oder Kundensport. Und von deiner Warte aus, jetzt nicht Kundensport, aber ein bisschen Autohandel wirst du ja mitkriegen, die Veränderungen, die da in der Branche speziell auch im Handel anstehen oder schon aufgezogen sind, wenn man so möchte, durch neue Antriebe, Digitalisierung, wie ist denn so dein Empfinden, wie nimmst du das wahr?

00:52 Ja, zunächst muss man sagen, wie gesagt, wir haben jetzt mit dem Handel in der Form jetzt nicht im Alltag, wirklich zu tun. Klar, wir haben auch, ich sag mal, Händler in unserem Umfeld, die auch Motorsport betreiben. Aber grundsätzlich sind wir natürlich auch, vertreiben wir selber Fahrzeuge und verkaufen Fahrzeuge, auch wenn die für die Rennstrecke sind. Insofern haben wir so ein bisschen auch ein Verständnis dafür, welche Rolle der Handel übernehmen muss und wie wichtig auch die Rolle des Handels ist in diesem ganzen Spiel. Weil ich ja, weil ich oftmals den Eindruck habe, dass manch einer die Befürchtung hat, der Handel würde in Zukunft vielleicht übersprungen, würde vielleicht gar nicht gebraucht, weil jeder wie bei Amazon sein Auto mit drei Klicks bestellt.

01:37 Glaube ich ehrlicherweise nicht so dran, dass es so einfach ist, weil ich glaube, ein Auto ist für viele Leute ein sehr, sehr wichtiges Produkt nach wie vor. Ist auch ein kostspieliges Produkt und eine wichtige Anschaffung oftmals und dass man da schon ein bisschen mehr braucht als nur eine Internetseite und einen Konfigurator. Also das ist das eine. Gleichzeitig glaube ich aber auch ganz fest daran, dass natürlich auch der Handel, wie alle anderen in der Autoindustrie, den Wandel durchgehen oder durchmachen muss. Also ich glaube schon, dass sich da vieles verändern wird. Einfach weil dieser Weg zur Elektrifizierung, ob das hier mit Batterieantrieb sein wird oder mit der Brennstoffzelle oder wie auch immer, den halte ich persönlich für unumgänglich.

02:23 Also auch wenn ich mich ehrlich, ich glaube, das sieht man auch an meiner motorsportlichen Vita, sicherlich ein großer Anhänger von Verbrennungsmotoren bin und auch den Sound der Fahrzeuge und so weiter missen werde in Zukunft. Aber glaube ich einleitend schon, wenn man sich die Klimasituation der Welt anguckt, müssen wir irgendwie an das Thema ran und zwar sehr zeitnah und wir müssen was tun. Also wie gesagt, das ist nur dazu, warum ich davon überzeugt bin, dass wir diesen Wandel zur E-Mobilität brauchen. Und wie gesagt, der Handel, der muss sich auch wandeln, aber ich glaube halt auch, dass so radikale Änderungen, und das haben wir ja auch gerade schon ein bisschen beleuchtet mit unseren Projekten, die dazu geführt haben, dass man sich radikal neu erfinden musste.

03:09 Ich glaube, die muss der Autohandel halt auch als Chance sehen in so einer Situation. Also es gibt halt genug Industriebranchen, die vor so einem schwierigen Wandel standen und man muss halt entweder, entweder kann man diese Situation annehmen und versuchen, das Beste darauf zu machen oder man wird scheitern. Es gibt so einen amerikanischen Spruch, der heißt Adapt or Die, also pass dich an oder stirb. Der ist natürlich relativ drastisch, aber am Ende des Tages müssen wir uns alle, ja, müssen wir uns der Situation stellen, die auf uns zukommt. Und es ist besser, die mit Kreativität und Tatendrang und neuen Ideen anzugehen, als zu warten, bis es zu spät ist.

03:55 Also insofern, so schwer wie es auch ist und ich weiß auch, dass im Handel da auch wirklich viel Druck auf dem Kessel ist, aber ich kann auch nur sagen, bei uns in unserer Branche ist auch viel Druck auf dem Kessel und wir haben den Turnaround geschafft, weil wir diese große Herausforderung uns zu Wandel angenommen haben und sicherlich auch ein paar Risiken eingegangen sind und auch andere Wege gegangen sind, als es vielleicht auch für uns, für unseren Konzern eigentlich typisch ist. Bislang war Volkswagen vielleicht nicht immer unbedingt für mutige Entscheidungen und für außergewöhnliche Strategien vielleicht bekannt. Ändert sich sicherlich auch, also da ist auch ein Kulturwandel spürbar bei uns im Haus. Und deswegen will ich darauf hinaus, also man muss diese Situation so schwer wie sie auch ist annehmen und da hilft kein Lamentieren.

