Benzingespräche · Folge 115 · · 25 Min
Teil 2 mit Dr. Jörg von Steinaecker, Steinaecker Consulting

Kernaussagen
- Die Automobilbranche muss sich an ein neues Normal gewöhnen.
- Digitalisierung bietet Chancen, wird aber noch nicht voll ausgeschöpft.
- Neue Geschäftsmodelle könnten den traditionellen Autoverkauf ablösen.
- Das Agenturmodell ist noch mit vielen Unsicherheiten behaftet.
- Offenheit und Zusammenarbeit sind entscheidend für den Erfolg.
Worum es geht
2023 & 2024 - Stand der Dinge bei der Digitalisierung in der Autobranche Teil 2: Die Autobranche kommt nicht zur Ruhe und auch das Jahr 2023 war ein bewegtes für den Autohandel, indem sich der Autohandel (wie immer) als stark bewiesen aber auch weiterentwickelt hat. 2024 hat gerade begonnen und die Herausforderungen reißen nicht ab. Mit Dr. Jörg von Steinaecker, einem der Experten für die Digitalisierung in der Autobranche, spreche ich in dieser Ausgabe über seinen Eindruck, was sich getan hat, wo die Branche steht und was in 2023 zu erwarten ist. Es geht um bestehende und neue digitale Herausforderungen, alte und neue Geschäftsmodelle und Arten von angebotener Mobilität, künstliche Intelligenz und dem Umgang mit Krisen - dem "new normal". Geballtes Wissen im Januar - wieder ein "must hear"! Links: Steinaecker Consulting, www.steinaecker-consulting.de https://www.linkedin.com/in/jörg-von-steinaecker-38627851/ Unterstützt durch: Mehrkanal: Full-Service Marketingagentur mit eigener Marketingplattform für alle Marketingkanäle. www.mehrkanal.com
Zusammenfassung
In der neuesten Folge des Podcasts "Benzingespräche" diskutiert Tim Klötzing mit Experten über die Herausforderungen und Chancen, die der deutsche Autohandel in der heutigen dynamischen Umgebung bewältigen muss. Die Automobilbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel, der durch technologische Innovationen und veränderte Kundenbedürfnisse angetrieben wird.
Das neue Normal in der Automobilbranche
Die Automobilbranche ist seit jeher von Krisen und Veränderungen geprägt. Von der Chipkrise über die Corona-Pandemie bis hin zur Elektromobilität – die Herausforderungen sind vielfältig. Doch anstatt diese als Krisen zu betrachten, sollten sie als das neue Normal angesehen werden. Diese Sichtweise erfordert eine Anpassungsfähigkeit und Offenheit gegenüber Veränderungen, die in der Branche oft noch fehlt.
Die Rolle der Digitalisierung
Ein zentraler Aspekt der aktuellen Diskussion ist die Digitalisierung. Trotz Fortschritten gibt es immer noch viele Bereiche, in denen Nachholbedarf besteht. Die digitale Transformation bietet jedoch enorme Chancen, insbesondere im Bereich des Online-Handels. Auch wenn der Online-Autoverkauf noch nicht den traditionellen Handel ersetzt hat, zeigt sich ein klarer Trend in Richtung digitaler Geschäftsmodelle.
Neue Geschäftsmodelle: Vom Verkauf zur Vermietung
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Es wird diskutiert, ob Hersteller in Zukunft weniger auf den Verkauf von Fahrzeugen und mehr auf deren Vermietung setzen werden. Dies könnte zu einer neuen Wertschöpfungskette führen, bei der Fahrzeuge direkt vom Hersteller vermietet und regelmäßig zurückgeholt werden, um sie erneut zu vermarkten.
Das Agenturmodell: Chancen und Herausforderungen
Das Agenturmodell ist ein weiteres Thema, das in der Branche für Diskussionen sorgt. Während einige Hersteller wie Volkswagen und Stellantis dieses Modell als Möglichkeit sehen, Kosten zu sparen, gibt es noch viele offene Fragen, insbesondere hinsichtlich der Bestandsübernahme und der finanziellen Vorteile für die Hersteller.
