Benzingespräche · Folge 12 · · 25 Min
Andre Dietzel, Volkswagen Motorsport GmbH, Leiter Kommunikation und Marketing

Worum es geht
Durch Teamspirit erfolgreich: im Motorsport, im Unternehmen, im Marketing. Wie entwickelt man ein mehrfaches elektrisches Rekord-Auto in nur 9 Monaten? Wie erreicht man mit Liebe zum (Motor)Sport und Kommunikation seinen Traumjob? Und: bekommt Auto fahren eine neue Qualität, wenn man es nur aus Spaß an der Freude macht? Während seines Boxenstopps bei mir rede ich mit Andre Dietzel über diese und noch weit mehr Themen, die seine Karriere und seinen Traumjob betreffen. Natürlich reden wir über das Rekord-Projekt "id.R", dem aktuellen Aushängeschild von Volkswagen. Wir erfahren wissenswertes aus der Entwicklung und auch wie dies im Kontext der Serienproduktion von VW integriert ist. Aber auch geht es natürlich über den Werdegang von Andre und seine persönlichen Eindrücke der sich so dramatisch wandelnden Automobilindustrie. Wir reden über den Autohandel, Marketing und Automobile-Emotionen. Besonders spannend ist zu hören, wie Andre den Teamspirit lebt: es fällt kaum ein "ich" sondern immer ein "wir". So erreicht man Ziele - im Motorsport, im Unternehmen, persönlich. Links: Volkswagen Motorsport GmbH: https://volkswagen-motorsport.com/
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00:00 Benzingespräche. Der Podcast führt mit Menschen aus der deutschen Automobilbranche, die etwas zu sagen haben. Wir teilen die Liebe zum Automobil in persönlichen Erfolgsstories, die es wert sind, erzählt zu werden. Es geht um verschiedene Blickwinkel und persönliche Ausblicke. Vom prüfenden Blick in den Rückspiegel bis zur spannenden Aussicht mit Fernlicht in die mobile Zukunft. Ich bin Tim Klötzing, Online-Marketing-Experte und freier Berater für die Automobilbranche, Autoliebhaber und Agenturinhaber. Herzlich willkommen zurück bei meinem Podcast Benzingespräche. Und heute habe ich wieder einen spannenden Gast. Da habe ich vorhin noch auf der Website spioniert und las im ersten Satz, er hat Benzin im Blut. Super, das ist ja genau der Richtige für mich hier. Er ist Leiter Kommunikation und Marketing Volkswagen Motorsport GmbH und das auch schon seit geraumer 2005. Und vorher Redakteur bei einer Full-Service-Agentur in Hamburg und Reaktionsleiter von Racing1.de.
01:05 Das wird der eine oder andere Racer vielleicht noch kennen. In Zeiten des Mobilitätswandels, speziell bei eurem großen Konzern, beim Volkswagen-Konzern, wo die Motorsport-Sparte auch als Entwicklungstreiber ja gefragt ist und du mit Sicherheit viel um die Ohren hast, von Rekordfahrt zu Rekordfahrt mit dem IDR zu touren quasi und das medial zu begleiten. Super geil, dass du dir Zeit genommen hast. Hallo Andre Dietzel. Ja, vielen Dank. Schön, dass ich dabei sein darf. Cool. Ja, das ist wirklich heute ein Gespräch eines Wiedersehens, weil wir beide kennen uns, haben wir im Vorgespräch noch mal eruiert. Letztes Mal gesehen haben wir uns vor 19 Jahren ungefähr und davor haben wir nämlich zusammengearbeitet eine Zeit lang bei einer Werbeagentur in Essen, weil du hier aus dem Ruhrgebiet ja auch kommst. Richtig, ja. Und haben uns aus den Augen verloren. Und ich habe ja auch ein Herz. Ich habe ja auch Benzin im Blut. Das ist ja schon genau so.