04:44 Ja, euer Konzern ist ja, ist mir gerade so ein bisschen, wo du geredet hast, so ein bisschen reflektiert von diesem Adapt-Modus. Ja, eigentlich so ein bisschen in den Act-Modus gegangen, was euer Vorstand da kommuniziert und Audi als Schwestermarke, die sagen, wir setzen da jetzt komplett drauf und da kann ich wieder als Autofan nur sagen, Abgesang von R8 und TT ist schon ein Wort. Also das tut einem ja schon in der Seele weh, wenn man weiß, dass in der Zukunft solche Fahrzeuge, irgendwas in der Art wird es geben, aber das ist schon so ein ganz schön heftiger Turnaround, wobei ich für meinen Teil nicht 100 Prozent an die Elektromobilität glaube.

05:30 Also alternative Antriebe ja, aber wie auch immer die befeuert werden. Und das Thema, was komplett untergeht, sind halt alternative oder synthetische Kraftstoffe. Ja, da muss ich ehrlich sagen, da bin ich jetzt kein Experte auf dem Gebiet, aber ich glaube schon, dass da viel... Es wird entwickelt. Genau, dass man da einfach auch vielen Dingen noch ein bisschen Zeit geben muss. Also auch wenn ich jetzt gerade gesprochen habe, dass es diesen Wandel geben muss, natürlich kommt der nicht von halb auf morgen. Und wir werden jetzt nicht nächstes Jahr, irgendwie wird Volkswagen nicht nächstes Jahr 10 Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen. Das ist natürlich auch nicht der Fall.

06:06 Aber wie gesagt, ich glaube, wenn man es jetzt mal wirklich gesamt ökologisch sieht, muss eigentlich jedem klar sein, dass wir nicht so, wie wir es in den letzten 50 Jahren gemacht haben, weitermachen können. Und welche Technik am Ende da auch die ist, die dabei herauskommt. Ob es synthetische Kraftstoffe sind, ob es Batterieantrieb, also batterieelektrischer Antrieb ist oder eben mit Wasserstoff, mit der Brennstoffzelle, wie auch immer. Ich glaube, da gibt es noch, da gibt es viele Dinge, die in der Luft sind und da wird sich herausstellen, welche Option die beste ist. Bist du denn mit deinen Motorsportprojekten laufend, jetsettend in der Welt unterwegs? Auch das hat sich ein bisschen gewandelt, ehrlich gesagt.

06:54 Wie gesagt, zu den Zeiten der Rallye beim Österschaft, da waren wir 13, 14 Rallyes im Jahr unterwegs plus noch ein paar Events durchaus. Da warst du immer bei? Ja, mehr oder weniger immer, ja. Ich glaube, ich habe so drei, vier Rallyes verpasst. Aber der Rest, bei den anderen war ich dabei. Wie gesagt, von Australien bis Mexiko, von Finnland, auch Südafrika war schon dabei. Also da sind wir schon mit der ganzen Mannschaft, die ja nicht jetzt ich alleine, sondern schon vor allen Dingen auch das Einsatzteam, sind wir schon ziemlich viel unterwegs. Liegt natürlich auch daran, Volkswagen ist ja auch eine Marke, die nicht nur in Deutschland oder nur in Europa wahrgenommen wird, sondern eben halt auch in Asien, in Südamerika, in Russland und anderswo. Also insofern, und wir sehen uns ja als Botschafter für die Marke weltweit und dementsprechend sind wir natürlich auch auf Bühnen in aller Welt unterwegs.

07:46 Und muss ich mir das dann so vorstellen, dass der Leiter Kommunikation und Marketing hauptsächlich auf der Bühne steht oder greift der auch ins Lenkrad? Nee. Nicht als Rennfahrer, aber generell so. Hast du die Möglichkeit oder machst du das, mal mit so einem Rennwagen oder mit so einem halbserien Rennwagen mal eine Runde zu drehen? Nee, leider nicht. Früher, zu meinen Zeiten als Redakteur, ja, da gab es ein paar Gelegenheiten, wo ich mal in einem Rennauto gesessen habe. Heutzutage mache ich es halt nur noch virtuell, was A, die Nerven der Familie schont und B, auch das Portemonnaie. Da ist dann die Escape-Taste günstiger als der nächste Werkstattaufenthalt. Deswegen beschränke ich das darauf. Aber ich muss natürlich sagen, wie gesagt, mit Benzin im Blut, ich bin auch lange Jahre begeisterter Slotcar Racer gewesen. Insofern, alles, was irgendwie vier Räder hat und schnell aussieht, macht mir normalerweise Spaß.