Fazit
Die Automobilbranche steht vor einem Paradigmenwechsel, der sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringt. Es ist entscheidend, dass alle Beteiligten – von Herstellern über Händler bis hin zu Kunden – offen für Veränderungen sind und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Nur so kann die Branche nachhaltig erfolgreich sein.
Links aus der Folge
Gespräch als Text
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00:00 Benzingespräche. Der Branchen- und Personality-Talk der deutschen Automobilwirtschaft. Der Podcast für und mit Menschen aus der deutschen Automobilbranche, die etwas zu sagen haben. Wir teilen die Liebe zum Automobil in persönlichen Erfolgsstories, die es wert sind, erzählt zu werden. Es geht um neue und verschiedene Blickwinkel auf die Autobranche und persönliche Meinung zukünftiger Geschäftsmodelle und Mobilitätskonzepte. Vom prüfenden Blick in den Rückspiegel bis zur spannenden Aussicht mit Fernlicht in die mobile Zukunft. Ich bin Tim Klötzing, Experte der deutschen Autobranche, Content-Creator und freier Automarketing-Berater. Kurzer Boxenstopp bei meinem Partner dieser Folge, Mehrkanal. Als führender Anbieter für Marketinglösungen bringt Mehrkanal die Werbemaßnahmen ihrer Marke auf die Straße. So erreichen sie ihre Kunden automatisiert, hyperpersonalisiert und mit dem entscheidenden Plus an Relevanz. Seit mehr als 20 Jahren bietet Mehrkanal nicht nur eine umfangreiche Marketingplattform, sondern auch einen erstklassigen Full-Service in allen Marketingfragen. Lokalisieren, konfigurieren, und messen sie ihre Werbemittel und Kampagnen mit Mehrkanal. Mehr Informationen www.mehrkanal.com
01:27 In dieser Folge geht's weiter mit Teil 2 dieser Story. Wer den ersten Teil nicht gehört hat, klare Empfehlung. Auch anhören. Macht mehr Sinn.
01:38 Okay. Ich hab jetzt hier noch ein paar Stichworte. Da reiten wir jetzt mal ein bisschen kompakter durch, weil ich hab so aus den Vorjahren immer noch so drin, zum Beispiel die, wie fällt deine Analyse der Corona-Krise in der, oder auf die Autobranche in Deutschland aus? Ich denke, das haben wir so langsam ein bisschen abgehakt. Wir sind ja eher im Vorgespräch, sagte ich so, wir sind ja schon in einer Phase, wo die Autobranche es ja leider schafft, bei jeder neuen Krise auch die Hand zu heben. Das ist so ein bisschen doof formuliert, aber ich glaube, das können alle fühlen. Da würde ich einfach vielleicht ein paar Stichworte mal hochwerfen und du sagst mal so ein bisschen, was du denkst. Und danach habe ich noch ein, zwei Fragen, eigentlich aus den Vorjahren. Da würde mich auch noch mal interessieren, welche Entwicklung du da siehst. Was ist denn so, ja, Stichpunkte dieses Jahr, Lieferengpässe sind so ein bisschen durch, aber das hat ja wieder komplett umgeschwungen.
02:35 Literal wieder, ja. Also, weißt du, ich würde gerne noch mal einen Schritt zurückgehen und wir reden ja von Krisen und von Polykrisen und da gab es die Chipkrise, da gab es Corona und jetzt gibt es das, was sich preist auf ein Elektrofahrzeug und alles ist eine Krise. Ich glaube, ich glaube, die Denke ist falsch. Ich glaube, wir müssen uns daran gewöhnen, dass diese multiplen, ständigen Veränderungen, das sind die Krisen, das sind nicht mehr Dinge, die irgendwo eine Ausnahmeerscheinung sind, sondern es ist das neue Normal. Wir müssen irgendwie lernen, mit dieser Beweglichkeit unserer Umgebung umzugehen. Und ob das nun ein Hersteller ist, der sagt, ich hätte jetzt gern das Agenturmodell oder ob das der Preis ein Elon Musk ist, der ein Six dazu nötigt, Tesla rauszuschmeißen, weil die keine Lust mehr haben auf seine erratische Preispolitik und die nicht vorhersagbaren Restwerte und uns, das sind keine Krisen, das ist das neue Normal. Ich weiß nicht, wie du das siehst, aber ich glaube, wenn wir das in irgendeiner Aufnahmezustand, dann kommen wir auch nicht in einen Modus, wo wir lernen, damit umzugehen.