02:00 die Schnittstelle und dann sehe ich hier den André wieder bei VW Motorsport. Echt Wahnsinn, wie das Leben so spielt, ne? Ja, absolut. Ja, prima. Jetzt sitzen wir hier, sind beide total nah dran an dem Thema Automobil, aber von zwei, ja, schon ähnlich, Marketing-PR, aber schon ganz anders, ne? Also Motorsport unterscheidet sich ja von meinem Tun ja maximal, Autohandel und Marketing.
02:28 Was machst du in deinem Job als Leiter Marketing und PR? Wie muss ich mir das vorstellen? Was unterscheidet unsere Alltage quasi? Ja gut, grundsätzlich sind wir, oder sind mein Team und ich für sämtliche Kommunikations- und Marketingmaßnahmen in Sachen Motorsport der Marke Volkswagen zuständig. Ja, fängt an bei ganz normaler Pressearbeit, über die eigenen Medienkanäle, die wir betreiben, ob es jetzt Website ist, Social Media und so weiter. Dazu muss man wissen, dass Volkswagen Motorsport eine Tochtergesellschaft ist von Volkswagen. Also wir sind ein eigenständiges Unternehmen, ganz gut vergleichbar mit einem normalen Mittelständler. Also wir haben alle Funktionen, die ein normales mittelständisches Unternehmen auch hat, sind da sehr eigenständig und haben dementsprechend auch eine eigene Marketing- und Kommunikationsabteilung.
03:16 Also wir sind natürlich die Tochter von der großen Firma und stimmen uns natürlich da täglich mit den Kollegen in Wolfsburg sehr eng ab, was unsere Kommunikationsmaßnahmen angeht, weil wir natürlich am Ende des Tages der sportliche Botschafter der Marke Volkswagen sind. So als, für mich auch als Motorsport-Enthusiast, also du hast wirklich täglich mit dem Thema Motorsport wirklich hands-on zu tun. In Sachen Kommunikation, in eurer Zentrale werden wahrscheinlich Rennwagen rumstehen. Richtig, lässt sich nicht vermeiden. Ja, absolut. Also wir haben ja verschiedene Projekte, also sicherlich im Moment das Projekt mit der größten Aufmerksamkeit ist sicherlich das Thema IDR, unser Elektrosportwagen, mit dem wir diverse Rekorde in den letzten zwölf Monaten eingefahren haben.
04:07 Darüber hinaus sind wir aber auch im Kundensport aktiv. Also wir verkaufen auch den Golf GTI für die Rennstrecke. Der heißt wie das Serienauto auch Golf GTI TCR. Den verkaufen wir an Kundenteams, die den auch rund um den Globus recht erfolgreich einsetzen. Und für den Rallye-Bereich haben wir den Polo GTI R5, den wir auch selber bauen und auch vertreiben. Ja, und mal abgesehen davon, dass natürlich auch ganz normale bürokratische Tätigkeiten wie Budgetplanung oder Datenschutz auch zu meinen Aufgaben zählen, vergeht normalerweise kein Tag, an dem ich nicht inhaltlich mich konkret mit dem Sport auseinandersetze. Ich habe vorhin auf eurer Webseite noch gesehen, dass da wo du sitzt, sind auch die Werkstätten, wo die Fahrzeuge gebaut oder gewartet werden, wie auch immer.
04:53 Muss ich mir das, weil ich noch nicht da war, muss ich mir das auch so vorstellen, dass es wirklich total abgeschottet ist, weil das so ein bisschen auch mit den neuen Technologien ein bisschen unter Geheimhaltung läuft? Ja, also klar, arbeiten wir nicht in verglasten Büros und sind unsere Werkstätten auch in gewissem Rahmen davor geschützt, von außen eingesehen zu werden, ja. Aber gleichzeitig ist die Philosophie bei Volkswagen Motorsport schon immer gewesen, sich auch irgendwo offen zu zeigen, sei es jetzt an der Rennstrecke oder auch was jetzt die eigene Firma angeht. Deswegen ist es bei uns vielleicht anders gehandelt als bei manch anderen Unternehmen in dem Bereich. Aber wie gesagt, es gibt halt Dinge, die kann man zeigen, wie zum Beispiel die Kundensportfahrzeuge und auch die, wie sie aufgebaut, wie sie gewartet, wie sie entwickelt werden.