08:34 Bei alledem, was so viel Räder hat, hat es meistens auch irgendwie ein Licht. Und deswegen machen wir jetzt mal das Fernlicht an und gucken in die Zukunft. Es wird in den Medien ja auch durchaus berichtet, dass gerade in den Berichterstattungen vom IDR, das VW Motorsport, eng mit der Serienentwicklung zusammenarbeitet und da ein Know-how-Transfer stattfindet. Ohne da jetzt zu tief in euer Top-Secret-Know-how einzugreifen, wie sieht das in etwa aus? Wie kann man sich das vorstellen? Also wir haben, streng genommen muss man sagen, dass der Motorsport, oder nicht, streng genommen, aber organisatorisch muss man sagen, ist der Motorsport ohnehin bei der technischen Entwicklung der Volkswagen AG angegliedert. Also wir sind im Prinzip Teil der technischen Entwicklung. Und wir haben schon seit vielen Jahren einen sehr, sehr engen Austausch mit den Serienentwicklern.

09:21 Wir haben auch in der Vergangenheit auch einige Entwicklungsaufträge für die Kollegen in Wolfsburg sogar übernommen, weil wir mit unserer Arbeitsweise und unseren Möglichkeiten, unseren Erkenntnissen auch, was Entwicklungsgeschwindigkeit angeht, manchmal schneller sind als die Serienentwicklung, weil wir natürlich weniger Spielregeln haben. Deswegen können wir ab und zu auch mal ein paar experimentelle Sachen machen, sage ich mal. Zum ADR zu kommen, also wie gesagt, da gibt es, abgesehen von dem generell engen Austausch mit der Serienentwicklung, in beide Richtungen. Also wir profitieren auch in vielerlei Hinsicht von den Möglichkeiten der Serienentwickler, ob es jetzt Prüfstände sind, Labors, Windkanal. Also zum Beispiel gibt es in Wolfsburg, haben wir ja den Restorek damals für den AKM Klimakanal getestet.

10:07 Also da konnten wir halt auch klimatische Bedingungen, was Temperaturen, was Luftdruck und so angeht, wie in den Anden in Südamerika simulieren. Also insofern, das ist die eine Seite der Zusammenarbeit, dass wir sicherlich profitieren. Auf der anderen Seite machen wir auch Entwicklungsaufträge für die Kollegen und wir teilen natürlich alle Informationen, alle Erkenntnisse, die wir sammeln in der Entwicklung, jetzt gerade was den ADR angeht, mit den Kollegen. Also wir können jetzt nicht erwarten, dass am Ende am AD3, an dem ersten Straßenauto der ID-Familie, jetzt der Außenspiegel vom ADR prangt. Wobei man muss ehrlich gesagt sagen, der ADR hat natürlich keinen Außenspiegel.

10:46 Aus Gewichtsgründen und weil wir natürlich auch bei Rekordfahrten selten nach hinten gucken müssen. Also insofern, Außenspiegel schon ein schlechtes Beispiel. Aber andersrum, also auch die Motoren, sagen wir mal vom ADR, die werden natürlich nicht Einzug halten in das Serienauto. Aber viele Erkenntnisse, die wir sammeln, sei es jetzt bei der Batterietechnologie, wo wir unsere eigene Batterie gebaut haben, mit einer eigenen chemischen Zusammensetzung, mit einer eigenen Konzeption, ob es die Elektromotoren sind, die wir einsetzen, ob es die Software ist, mit der wir das steuern, das Energiemanagement und so weiter. All diese Dinge stoßen da auf sehr, sehr großes Interesse, weil eben im Moment das Thema elektrischer Antrieb ein fast schier grenzenloses Entwicklungsfeld ist. Und natürlich, wir da manchmal in eine ganz andere Stoßrichtung unterwegs sind als die Serienentwickler.