03:52 Ja, im Grunde hast du recht. Das leidet natürlich nur, also das New Normal, das, es gibt ja auch New Normals, die, ich sag mal, gelinde gesagt, Ponyhof dagegen sind. Und die Erholungsphasen bei einem New Normal im Kontext Krise, das mal, also wir haben ja irgendwie auch ein bisschen das Gefühl oder ja schon erwähnt, dass Digitalisierung ist ja auch noch nicht überall komplett durch, wenn man ganz ehrlich ist, bei manchen Betrieben. Dann kommst du in noch stärker, stärkeren Online-Handel, dann kriegst du eine Chip-Krise, dann hast du den Hochlauf der Elektromobilität, dann jetzt den Auslauf der Förderung, wo viel, viel am Horizont sich abzeichnen kann.
04:42 Ja, aber das ist selbst gemacht, muss ich nicht sagen. Ja, aber die kommen ja gar nicht, der Autohandel läuft ja hinterher, da kann ja auch jetzt, wenn sich die Regierung da spontan entscheide, was zu ändern, kann ja auch so ein ZDK auch nur hinterherrennen und sagen, was ist das für eine Verlässlichkeit, das Kind ist im Brunnen, Agenturmodell, was völlig unausgegoren ist. Das New Normal im Krisenmodus ist halt schon, also eigentlich nicht so richtig positiv, das ist halt, so nach vorne denken kommt zu kurz vielleicht. Ja, also ich sag mal so, wenn jemand seine Hausaufgaben nicht macht, irgendjemand, ob das ein Hersteller, die Politik ist oder von mir aus auch ein Kunde, dann nervt das. Ja, das kann ich total verstehen und wir können ja darüber diskutieren, wann diese Förderung der Elektromobilität, ich glaube nur das Beispiel, wie da gestrichen wird, darüber kann man ja sprechen.
05:33 Aber worüber man nicht sprechen kann, was gar nicht geht, ist, dass einem Samstag zu verkünden, dass es am Sonntag zu Ende ist. Das geht nicht. Da hat jemand sein Hausaufgaben nicht gemacht. Aber das sind so Sachen, wo an verschiedenen Stellen einfach auch Menschen und Werke sind, die sich vielleicht vorher mal hätten erkundigen sollen oder ähnliches. Nein, diese anderen Themen wie Strukturbrüche in Branchen, also der Wandel der Hersteller oder besser gesagt die komplette Änderung des Vertriebsnetzes eines Herstellers oder eben auch so exogene Themen wie Corona oder wie Lieferengpässe oder ähnliches, auch das wird zunehmen. Auch diese Dinge werden zunehmen, wo man eben nicht nur einen antwortlichen kann.
06:23 Und dieses Thema, da glaube ich, müssen wir eine andere Art der Herangehensweise an solche Veränderungen entwickeln. Das setzt einmal voraus, dass man sich unter den Betroffenen zusammensetzt und gemeinsam nach Lösungen sucht. Also das wären Hersteller, Verbände, Zulieferer, Händler und so weiter. Da haben wir noch eine weite Wegstrecke vor uns, bis das endlich mal passiert. Und was anderes ist aber auch, dass wir Veränderungen nicht immer so als negativ sehen. Mein Lieblingsspruch ist hinweg bekannt. Der Mensch fürchtet zwei Dinge am meisten in seinem Leben. Das eine ist der Tod und das andere ist die Veränderung. Veränderung ist normal. Und dass wir Autos anders verkaufen, ist normal.