05:42 Andere Themen wie zum Beispiel den IDR, wo sicherlich manch anderen Konkurrenten großes Interesse hätte, ein bisschen stärker hinter die Kulissen zu gucken. Da müssen wir dann ab und zu auch mal die Tür hinter uns schließen. Ist da schon das Interesse, wenn ihr irgendwo auf Events seid, auch mit dem Fahrzeug, da merkt ihr auch reges, erhöhtes Interesse auch von Fachleuen? Ja, durchaus. Ich sage mal, unser IDR ist als rein elektrisches, als rein elektrischer Sportwagenprototyp sicherlich im Moment ein Stück weit einzigartig. Und ich glaube, dass viele Hersteller großes Interesse daran haben, auch in dem Bereich was zu tun. Und dementsprechend haben wir auch, spüren wir einfach großes Interesse an unserem Fahrzeug. Aber da können wir natürlich auch in gewissen Maße auch stolz drauf sein, weil wir damit einfach, sagen wir mal, sportlich wie auch medial eine Menge erreicht haben.
06:31 Okay. In dem Konzept, was ich ja hier habe, gucken wir jetzt mal erstmal nach dem Intro in den Rückspiegel. Du bist im 74er Jahrgang, unverheiratet, hast drei Kinder und lebst inzwischen in Ilsede, wie wir alle wissen, genau zwischen Hannover und Braunschweig. Bist aber hier so halb gebürtig aus dem Pott Hatting. Richtig, ja. Das ist so eine südliche Kante, muss man dazu sagen. Hast in Düsseldorf Soziologie, Politik, Wissenschaften studiert und bist dann in der beruflichen Laufbahn. Die erste Herausforderung war dann in der Full-Service-Agentur Speedpool, ist jetzt auch relativ racingnah, dann da so in den Bereich eingestiegen.
07:16 Witzig, dass du vorhin in dem Gespräch, wo wir uns wiedergesehen haben, Mensch, hattest du nicht damals schon diesen roten VR6? Ja, witzig, ne? Manche Sachen, ne? Ich bin ja auch irgendwo im Herzen, mein erstes Auto war ein VW und dann ist man da immer so ein bisschen bei. Anyway, was hat dich denn in den Bann des Autos gezogen? Wie bist du denn, weil das kommt ja alles nicht so von ungefähr, ne? Ja, ich glaube, wenn man von Benzin im Blut spricht, dann liegt es meistens daran, dass man damit schon ziemlich früh angefangen hat, mit dem Thema Auto sich irgendwie zu beschäftigen oder sich dafür zu begeistern. Bei mir war es auch klassisch, dass mein Vater halt auch bis heute ein großer Motorsport-Fan ist und mich schon sehr früh zu den Rennen mitgenommen hat.
08:02 Und wie es halt so ist, als kleiner Junge findet man halt Autos halt auch irgendwo gut und dann bin ich auch dabei geblieben, konnte mich dafür immer mehr begeistern und habe am Ende auch irgendwo sicherlich ein bisschen das nötige Glück gehabt, dann Hobby und Beruf irgendwo zu verbinden. Also deswegen, ich sage mal, ist das frühkindlich bedingt. Okay. Ihr habt auf eurer Webseite ein super geiles Interview mit dem Benjamin Leuchter gemacht, ohne Worte. Und dein Vater war die eine Situation, dieses Daumen rauf, glaube ich, macht er da. Was sagt dein Papa zu deiner Motorsport-Karriere und was sagt dein Papa zu deinem heutigen Job? Der wird wahrscheinlich sagen, ey, geile Sachen, ne? Ja, richtig. Ah, fantastisch. Ja, bei Benni Leuchter, der ist ja aus Duisburg, ist ja auch ein Kind des Ruhrgebiets und sein Vater, den ich auch kenne, der ist auch wirklich ein super begeisterter Typ und hat genauso viel Spaß am Motorsport wie sein Sohn und insofern passt der Vergleich ganz gut.