11:32 Und insofern gibt es da einen sehr, sehr regen Austausch. Aber wie gesagt, das war ja auch früher nie so, dass wir aus dem Motorsport, ich sag mal, Dinge eins zu eins im Serienauto gelandet sind. Es geht da mehr um die Grundlagen, um die grundlegenden Erkenntnisse. Wie gesagt, zum Beispiel, was jetzt Energieverhalten von Batterien angeht, Energieabgabe, Leistungsmanagement und so weiter. Da sind wir, glaube ich, da liefern wir wichtige Erkenntnisse. Okay. Das ist ja auch, was ihr da macht, baut eine eigene Batterie, eigene chemische Zusammensetzung. Jetzt bei dem IDR vorher in der Rallye-Weltmeisterschaft in Dakar, da arbeitet ihr ja an gewissen Limits. Und die Limits schaffen ja neue Erkenntnisse. Und kann man da so in den letzten Jahren vielleicht zwei, drei wirklich große Erkenntnisse nennen, die du oder ihr da gewinnen durftet?

12:27 Es gibt so ein paar Beispiele. Wie gesagt, also das IDR-Projekt ist noch relativ jung. Daraus jetzt schon was ableiten zu können für ein Serienauto ist schwierig, weil das ist ja nicht mal auf der Straße bislang. Aber es gab zum Beispiel diese Doppelturbo-Technologie, die wir beim RaceTurek eingesetzt haben, die dann später auch in den Dieselmotoren speziell im Bereich des Amarok und des Bullys eingesetzt wurden. Also da gab es schon auch wirklich technologische Ableitungen aus den Rennsportmotoren jetzt in dem Fall, die am Ende in der Serie gemündet sind. Aber wie gesagt, in vielen Fällen sind es halt auch konstruktive Details, Leichtbau, Materialbeschaffenheit, die, ich sage mal, vielleicht nicht so plakativ sind, wie jetzt, ich sage mal, wie es der Außenspiegel wäre, wenn es ihn gäbe, den jetzt jeder erkennen kann.

13:15 Sondern oftmals sind es auch, vielleicht auch im Motorbereich Verbrennungsverfahren oder im Fahrwerksbereich gewisse Geometrien, die man findet und die man dann irgendwo übertragen kann. In den modernen Automobilbereichen oder das, was da jetzt gerade so abgeht, autonomes Fahren, wie, was denkst du, wie sich das in den kommenden Jahren entwickeln wird? Schwierig zu sagen, muss ich ehrlich gestehen. Also am Anfang, vor nicht allzu langer Zeit, war da ja die Euphorie sehr groß. Auf der einen Seite vielleicht, auf der anderen Seite auch eine große Befürchtung, dass da die Autoindustrie rechts und links überholt wird. Ich habe, mein persönlicher Eindruck ist, dass sich das Thema ein bisschen abgekühlt hat, weil doch vielen klar geworden ist, wie komplex das Thema ist.

14:03 Es ist sicherlich eine Technologie, die extrem spannend ist und auf die wir auch ein Auge haben. Grundsätzlich, wobei das Thema Sport und autonomes Fahren sich nicht so unbedingt einfach verbinden lassen. Nee, aber da gab es doch auch so Bestrebungen, eine Rennserie zu machen mit rein autonomen Fahrzeugen. Genau, richtig. Aber auch die mussten lernen, dass auch das nicht so einfach ist. Also sonst gäbe es die ja schon längst, also die brauchen auch ein bisschen länger für ihre Entwicklung als gedacht. Ich war letztes Jahr mit so einer Unternehmerreise nur Autohandel im Silicon Valley. Und San Francisco ist ja so das Gründerzentrum in Amerika. Und da haben wir abends an einer Pitch Night teilgenommen. Und die haben so eine Pitch Night vorbereitet, wo fünf Leute ihre Ideen gepitcht haben.

14:50 Und die waren alle aus dem Automobilbereich. Und da war einer bei, der hat völlig abstrus gepitcht. Der hatte auch ganz wenig Slides nur bei, um das zu zeigen. Der wollte Geld einsammeln für sein autonom fahrendes Rennauto, Schrägstrich Rennteam. Irrsinnig. Also es gibt schon so Querdenker, die das einfach so ein bisschen vordenken. Aber wie du sagst, es gibt ganz viele Einschränkungen. Das wird noch dauern. Ich weiß auch nicht, ob ich persönlich ein Rennen sehen will, wo kein Mensch fährt. Ganz andere Sache. Wir haben das natürlich auch mal untersucht und uns mal ein paar Gedanken dazu gemacht. Wie passt autonomes Fahren und Rennsport zusammen? Ehrlicherweise sind wir da relativ schnell auf das Beispiel gekommen, wie spannend es denn wohl ist, wenn zwei Schachcomputer gegeneinander spielen.