07:08 Dass wir vielleicht gar keine Autos mehr verkaufen, sondern nur noch vermieten, könnte auch eine neue Normalität sein. Und sich dem offen gegenüberzustellen und die Chancen zu erkennen und natürlich die Frage zu beantworten, passe ich da überhaupt noch rein, will ich das noch? Und sich auch zu verabscheiden, wenn ich das nicht will. Das ist ja völlig okay, man muss nicht alles mitmachen. Aber die Einstellung dazu, das ist, glaube ich, das, wo wir uns gerade in Deutschland am schwersten mit tun. Guck dir, Online-Zulassung, IKFZ, Großkundenschnittstelle. Man hat es tatsächlich geschafft, fast fünf, zehn Autos seit 1. September vollautomatisch über diese digitale Zulassung durchzukriegen. Fünf, zehn.
07:53 Ich werde irre, wenn ich das höre. Ja, es ist... Weil du es permanent... Es wird der Knaller. Ich habe heute Morgen noch kurz mit dem Kollegen Philipp Kroschke telefoniert und er hatte mir auch noch mal ein, zwei... Boah, Funfacts darf man eigentlich gar nicht sagen, weil das wirklich grausam ist eigentlich, dass am 1. Januar ein Großteil der Zulassung wieder offline geht, weil sie Softwareprobleme haben auf unbestimmte Zeit. Willkommen im Jahre 2024 in Deutschland. Aber gut, was du gerade aber auch so gesagt hast, da fallen mir so viele Punkte zu ein, was du so resümiert hast, wo ich auch so denke... Eieiei, aber ja, wir stehen... Es ist eine stetige Veränderung, es arbeiten überall Menschen und man fragt sich ab und zu, ob die nicht hätten besser mal mehr kommunizieren können.
08:43 Ein häufiges Problem, dem ich halt auch häufig gegenüberstehe. Genau, ein Grund und ein anderer Grund, das wiederhole ich mittlerweile auch, gebetsmühlenartig, da bin ich nicht allein, um Gottes Willen, da bin ich nicht ausgedacht, sondern da schreien die Spatzen von den Dächern, wir sind aber überreguliert. Ja, also es kann ja jeder irgendwo entweder die Datenschutzkarte ziehen oder irgendeine andere Karte ziehen, warum irgendetwas mal wieder irgendwie nicht geht. Ja, nicht gehen kann, nicht gehen darf und so weiter. Wenn das so weitergeht, dann brauchen wir sich zu wundern, dass wir gerade beim Thema Digitalisierung im öffentlichen Bereich, aber auch woanders, langsam nach hinten durchgereicht werden. Das ist traurig, hoffe ich, wir kriegen die Kohle. Ja, ich hoffe auch, ich hoffe auch. Was haben wir denn hier noch für Buzzwords gerade hochgeworfen, wo ich noch was zu sagen wollte?
09:31 Es ging mir gerade, wo du sagtest, vielleicht werden in Zukunft Autos nur noch vermietet. Da ging mir auch letztens einen interessanten Talk dazu, ob es möglicherweise in Zukunft wirklich so ist, dass die Hersteller gar nicht mehr großartig am Verkauf ihrer Fahrzeuge interessiert sind, sondern eher von Anfang bis Ende der Wertschöpfung die Fahrzeuge bei sich belassen. Den Gedanken fand ich sehr bemerkenswert, wenn man so überlegt, dass die Herstellerfahrzeuge direkt vermieten, in welche Modelle auch immer Abo-Modelle gehen und die immer wieder zurückholen und eine neue Wertschöpfungskette bei sich selber aufmachen.