08:58 Okay. Kannst du ein bisschen erzählen, wie du auf deiner heutigen Position gelandet bist, wo du ja auch schon seit einigen Jahren am Ruder bist? Wie hat sich das so entwickelt? Ja, wie sich das so im Berufsleben entwickelt. Man macht seine Aufgaben und versucht natürlich danach, also Schritt für Schritt irgendwie weiterzukommen, neue Dinge zu machen oder mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich habe halt seinerzeit bei der Agentur in Hamburg gearbeitet, habe da auch für diverse Kunden im PR-Bereich gearbeitet als Redakteur, als Autor. Ich habe zu den Agenturzeiten halt viel online gemacht damals, aber auch Print, Bücher gemacht, Magazinen, Artikel gemacht und so weiter. Unter anderem auch für Volkswagen und so hat mich dann zunächst mal der berufliche Weg dann direkt zu Volkswagen Motorsport geführt und ja, habe dann da erstmal eine Zeit lang als PR-Referent gearbeitet.
09:50 Und ja, als irgendwann die Option bestand, dass die Leitung der Abteilung sozusagen neu besetzt werden musste, fiel die Wahl halt auf mich. Das ist jetzt so knapp fünf Jahre her und ja, fühle mich da ganz gut, bin da auch ganz glücklich. Und wie vorhin schon im Vorgespräch gesagt, wenn man jetzt 15 Jahre bei einem Arbeitgeber ist, das klingt heutzutage schon so, als wenn man sich da nicht irgendwie, als wenn man Beamter wäre, für manch einen. Aber ich muss dazu sagen, dass wann immer es den Anschein hatte, bei uns langweilig zu werden, haben wir von den Projekten her so einen großen Wandel erlebt, dass es sofort wieder spannend wurde. Und der letzte große Wandel war eben der Ausstieg aus der Rallyeweltmeisterschaft hin zum Elektro-Rennsport, was ein Riesenschnitt war für unser ganzes Unternehmen.
10:39 Aber wie gesagt, das führt dazu, wenn man von vorne anfangen muss, dass die Aufgabe auch gleich wieder spannend wird und dementsprechend ist es bei uns auch nie langweilig geworden. Und du hast dich bestimmt total gesträubt, als sie auf dich zugekommen sind und gesagt haben, möchtest du nicht die Leitung machen? Du hast bestimmt gesagt, oh, ich muss weg. Ja, nee, natürlich habe ich mich da nicht gesträubt, aber das ist halt auch eine Herausforderung, wenn man schon lange im Unternehmen ist und dann, ich sage mal, eine Leitungsrolle, eine Leitungsfunktion übernehmen muss für Leute, mit denen man lange auf einem Level gearbeitet hat. Was sicherlich einfacher ist, wenn man von außen kommt und alles vielleicht ein bisschen distanzierter ist, als wenn man ein Team leiten muss, mit dem man eigentlich befreundet ist, sage ich mal.
11:25 Also einerseits ist es natürlich eine schöne Sache, aber andererseits ist es auch eine gewisse Herausforderung. Aber wie gesagt, wir haben eine tolle Truppe da in Alofer. Wir sind eigentlich so eines der ganz, ganz wenigen echten Werksteams, die es noch gibt im Motorsport, die in der Form arbeiten, wie wir es tun. Also, dass wir Fahrzeuge selber bauen und selber einsetzen, das ist mittlerweile eher selten geworden, weil viele Hersteller das outgesourced haben. Auch das ganze Thema Arbeitszeiten und so weiter ist da ein Riesenthema. Wir konnten es aber noch für uns so bewahren, wie wir es im Moment haben, auch wie die Kollegen von Porsches auch immer noch tun. Und bei uns entstehen die Autos halt von der Idee bis zum Einsatz unter einem Dach.