15:37 Also das Duell Mensch gegen Maschine. Das war ja mit Kasparov und so weiter, wer auch immer gegen diese Supercomputer gekämpft hat. Das war natürlich faszinierend. Und ich glaube, es wäre auch faszinierend, wenn ein Rennfahrer gegen ein computergesteuertes Fahrzeug antreten würde. Das hätte vielleicht auch seinen Reiz. Aber ich kann mir schwer vorstellen, dass Autorennen, die allein von Computern betrieben werden, letzten Endes, dass die wirklich für Begeisterung sorgen. Also es wäre sicherlich mal ganz interessant, aber das ist nach, glaube ich, noch einmal gucken, dann auch, glaube ich, das Interesse sehr schnell abeppen, weil es eben nicht Hemmel gegen Vettel ist, im Ferrari gegen den Mercedes, sondern es ist halt dann nur der Ferrari gegen den Mercedes, ohne menschliche Beteiligung.

16:24 Und das ist, ich glaube, das ist dann wirklich sehr schwer mit dem Begriff des Sports zu verbinden. Machen dir manche Entwicklungen Sorgen oder siehst du viele von den neuen Technologien, die da aufziehen, mehr Chancen oder Sorgen? Ich glaube, grundsätzlich begreife ich erstmal neue Situationen als Chance. Wie gesagt, im Persönlichen wie im Beruflichen. Wenn mir irgendwas Sorgen bereitet, dann ist es manchmal die Öffentlichkeit, die doch oftmals sehr schnell gewissen Richtungen hinterherläuft. Wie jetzt zum Beispiel lange Zeit immer gesagt wurde, ja, die deutschen Autohersteller, die haben ja alle das Elektro-Thema verpennt, was ja immer noch gerne von gewisser Seite immer wieder aufgegriffen wird, was ich überhaupt nicht teile, weil wenn man Elektromobilität wirtschaftlich erfolgreich darstellen will, dann muss man dafür gewisse Rahmenbedingungen haben.

17:24 Und die Anzahl an Kunden, die ein Auto kauft, was nicht wirtschaftlich ist oder was teurer ist im Unterhalt als andere Autos, die vielleicht sogar mehr bieten am Ende des Tages, die ist sehr begrenzt. Also wie gesagt, wenn ich damit sagen will, man muss ein gutes Produkt haben und damit auch Geld verdienen, weil Volkswagen beschäftigt um die Welt herum eine ganze Menge Mitarbeiter und hat auch für die eine Verantwortung und muss auch wirtschaftlich operieren. Und da kann man nicht, ich sage mal, aus Risikolust oder aus, wenn man glaubt, man hat eine gute Idee aufs falsche Pferd setzen. Und bislang ist es halt noch sehr schwierig, mit Elektroautos Geld zu verdienen, was ja viele andere Hersteller auch schon gezeigt haben. Und ich glaube, es ist wichtig, dass man das zum richtigen Zeitpunkt etabliert, das Thema.

18:11 Und in einem Zusammenhang, der für beide Seiten interessant ist, a für den Kunden wirtschaftlich darstellbar ist, aber eben auch für den Hersteller in absehbarer Zeit profitabel sein kann. Und deswegen glaube ich nicht daran, dass die, jetzt speziell, weil ja immer auf die deutsche Autoindustrie da aufgeschimpft wird, dass da wirklich diesen Trend verpasst hat. Sondern hoffentlich, das ist jetzt meine persönliche Hoffnung, zum rechten Zeitpunkt die richtigen Produkte auf dem Markt haben wird. Da sind ja auch alle emsig dabei letztendlich. Also da wird ja unfassbar viel Geld investiert. Und wenn man so, ich verfolge ja auch die Fachmedien. Und wenn man da hört, in den nächsten ein, zwei Jahren kommen, ich kenne die genaue Zahl, jetzt nicht 20 neue Modelle. Und Mercedes stellt 26 Modelle jetzt um, wo man auch ein Hybrid bestellen kann. Und im letzten Podcast war der Marketingleiter von Mercedes-Luc, von der Luc-Gruppe hier.

19:01 Und der sagte halt auch, was wir hier nicht auf dem Schirm haben, ist, was in China abgeht. Da kommen nicht 26 Modelle von Mercedes, die auf Hybrid umgestellt werden. Da gibt es 26 Firmen mit eigenen Fahrzeugen, mit der Technologie. Das ist so, ne? Das war aber auch noch so ein bisschen im Hintergrund rum. Äh, ja. Danke erstmal. Jetzt kommen wir nämlich zu den Abschlussfragen, die ich immer total spannend finde. Wobei ich bei dir, in deinem Fall, muss ich ja noch eine einschieben. Erstmal unter zwei Enthusiasten. Du bist in der Motorsport GmbH unterwegs. Welches Fahrzeug, was du selber gefahren bist, war das eindrucksvollste oder das geilste?