10:09 Also da gibt es schon viele Überlegungen, die sehr weit gespreizt sind und da bin ich mal gespannt, wann die auch so in den Handel schwappen, weil selbst das große Buzzword, der Agenturvertrieb, ist ja schon lange da. Also der Begriff ist lange da, es wird lange vorbereitet, dann habe ich das Gefühl gehabt persönlich, es war so einige Monate oder fast ein Jahr ein gutes, relativ ruhig und la la la, Stellantis, ey super, alles easy, machen wir bald und so, VW, ey super, easy und jetzt rudern sie alle irgendwie zurück und es werden doch keine echten. Und so seit dem Herbst, seit September empfinde ich das so, dass das Thema unheimlich an Dynamik wieder gewonnen hat. Ja, ich glaube, wir haben jetzt auch die Zeit nicht abgeschlossen, aber diese Zeit der Stille, die du beobachtest hast, die habe ich auch beobachtet.
11:01 Aber wenn man dann zum Beispiel mit Uwe Brossett redet oder anderen Experten, die an solchen Prozessen enteiligt sind, dann hört man, ja, das ist die Zeit, wo wir uns ausgetauscht haben, wo wir uns zu diesem, wo wir verhandelt haben, zwischen, ich sage mal, den Endler-Vertretern, den Verbänden auf der einen Seite und den Herstellern auf der anderen Seite. Das sind natürlich auch ganz überraschende Sachen rausgekommen, wenn Volkswagen sagt, wir wollen damit Geld sparen, aber eigentlich die Frage, wie sie denn Geld sparen, wenn sie denn zum Beispiel haben, eine echte Agentur, die Bestände übernehmen müssen und so weiter, noch nicht beantwortet ist, ja, dann kann ich schon verstehen, dass man da vielleicht die ein oder andere Expertenraum nur nochmal drehen muss und nochmal ein paar Analysten beschäftigen muss und dass das einfach Zeit dauert, wo eben auch nichts nach draußen kommt. Nur diese Zeit scheint noch nicht ganz vorbei, aber zumindest die dabei generierten Ergebnisse scheinen im Moment einen Zustand erreicht zu haben, wo man wieder mal an die Öffentlichkeit gehen kann oder an den Handel herantreten kann und sagen, so hätten wir es denn gerne.
12:01 Wir machen echt, wir machen echt bis zum und nur die Modelle oder wie auch immer da die Ausprüfungen sind. Und das löst dann natürlich wieder Reaktionen hervor, die zu Lautstärke führen, sage ich mal ganz platt. Also ich glaube, das ist ein Zyklus, der da im Moment abgeschlossen ist, im Moment merkt man auch, man kommt näher auf die Einführung zu und muss sich dann positionieren und man muss sich als Händler auch eine Meinung bilden, will ich das, will ich das nicht, was sind die Vorteile, was sind die Nachteile, wie verdiene ich in Zukunft mein Geld, da sind wir beim Thema Geschäftsmodelle und das geht nicht geräuschlos.
12:40 Okay, ja. Letztes Jahr haben wir unter anderem so ein Stichwort gehabt, da würde ich nur mal hören wollen, wie du die Entwicklung siehst. Stichwort Online-Auto-Verkauf. Hat der jetzt in 2023 so abgehoben, dass lokal gar keine Autos mehr verkauft werden und alles ist online? Nein. Das hätte auch jeden überrascht. Also es wird auch nicht passieren. Das meint man nicht. Das ist mir klar. Nein, nein, also was gut funktioniert online sind diese Häppchen, sage ich mal, also als Mobilitätsdienst, als Abo-Modell oder als Vermietung oder als Carshall, das funktioniert gut, das wächst weiter. Aber jetzt nicht irgendwie so exponentiell, dass wir in absehbarer Zeit keine Autos mehr verkaufen. Und nochmal, das wird auch nicht passieren. Wir werden in absehbarer Zeit noch viele Autos verkaufen, aber es werden immer wenig.