12:13 Und was natürlich auch eine ganz große Identifikation der Leute mit dem Produkt und mit dem Erfolg am Ende auch bewirkt. Ja, toll. Da auf dem Posten bist du ja jetzt seit fünf Jahren, hast du, glaube ich, vorher gesagt, steuerst da die Geschicke. Was hat sich denn, vielleicht nicht nur in den fünf Jahren, oder fünf Jahre vielleicht nehmen wir die mal, was hat sich denn da so in den Abläufen in deiner Arbeit so verändert? Greifen wir mal so ein, das war in allen Podcasts immer so ein bisschen Thema, Digitalisierung, neue Anforderungen. Was hat sich denn da so bei dir oder bei deinem täglichen Tun verändert? Vielleicht nehmen wir die ein bisschen längere Zeitspanne als fünf Jahre, weil vor fünf Jahren haben wir das Thema Social Media schon relativ stark vorangetrieben. Aber gegenüber der Anfangszeit bei Volkswagen hat sich die Rolle, ich sage mal, des klassischen Pressesprechers halt ganz extrem gewandelt, wo man vor zehn, 15 Jahren vielleicht noch wirklich der Ansprechpartner für Journalisten war und sich auch da hauptsächlich darum gekümmert hat.
13:10 Anfragen oder auch Interviewwünsche von Journalisten und so weiter, Ideen für Geschichten von Journalisten sich darum zu kümmern, hat sich das Bild ganz stark gewandelt hin zu der Rolle eines Content-Managers, der halt diverse Kanäle verwalten muss, gestalten muss, füllen muss. Sei es jetzt Social Media, was halt total interaktiv ist und eben nicht eine Einbahnstraße ist, was auch eine große Herausforderung ist, an die Leute damit umgehen, auch was die Kompetenz angeht. Also das hat sich halt einfach, die Aufgabe ist viel breiter, viel vielfältiger geworden. Gleichzeitig weiß auch jeder, dass der Arbeitstag trotzdem nicht unendlich verlängerbar ist. Deswegen muss man da halt auch die richtigen Prioritäten setzen, was halt wichtig ist.
13:57 Und ja, insofern hat sich da die Rolle schon ganz schön stark gewandelt, auch was der Aufwand oder die Menge an eigenen Produktionen ist. Früher war vielleicht das Pressefoto, ich sage mal, der klassische Beitrag einer Presseabteilung. Heutzutage ist es halt sehr viel vielschichtiger, der Content, der selber produziert werden muss und auch die Reichweiten der eigenen Kanäle. Wir haben bei Facebook rund sechseinhalb Millionen Follower. Wow. Da kann man natürlich auch viel mehr aus Eigeninitiative machen, als es vielleicht früher möglich war. Und deswegen ist diese Konzentration auf die Medien sicherlich ein bisschen weiter zurückgegangen, weil man noch einfach von der Produktion her und auch von den Reichweiten her mehr Aufmerksamkeit auf die eigenen Kanäle richtet.