19:48 Wir sind im Ruhrgebiet. Das verstehen die Leute. Gut, und war ich nie Autotester. Deswegen ist die Anzahl an Autos, die ich selber gefahren habe, vielleicht nicht so immens groß wie bei anderen Kollegen aus der Branche. Also gut erinnere ich mich natürlich an meine erste Fahrt in einem Ketterhelm Super 7. Das war schon ein tolles Erlebnis, weil es ja so ein total minimalistisches Auto ist. Dann bin ich mal einen GT3 Porsche auf der Rennstrecke gefahren. Auch ein sehr schönes Erlebnis. Ja, das sind sicherlich so die Erlebnisse, die mir so am stärksten in Erinnerung geblieben sind, wenn es jetzt um sehr sportliche Autos geht. Ihr hattet doch mit Sicherheit auch mal so ein Dakar-Tour-Reg da, oder nicht? Ja, bin ich mal mitgefahren.

20:33 Ja, richtig. Aber das muss man ehrlicherweise sagen, das Auto ist ja eher für seine Robustheit bekannt und für sein Durchhaltevermögen, was bei so einer Marathon-Rallye über Tausende von Kilometern über Stock und Stein auch notwendig ist. Also das ist jetzt nicht unbedingt das Auto, wo man jetzt einsteigt und sagt, wow, der beschleunigt ja wie irre. Der wog ja irgendwie zwei Tonnen und hatte nicht mehr Leistung, als heutzutage ein Straßentour-Reg hat. Also insofern war es jetzt nicht so ein Auto, was jetzt fahrdynamisch auf Anhieb einen so vom Hocker gehauen hat. Aber es war natürlich wahrscheinlich das zuverlässigste und stärkste Rennauto im Sinne der Haltbarkeit, was wir je gebaut haben.

21:20 Und sonst, als Nicht-Selbstfahrer, welche Fahrzeuge sind da in Erinnerung geblieben oder gibt es da eine Gruppekategorie? Ja, gut, noch mal auf Motorsport bezogen, natürlich so die Rennautos, die in meiner Jugendzeit besonders präsent waren, ob es jetzt Tourenwagen waren wie in der DTM oder halt auch die Formel-1-Rheinwagen der 90er Jahre, die Zwölfzylinder, Ferrari und so weiter. Das sind natürlich Autos, die einem bis heute irgendwie in Erinnerung geblieben sind, wo der Sound der Formel-1 auch noch auf einem anderen Level war, als er heute ist. Aber das ist halt nun mal vielleicht auch ein Zeichen der Zeit. Ab und zu kann man ja auch mal die alten Autos noch erleben. Insofern, es gibt ja auch die großen Trend zu Oldtimer, zu Klassik-Events und so weiter, wo man die alten Autos noch sehen kann.

22:06 Genau. Ja, und wenn ich jetzt zurückkomme auf, wo ich jetzt die ganze Zeit nur von Rennautos geredet habe, wir reden ja hier auch ein bisschen Richtung Handel, also für mich das perfekte Familienauto ist natürlich, kann es nicht anders sein, der Bulli. Golf-R-Kombi würde es ja auch tun, ne? Ah ne, du hast zu viele Kinder. Jetzt arbeitest du in einem Unternehmen, das den Motorsport für einen der größten Marken der Welt weiterentwickelt, nach vorne bringt. Da wirst du natürlich, ihr habt selber den IDR entwickelt, da hast du natürlich Insights und da wird auch mit Sicherheit noch weiter in die Zukunft geschaut. Und da bin ich mal gespannt auf meine klassischen drei Abschlussfragen. Was glaubst du erwartet die Autobranche?

22:52 Das ist jetzt wieder ein ganz kleines Seitenthema für dich. In den nächsten drei bis fünf Jahren, also Handel und Hersteller, also auch dein Masterchefgeber, VW. Ja, ich meine, das haben wir natürlich jetzt gerade schon ein bisschen angeschnitten. Also der Wandel hin zur Elektromobilität, der wird sicherlich die Branche in den nächsten Jahren beschäftigen, auch weil so viele Fragen noch offen sind und heute eben noch keiner sagen kann, was ist das optimale Konzept. Sei es jetzt mal bei der individuellen Mobilität, also ist jetzt das Elektro-Batterie-Auto die richtige Lösung oder werden wir doch mit synthetischen Kraftstoffen fahren, was auch immer. Aber auch generelle Mobilitätsthemen. Ich glaube, da ist ja ganz viel im Wandel mit dem Thema E-Scooter, was ja gerade in den Medien rauf und runter geht.