13:34 Okay. Dann hast du vorhin noch im Vorgespräch ein witziges Stichwort rausgehauen, Börsendämmerung. Ja. Was meinst du damit? Börsendämmerung. Wir haben ja, ich hatte ja eine Studie geschrieben vor zwei Jahren und da kamen wir wirklich auf 150 Fahrzeugbörsen, also wo man Fahrzeuge kaufen kann. Wahnsinn. Und noch nicht im großen Stil, aber ich merke doch, dass im Moment zurückgerudert wird. Also, Hey Car, da munkelt einiges, dass es nicht so rund läuft. Kazoo hat sich zurückgezogen, der eine oder andere schnellend auf der Planke zu stehen. Yes Auto, chinesische Börse, hat ein riesen Furore vor zwei Jahren gemacht, ist abgeschaltet praktisch und so weiter.
14:22 Also, ich glaube, dass nicht nur bei den Händlern, die ja auch alle sich konzentrieren und zusammen fusionieren und gekauft werden, sondern dass auch bei den Börsen ein Bereinigungseffekt auftritt. Wir brauchen einfach keine 150 Fahrzeugbörsen. Ja, und die, die noch kein tragfähiges Geschäftsmodell befunden haben, die gucken halt im Moment, wo sie bleiben. Das meinte ich mit Börsendämmerung. Es ist nicht mehr dieses Wachstum vorhanden in Börsen. Alles klar. Dann gehen wir jetzt mal aus dem Rückspiegel raus und blicken mal nach vorne mit Fernlicht in die Zukunft. Was werden denn deiner Meinung nach die Top-Themen, so wie du das für deinen Bereich oder für den Autohandel so siehst, 2024? Also, das eine ist, die Händler werden sich zunehmend die Frage beantworten müssen, wie positioniere ich mich da in der Zukunft.
15:15 Werde ich zum Aussteiger? Bleibe ich ein Aussitzer? Differenziere ich mich? Das sind so vier Basisstrategien. Und differenzieren, das sind die Geschäftsmodelle, die wir vorhin hatten. Oder werde ich zum Endspieler? Also, das weiß ich, ich kaufe auf und wachse und wachse und wachse und werde dann too big to fail oder wie auch immer. Also, diese Positionierung, das wird ein A-Thema für den Handel sein, Punkt eins. Punkt zwei, wenn ich mich differenziere, dann wird den Handel ein bisschen Rückenwind kriegen. Da bin ich mir relativ sicher. Und zwar von den Systemanbietern, die sich zunehmend öffnen. Wir kriegen endlich an diversen Systemen Schnittstellen. Das sind leider noch homeopathische Dosen, aber die Anbieter haben verstanden, dass sie sich öffnen müssen. Die nehmen dafür immer noch lächerlich hohe Preise, sage ich ganz deutlich.
16:01 Also, für eine REST-Schnittstelle irgendwie pro Jahr 50.000 Euro haben zu wollen, ist eine Frechheit, ganz deutlich ausgesprochen. Aber es gibt sie zumindest. Und das ist etwas, wo den Handel, das Thema Datenintegration als ein Schwerpunkt in der Digitalisierung, das wird ganz nach vorne. Also, ich glaube, diese strategische Positionierung und das Thema Datenintegration, das wird uns bewegen im Jahr 2024.
16:32 Mit allen Konsequenzen. Also, wenn ich aussteige, an wen verkaufe ich die Diffusionsprozesse, also alles, was da dran hängt, sind natürlich logische Folgerste. Siehst du wirklich größere, relevante Entwicklungen 2024 durch künstliche Intelligenz im Autohandel? Nichts, was das System grundsätzlich umkippen wird. Wir werden Entwicklungen sehen, gerade im Bereich Bots, also Chatbots, Speechbots. Es gibt ja interessanterweise noch keine Videobots. Man kann zwar Videos mit KI miteinander verbinden, die vorgefertigt sind und ähnliches. Das geht und ich kann auch, ich sage mal, ein Video von Deutsch auf Kiswahili mit KI übersetzen und das geht alles.