14:44 Also deutlich anspruchsvoller. Ja, im gewissen Rahmen schon, weil es einfach vielfältiger ist. Aber am Ende des Tages ist es natürlich auch viel abwechslungsreicher und auch spannender, wenn man auch einfach mal Sachen selber machen kann und probieren kann und ausprobieren kann und auch Themen setzen kann, die vielleicht von der Medienseite gar nicht so aufgegriffen werden, weil sie vielleicht zu sehr aus der Unternehmenssicht geprägt sind oder was auch immer. Insofern hat man da, würde ich das gar nicht jetzt irgendwie negativ sehen, sondern die Möglichkeiten sind so groß geworden, dass es manchmal vielleicht auch eine Herausforderung ist, den Überblick zu gewahren. Okay, und wenn man das so von den Projekten von euch sieht, wenn ich jetzt von Projekten spreche, dann denke ich an so eine Rallye Dakar, was nun mal auch wahrscheinlich für euch ein Projekt ist in dem Sinne, Rallye und dann ist es heute der IDR, das hat sich ja auch extrem verändert.
15:40 Ja, absolut. Also die Rallye Dakar und die Erfolge bei der Rallye Dakar, die haben ja so ein bisschen auf sich warten lassen. Wir brauchten so ein paar Jahre Anlauf, bis wir da erfolgreich waren. Dann waren wir da aber auch sehr erfolgreich. Und die Dakar-Erfolge sind so das Fundament unserer heutigen Stellung, weil wir, um diese Dakar-Siege gegen sehr, sehr starke Konkurrenz, von Mitsubishi unter anderem zu erringen, uns sehr stark professionalisieren mussten. Also wir haben die Struktur der Firma da seinerzeit massiv ändern müssen, unseren technischen Know-how stark ausbauen müssen. Und das war am Ende das Fundament für die Erfolge, die danach kamen. Und natürlich ist die Medienarbeit bei der Dakar anno 2009 eine ganz andere gewesen als heutzutage.
16:27 Also damals hatten wir, glaube ich, so 50.000 Follower bei Facebook. Da fing das nämlich so an und wir waren froh, wenn wir da aus der Wüste drei Fotos hochgeladen bekommen haben. Das ist natürlich heute alles ein bisschen einfacher geworden. Oder auch viel, der Menge an Content ist einfach immens gestiegen. Und insofern haben sich die Projekte auch immer wieder gewandelt. Und wie gesagt, deswegen, wir mussten uns halt laufend neu erfinden. Wir haben halt erst die Dakar gemacht, dann haben wir vier Jahre Rallye-Weltmeisterschaft gemacht, sind da viermal Weltmeister geworden. Und dann kam halt der Schnitt, der ziemlich spontan kam oder für viele in der Company auch unerwartet. Und dann die neue Herausforderung, mit dem Elektrosportwagen was zu machen. Und hat natürlich auch auf viele Mitarbeiter einen großen Einfluss gehabt, weil ich meine, das ist was anderes, ob ich 14 Mal im Jahr um die Welt fliege mit der Rallye-Weltmeisterschaft oder ob ich ein Event habe in Amerika, wie jetzt letztes Jahr Pikes Peak, wo es halt wirklich bei einem einzigen Versuch um die Wurst geht.
17:26 Und der muss halt sitzen. Und das ist natürlich eine sehr große Herausforderung gewesen. Ja, du hast das vorhin im Vorgespräch, diesen Wechsel auch von der Rallye hin zum ADR, hast du es verglichen, so ein bisschen mit dem Fußball. Wenn du dem FC Bayern München sagst, so deine erste Mannschaft spielt jetzt nicht mehr in der Bundesliga, sondern ist jetzt ein Basketballteam. Also wirklich ein Bruch. Ja, absolut. Ein riesengroßer Bruch, wo wirklich auch viele vielleicht im ersten Moment sich gar nicht so sicher waren, wie sieht denn jetzt meine berufliche Zukunft aus? Oder was wird meine berufliche Aufgabe sein in Zukunft, wenn wir uns aus dem einen Thema verabschieden? Aber zum Glück ist es uns gelungen, das ins Positive zu drehen. Zum einen haben wir halt uns im Kundensport breiter aufgestellt mit verschiedenen Projekten und eben im Elektrobereich den ADR auf die Räder gestellt, in absolut kürzester Zeit dieses Auto gebaut.