23:40 Moja ist, glaube ich, von euch. Dann eben das Thema Moja zum Beispiel von uns, aber auch Carsharing-Angebote. Da ist natürlich, und das sind natürlich auch alles Konkurrenten für den Individualkäufer, der für den Handel ja sehr wichtig ist. Aber das sind sicherlich Themen, da wird es Richtungsentscheidungen geben, die aber, glaube ich, auch sehr stark regional geprägt sein werden. Also es wird sicherlich nicht jetzt so sein, dass plötzlich alle Leute, die auf dem Land wohnen, nur noch mit Moja fahren. Ich glaube, das ist auch keine Lösung. Also so toll wie Moja ist, weil alles, was ich an Feedback höre von Leuten, die Moja benutzen, ist es durchweg positiv. Aber wie gesagt, ob das die Lösung der Zukunft ist, das ist halt die Frage.

24:27 Und ich glaube, die nächsten drei bis fünf Jahre werden sehr, sehr spannend. Und da wird es viele noch weitere Ideen geben, die wir heute noch gar nicht absehen können. Und wir dürfen gespannt sein, wie die Zukunft aussieht. Und für den Motorsport? Ja, der Motorsport schrappt sich ja auch immer auf die Fahne, ein Stück weit technischer Vorreiter zu sein für die Serie. Ich glaube, dass wir das jetzt mit dem E-Motorsport auch wirklich wieder sein können. Muss ich vielleicht ein bisschen weiter ausholen. Generell im Motorsport ist es in vielen Kategorien so, dass die Straßenautos ja viel weiter sind als die Rennautos. Also wenn ich mal beim Beispiel bin, wie jetzt DTM oder auch die Rallyeweltmeisterschaft, da wird ja die Technik der Fahrzeuge in vielen Bereichen gezielt beschnitten, damit der Sport im Vordergrund steht.

25:15 Ist natürlich auch absolut richtig, damit es spannend ist. Aber aus technischer Sicht sind viele Sachen ausgesperrt, die wir im Straßenauto für selbstverständlich halten. Also ob es jetzt ein ABS-System ist oder ob es ein ESP, eine Traktionskontrolle, alles Dinge, die dem Fahrer im Alltag wie selbstverständlich helfen. Habe ich ja sogar, wie gesagt, alles in meinem Bulli. Aber im Motorsport ist das alles eigentlich ausgeklammert worden, um den Sport zu erhalten. In vielen Bereichen zumindest. Und wenn wir jetzt an das Thema IDR zum Beispiel denken, da folgen wir ja gar keinem Reglement. Unsere Techniker können sich da komplett austoben. Ob sie jetzt den Frontspoiler hinten oder vorne oder seitlich anbauen, das gibt uns keiner vor. Und in dem Fall kann der Motorsport dann auch wirklich Innovationsträger sein oder Innovationsmotor sein, wenn sich die Ingenieure wirklich innovativ austoben können und ihren Ideen freien Lauf lassen können.

26:09 Deswegen glaube ich, auch für den Motorsport ist das, auch wenn ich natürlich wegen des anderen Sounds so ein bisschen Tränen im Auge habe, weil der Sound sich verändert, kann das eine ganz spannende Zeit werden für den Motorsport. Aber auch da muss allen klar sein, dass es da auch einen harten Wandel geben wird. Und auch Hersteller, die sich damit bis jetzt noch nicht so beschäftigt haben, auch da Konzepte brauchen für ihre Programme. Wobei ich auch sagen muss, ich will jetzt nicht den Sound vom IDR im falschen Licht erscheinen lassen. Das Auto ist absolut beeindruckend, wenn es erstmal Fahrt aufgenommen hat und dann entwickelt es so ein bisschen so ein Düsenjet-Sound, weil durch den überschaubar lauten Antrieb man wirklich die Aerodynamik sozusagen hören kann.