17:22 Aber ich kann noch nicht mit einem Videoagenten, mit einem Videobot live in Realtime mich unterhalten. Also, das könnte noch eine Erweiterung geben. Also, da wird sicherlich was passieren. Wir werden mehr im Bereich der Automatisierung von Prozessen mit KI zu tun haben. Zum Beispiel mit dem Thema hier RPA, Robotic Process Automation, dass das eben durch KI verbessert wird, dass die Erstellung von solchen Bots automatisiert werden kann. Also, da wird es schon deutliche, sichtbare und gute Bewegungen geben. Aber ich glaube nicht, dass morgen irgendeine KI auf den Markt kommt, die automatisch Autos verkauft von A bis Z. Das wird, wenn überhaupt, noch Jahre dauern, wenn überhaupt. Es gibt so die ersten Ansätze, die ich hier und da sehe, die auf Chatbots letztendlich irgendwo aufbauen, aber sich darüber hinaus entwickeln.
18:15 Und da bin ich mal gespannt. Man merkt so, ja, es sind noch Kinderschuhe. Teilweise aber erstaunlich schöne Kinderschuhe, muss man fairerweise sagen. Wenn man auch so ein bisschen ein Herzchen dafür hat, dann denkt man so, hey, das gibt es doch gar nicht. Ich habe letztens mit dem Steven Zielke einen Vortrag gehalten und im Vorklub haben wir auch was mit Hey Jen und mit Video und Voice Duplizierung gemacht oder Copy. Zwischendurch hatten wir ein Video, wo er halt zu sehen war mit einem getippten Text mit meiner Stimme. Ja, ja, ja, genau. Solche Sachen. Es ist echt spooky. Es ist echt spooky, ne? Und naja, das ist schon ganz cool.
19:01 So, was haben wir denn sonst noch? Im Grunde war das eigentlich schon so das Mitwichtigste. Außer du sagst jetzt, Moment, ich möchte für 2024 habe ich noch etwas, das ich unbedingt erwähnen möchte. Ich weiß, dass du, hast mir noch ein Stichwort mit Prozessen gegeben. Ja, genau. Ja, eins habe ich noch. Ich bin ja nun bekennender Technologe und Nerd. Nicht sagen, dass man alles technologisch lösen kann, aber wenn ich antworten müsste, was denn so an wirklich neuerer Technologie demnächst auf uns zukommen könnte. Wir hatten in der Vergangenheit natürlich KI und die wird auch weiterhin ziemlich viel Wirbelsorgen und wir haben RPA und wir haben Open Source und so weiter. Dann glaube ich, dass Process Mining in Zukunft eine größere Rolle wollen spielen wird.
19:49 Was ist das? Wir haben in unseren EDV-Systemen ganz, ganz viele LOD-Files drin. Da steht immer drin, da hat sich der angemeldet und abgemeldet und der hat hier hingeklickt und der hat dahin was geschickt und so weiter. Und es gibt Tools und die fallen unter diesem Kassbegriff. Process Mining, die flöhen sich alle System-Logs und alle Kommunikationsmatrizen und alles, was diese Systeme erzeugen, die im Moment im Autohaus arbeiten, die flöhen die sich rein und beschreiben damit die Arbeitsprozesse, die Workflows im Ist. Also ich muss nicht nur einen Partner ins Autohaus schicken, der im Grunde genommen so einen Float-Chart malt und die Leute nervt und die interviewt, sondern das kommt automatisch aus den Screen-Logs.
20:36 Und zwar in Echtzeit. Also mit allen Ausnahmen. Die Bilder sehen immer gleich aus. Da gibt es so einen Hauptstrang, da laufen so 80 Prozent der Arbeitsabläufe lang. Und dann gibt es eine Kakophonie von Nebensträngen. Das sind die ganzen Ausnahmen. Weil der hat die Sonderlocke und das wird anders gemacht und so weiter. Und dann hätten wir endlich mal eine Grundlage, um Prozesse zu standardisieren. Und wenn wir sie standardisieren, werden wir so dermaßen hohe Kostenpotenziale abschöpfen und auch automatisieren können, dass der Autohandel dadurch einen neuen Push kriegt. Das ist im Moment so im ganz, ganz fernen Lichtkegel des aufgeblendeten Scheinwerfers, glaube ich, das zu erkennen.