18:18 Und die große Aufmerksamkeit, die das Auto bis heute hat, die zeigt einfach, dass man ab und zu so einen harten Schnitt auch braucht, um sich neu erfinden zu können. Der ADR, wenn wir vorhin so ein bisschen über den Vorlauf des Projektes, welchen Vorlauf hätte so ein Projekt? Normalerweise. Normalerweise würde ich sagen, hätte so ein Projekt ungefähr einen Vorlauf von, sicherlich von zwei Jahren. Also mit einem weißen Blut Papier, auch wenn es natürlich heute kein Blut Papier mehr ist, sondern am Rechner skizziert wird das Auto. Aber zwei Jahre sind für so ein komplett neues Projekt mit einem Fahrzeug aus einer Kategorie, die wir vorher noch nie gemacht haben. Also ein reiner Kohlefaser-Sportwagen mit elektrischem Allradantrieb war für uns dann wirklich eine Challenge bei einer Veranstaltung, wo wir vor, also endlicherweise 30 Jahre vorher schon mal waren mit ein paar Leuten, aber die sicherlich nicht mehr damit vergleichbar ist mit dem Event, was es heute ist.
19:16 Also dafür hätte jede normal denkende Motorsport-Abteilung wahrscheinlich gesagt, ja, können wir gerne machen, Pikes Peak in Amerika, das Bergrennen, aber dann in zwei Jahren. Und wir haben gesagt, ja, wir machen das, aber wir machen es in neun Monaten. Und da kommen noch die Hardcore-Learnings aus dem Wille, auch Dakar erfolgreich zu machen. Wahrscheinlich ist da auch eine Connection mit dem Drive, den ihr da, oder mit dem Spirit, den ihr gewonnen habt, oder? Ja, sicherlich. Also da muss man dazu sagen auch, dass das Kernteam von Mechanikern und Technikern schon sehr lange zusammen ist und mittlerweile auch diverse Schlachten geschlagen hat, sag ich mal, erfolgreich. Da war natürlich ein gewisses Selbstbewusstsein da, aber das hat sich dann auch im Laufe des Projekts gezeigt, dass da eine ganze Menge Dinge anders gemacht werden mussten als in normalen Projekten.
20:05 Also es gab viele Situationen, wo einfach sehr kurzfristig gehandelt werden musste, auch mutige Entscheidungen getroffen werden mussten, ich sag mal, gegen den Strich. Also wo man vielleicht auch mal von der normalen, bisherigen Art und Weise, ein Auto zu entwickeln, ein Auto zu bauen, abweichen musste, weil klar war, dafür reicht die Zeit nicht. Also man musste gewisse Risiken gehen, aber am Ende wird der Mutige ja oft belohnt. Und das war in unserem Fall halt auch so, dass all die Risiken, die wir eingegangen sind oder die Fragen, die man halt nicht klar beantworten konnte bei der Auslegung des Fahrzeugs, also wo man normalerweise vielleicht sagt, okay, wir probieren erstmal drei, vier verschiedene Auslegungen und dann gucken wir mal, welches die beste ist. Dafür war halt schlichtweg keine Zeit.
20:50 Also da gab es halt eine Entscheidung, okay, wir gehen in die Richtung und die muss halt funktionieren. Und zum Glück sind unsere Techniker so versiert, dass sie da das Händchen hatten, die richtige Entscheidung zu treffen. Jetzt seid ihr ja natürlich Volkswagen Motorsport, du hast es ja auch schon gesagt, allein sechseinhalb Millionen Follower ist ja eine gigantische Zahl. Sprich, ihr genießt Aufmerksamkeit im Rahmen der Marke. Und da seid ihr ja, einerseits spielt die Konzernmarke Volkswagen natürlich eine Rolle, aber andererseits seid ihr da eine agile Einheit und im komplexen Motorsport unterwegs, der ja nun mal von seinen Erfolgen, aber halt auch von seinen Misserfolgen halt durchaus lebt. Wie ist das, das Medial da am Ruder des Marketings zu begleiten?