26:56 Also das ist wirklich ein Erlebnis, das Auto mal bei hoher Geschwindigkeit zu sehen. Also wir waren ja auch jetzt vor wenigen Wochen in Goodwood und die englischen Zuschauer gelten ja als sehr, sehr fachkundiges und sehr versiertes Publikum, was den Motorsport angeht. Und wir haben da sehr, sehr viele begeisterte Gesichter gesehen, als unser Auto da den langstehenden Formel 1-Rekord gebrochen hat. Also insofern glaube ich auch, das ist halt auch eine wichtige Aufgabe für uns und auch für die Hersteller an sich, das Thema Elektromobilität eben auch emotional aufzustellen und auch Leuten zu zeigen, dass Elektroautos Spaß machen können. Und ich glaube, viele Leute, die zum ersten Mal im Elektroauto Platz genommen haben und damit erstmal an der Ampel die anderen Autos um sich herum haben stehen lassen, haben dann schon gemerkt, dass Elektrofahrzeuge auch Spaß machen können.

27:45 Ja, ich habe den Audi e-tron bei der Premiere mal Probe gefahren und das war schon echt eindrucksvoll. Und diese Ruhe und Leichtigkeit, ich habe darüber berichtet, ich habe mich irgendwann an der fünften Ampel umgedreht und geguckt, ob das Auto wirklich so groß ist, weil das so leise, komfortabel und so unfassbar schnell und agil war. Und dann dieses Elektrogeräusch, schon ein bisschen spooky. Bevor ich zur letzten Frage komme, IDR, so eine Ikone, kann man ja schon fast jetzt schon sagen, mit solchen Rekorden. Kam da schon irgendein Scheich auf die Idee, euch ein Angebot zu machen, weil er so ein Auto haben will? Ne, bislang nicht. Da sind ja immer die abstrusesten Bestellungen unterwegs und im Moment, wenn man die Sportauto verfolgt, gerade online, da wird ja nur noch von Hypercars berichtet.

28:38 Aston Martin, Valkyrie glaube ich und wie die alle heißen und da kommen so viele Dinger raus und die sind ja immer sofort alle verkauft. Das ist ja das Erstaunliche dabei. Bugatti will jetzt ein 8 Millionen Auto bauen.

28:53 Sinn und Unsinn. Da bin ich mal gespannt, wann bei euch das erste Mal irgendwo einer sagt, da hat einer angerufen, der will ihn kaufen. Kommt bestimmt noch. Okay. Wann sitzt du das erste Mal in einem komplett autonomen Auto? Ja. Das sich irgendwo hinfährt. Schwer zu sagen. Also das wird sich, also ich bin ja nun kein Techniker, aber ich würde trotzdem tippen, das wird bestimmt noch 5 bis 10 Jahre dauern.

29:18 Man muss da halt auch schwer unterscheiden, auf welcher Straße, in welcher Region bewegt man sich, glaube ich. Das ist auch ein Teil des Themas. Ich persönlich muss nicht sagen, ich fahre ja sehr, sehr gerne Auto. Also ich fahre wirklich sehr, sehr gerne Auto. Aber ich habe auch jeden Tag knapp 50 Kilometer ins Büro for zu, also hinter mich zu bringen. Und ich würde mich auf den Tag schon freuen, wo ich in das Auto einsteigen kann und auf dem Weg zur Arbeit schon mal meine, schon mal die ersten 30 E-Mails machen kann, ohne selber fahren zu müssen. Also ich glaube, Autofahren würde dann auch noch mal eine andere Qualität kriegen, wenn man es nur noch aus Spaß an der Freude machen kann, wenn man es möchte. Und andersrum aber auch Vollbewegungsmittel hätte, die einem noch ein bisschen mehr Freizeit schenken würden.

30:10 Klasse abrundendes Abschlusswort. Also weil, so habe ich es auch noch nicht betrachtet, die Qualität des Autofahrens bei der Wahl der individuellen Mobilität, das ist schon, finde ich sehr gut. Ja, André, vielen lieben Dank, dass du dir Zeit genommen hast und so offen die Fragen da alle beantwortet hast, weil das hat mich total interessiert. Also der Zufall hat uns ja so ein bisschen zusammengeführt und du hast auch so viel mit, du hast ja nur Automobil in deinem Job und da gab es gar keine Wahl, als mit dir das Gespräch zu führen. Ja, vielen Dank nochmal für die Einladung und hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Dann, wir sehen uns sowieso, wir quatschen gleich weiter. Ich habe noch diverse Fragen hier und dich wird man sehen auf den Rennstrecken der Welt.

30:57 Aufpassend, dass ihr immer schön erfolgreich seid. Vielen Dank fürs Zuhören und ich sage auch bis zum nächsten Mal. Tschüss.