21:26 Ich bin ganz gespannt, wie das im nächsten Jahr ankommt. Okay, sehr spannend. Den Begriff würde ich Process Mining. Process Mining. Ich habe es mir ja gerade auch notiert. Echt cool. Wir sind schon sehr weit fortgeschritten hier in der Zeit. Deswegen an der Stelle schon mal Dankeschön. Und wir switchen mal so auf eine Abschlussfrage. Und da verzichten wir heute mal auf das komplett autonome Fahren. Ich weiß, meine Hörerschaft wird aufschreien. Oder sag es mir kurz. Ich habe selber Antwort wie beim letzten Mal. Ja, alles klar, super. Sehe ich auch so. Wenn wir damit meinen, dass wir von jedem Punkt der Erde, auf jedem Punkt der Erde, in jeder Fahrsituation einfach nur einsteigen und von A nach B, dann wird das noch sehr, sehr lange dauern.
22:18 Und Betonung liegt auf jeder Fahrsituation. Absolut jede. Dann wird das noch sehr, sehr lange dauern. Es gibt Situationen, LKWs auf der Autobahn, das habe ich auch das letzte Mal schon gesagt, können wir heute mit anfangen. Ja, ganz genau. Dann machen wir eine andere Abschlussfrage. Was ist, so deiner Meinung nach, ist eine schwierige Frage, sich da so zu exponieren. Aktuell die innovativste Entwicklung im deutschen Autohandel. Kannst du da was rauspicken? Okay, ihr seht sein Gesicht gerade nicht. Ich sehe es. Nein, da glaube ich immer wieder nur die Unternehmer und Unternehmerinnen als Beispiel nehmen, die Veränderung als Gestaltungschance begreifen.
23:04 Und da gibt es welche, die sind wirklich so exorbitant gut. Und ich glaube, dass dieser Virus, der läuft im Moment. Und da werden sich andere noch von infizieren lassen. Das ist eigentlich so das, was ich als Veränderung in diesem Jahr glaube, zu spüren. Und das wird weitergehen. Und das kann digital, das kann Geschäftsmodell, das kann alles Mögliche sein. Aber so dieses risikoaffin, unternehmerisch, visionär und dann aber auch mit einer gewissen Durchsetzung stärker diese Veränderungen im Betrieb durchzudrücken. Oder mit den Menschen zusammenzuarbeiten, dass das Veränderungen hinkriegt. Das sehe ich als die Innovation, die gerade anfängt.
23:50 Und ich glaube, auch noch weitergehen. Das traue ich dem Mittelstand zu. Absolut. Okay. Sehr schöne Antwort. Gefällt mir sehr, sehr gut. Ja, Jörg. Du, ganz, ganz herzlichen Dank, dass du die Zeit genommen hast. So kurz vor Weihnachten. Wir stehen wirklich sehr kurz vor Weihnachten. Genau. Und da würde ich sagen, das war jetzt so auch für mich, dass das Podcastwerk fast dieses Jahr, bin ich fast mit durch. Und freue mich, dass ich ausgerechnet dich wieder gewinnen konnte. Das ist mir ein Fest, jedes Mal mit dir zu sprechen. Und du hast immer sehr schöne, sehr unterschiedliche Inputs, wovon ich auch immer so profitieren kann. Und wenn ich was mitnehmen kann, dann können die Hörer da draußen das auch. Und dann haben wir wieder ein gutes Werk getan. Jörg, ganz herzlichen Dank. Tim, ich sage vielen Dank.
24:36 Danke ans Zuhören. Gruß an alle, die hier zuhören. Im neuen Jahr wahrscheinlich erst. Insofern hoffe ich, dass sie gut reingekommen sind und dabei sein durften. Alles klar. Damit sagen wir Happy New Year und wir hören uns bald wieder. Macht's gut. Ciao. Ciao. Vielen Dank.