21:40 Da muss man halt einfach versuchen, verschiedene Dinger unter einen Hut zu kriegen. Also zum einen sind wir in der Motorsport PR oder im Motorsport Marketing natürlich ganz stark vom sportlichen Erfolg abhängig und davon getrieben, so ein Stück weit. Also wir können uns natürlich die tollsten Visionen zurechtlegen, aber wenn der sportliche Erfolg nicht funktioniert, dann kommt natürlich auch die Botschaft nicht zum Tragen. Also wie gesagt, wir leben sehr stark von den Ergebnissen im ersten Schritt. Zum Glück, wie gesagt, haben wir sehr gute Techniker und auch sehr gute Fahrer immer gehabt. Also wir waren in den letzten Jahren, sodass wir da eigentlich in jeder Kategorie relativ erfolgreich waren. Dazu kommt dann die strategische Komponente, die dann häufig eher von der Zentrale, von Wolfsburg ausbetrieben wird, was jetzt so Kommunikations- und Marketinginhalte angeht.
22:25 Die sind dann meistens ein bisschen erfolgsunabhängiger gestaltet, eben weil es so wenig planbar ist. Und da ist halt auch eine unserer Aufgaben, da, ich sag mal, irgendwo eine Dienstleisterrolle zu erfüllen oder das zu unterstützen, damit diese Kampagnen umsetzbar sind. Also zum Beispiel zur Rallye-WM-Zeit, zur WRC-Zeit gab es eine sehr erfolgreiche Kampagne, Rallye the World, die gar nicht so sehr auf den Sportlichen Erfolg abhob, sondern versucht hat, den Sport den Leuten näher zu bringen, indem es den Sport auf eine sympathische, witzige Weise erklärt hat. Und die Kampagne war sehr erfolgreich. Die war jetzt, sag ich mal, um ehrlich zu sein, jetzt nicht auf dem Mist der Motorsportabteilung gewachsen, aber wir haben natürlich die Umsetzung möglich gemacht, indem wir halt diese ganzen Produktionen unterstützt haben, organisiert haben und so weiter.
23:10 Also insofern haben wir da so eine Aufgabe auf mehreren Ebenen. Einerseits eben den Sport an sich, dem wir sehr nahe sind, weil wir dem ja auch räumlich sehr nahe sind, aber eben auch immer unterstützend den übergeordneten Zielen der Marke zu helfen. Ich höre häufig raus, du redest häufig im Wir, unser Team. Das ist ein wichtiger Faktor grundsätzlich im Sport. Im Motorsport übersieht man gerne mal das Team, was dahinter steht. Wie groß ist euer Team und jetzt speziell auch deine persönliche Unterstützung im Marketing? Also wie gesagt, unsere Company am Standort in Hannover, es sind ungefähr 190 Leute, wie ich eingangs schon mal gesagt habe, die arbeiten aber natürlich nicht alle am Auto.
23:57 Also wir sind, wie so eine eigenständige GmbH halt aussieht, haben wir halt auch eine Beschaffung, wir haben eine Personalabteilung, wir haben eine Finanzabteilung, wir haben natürlich die Werkstätten, wir haben Einkauf, Verkauf und so weiter und wir haben eben halt auch eine kleine Marketing- und Kommunikationsabteilung. Wir sind jetzt im Moment zu viert, war in der Vergangenheit auch schon mal ein bisschen größer, als die Projekte auch ein bisschen größer waren, und wie gesagt, mit 14 WM-Läufen im Jahr rund um den Globus, war natürlich auch einfach auf der Kommunikations- und der Marketing-Ebene nur noch ein bisschen mehr Manpower gefragt. Okay.
24:33 Danke fürs Zuhören bis hierhin. Weiter mit der Story geht's im zweiten Teil.
