Einleitung

In der neuesten Folge des Podcasts ‚Benzingespräche‘ begrüßt Tim Klötzing die beeindruckende Eva Kellershoff. Als Vice President Sales bei NetZoll für Nordamerika und ehemalige Pionierin im Bereich Car-as-a-Service bei FAIR teilt Eva ihre Erfahrungen und Einblicke in die Automobilbranche. Diese Episode ist Teil der Pink Network-Serie, die sich auf weibliche Führungskräfte in der Automobilindustrie konzentriert.

Das Pink Network – Ein starkes Netzwerk für Frauen

Juliane Schleicher, die Gastgeberin der Pink Network-Serie, erklärt, dass das Pink Network ein Treffpunkt für weibliche Führungskräfte aus der Automobilbranche ist. Es bietet eine Plattform für Austausch und Unterstützung, um Frauen in dieser oft männerdominierten Branche zu stärken.

Eva Kellershoff: Eine Karriere voller Innovationen

Eva Kellershoff ist eine erfahrene Unternehmerin mit einer beeindruckenden Karriere im Bereich Automotive und Fintech. Sie war maßgeblich an der Entwicklung des Car-as-a-Service-Modells beteiligt, das die Art und Weise, wie wir Autos nutzen, revolutioniert hat. In ihrem aktuellen Job bei NetZoll setzt sie ihre Expertise ein, um neue Märkte in Nordamerika zu erschließen.

Die Leidenschaft für Automobile

Evas Begeisterung für Autos ist unübersehbar. Sie liebt die Technik und die komplexen Herausforderungen, die die Branche mit sich bringt. Diese Leidenschaft hat sie dazu gebracht, seit 2016 elektrisch zu fahren und sich intensiv mit digitalen Vertriebsprozessen auseinanderzusetzen.

Startups und die Zukunft der Mobilität

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist Evas Arbeit in der Startup-Szene. Sie schätzt die Dynamik und Innovationskraft von Startups und sieht in ihnen einen wichtigen Motor für den Wandel in der Automobilbranche. Besonders in den USA, wo Wagniskapital reichlich vorhanden ist, sieht sie großes Potenzial für neue Geschäftsmodelle.

Fazit

Die Episode bietet wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Automobilbranche aus der Sicht einer erfahrenen Führungskraft. Evas Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Netzwerke zu nutzen und offen für neue Ideen zu sein, um in einer sich schnell verändernden Branche erfolgreich zu sein.


Show Notes & Key Takeaways

Themen:

  • Vorstellung von Eva Kellershoff
  • Das Pink Network und seine Bedeutung
  • Evas Karriere und ihre Rolle bei FAIR
  • Die Leidenschaft für Autos und Technik
  • Startups und Innovationskraft in der Automobilbranche

Key Takeaways:

  • Netzwerke sind entscheidend für den Erfolg in der Automobilbranche.
  • Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Zukunft der Mobilität.
  • Innovationen wie Car-as-a-Service verändern die Nutzung von Fahrzeugen.
  • Die USA bieten großes Potenzial für Startup-Innovationen.
  • Elektrische Mobilität ist ein wachsender Trend.

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Benzingespräche – der Branchen- und Personality-Talk der deutschen Automobilwirtschaft. Der Podcast für und mit Menschen aus der deutschen Automobilbranche, die etwas zu sagen haben. Wir teilen die Liebe zum Automobil in persönlichen Erfolgsstories, die es wert sind, erzählt zu werden. Es geht um neue und verschiedene Blickwinkel auf die Autobranche und persönliche Meinungen zukünftiger Geschäftsmodelle und Mobilitätskonzepte. Vom prüfenden Blick in den Rückspiegel bis zur spannenden Aussicht mit Fernlicht in die mobile Zukunft. Ich bin Tim Klötzing, Experte der deutschen Autobranche, Content-Creator und freier Automarketing-Berater. Bevor es nun losgeht, ein kurzer Hinweis auf einen starken Partner, der diesen Podcast möglich macht. CarWow! CarWow ist die führende Neuwagen-Plattform für Autokäufer, Händler und Automobilhersteller. Wussten Sie schon? Mit über 3 Millionen Besuchen pro Monat ist CarWow eine der einflussreichsten Automotive-Media-Brands und bietet Herstellern und Händlern Zugang zu Deutschlands größter Neuwagen-Audience. Mehr Infos auf carwow.de Ja, herzlich willkommen zurück beim Benzingesprächen und ein großes Hallo an Juliane Schleicher. Hallo, Jule. Hallöchen, lieber Tim. Da sind wir wieder und heute sind wir dabei mit der zweiten Ausgabe deiner Pink Network-Serie. Pink Network, sag doch mal ein paar Worte dazu. Ja, Tim, vielen Dank. Pink Network ist ein Netzwerkformat für weibliche Führungskräfte, also für Autohändlerinnen, Managerinnen in Auto- und Mobilitätshäusern. Gestartet letztes Jahr im Dezember, sozusagen ein Treffen für alle weiblichen Automobilistinnen. Ja, das klingt gut. Wir hatten ja auch schon eine Folge. Heute sind wir in der zweiten Ausgabe und heute haben wir zu Gast Eva Kellershoff, Startup-Unternehmerin, die ist Vice President Sales bei NetZoll für Nordamerika. Und vielleicht noch ein bisschen bekannter zuvor, war sie bei FAIR und hat dort das Thema oder am Thema Car-as-a-Service und Abomodelle. Das hat sie mit aufgebaut. In wenigen Worten, was sollte man über Eva wissen? Eva Kellershoff ist eine ganz liebe und eine Automobil-Expertin. Also sie liebt das Thema Auto, alles, was damit zu tun hat. Und ja, Eva muss man einfach erleben oder hören. Die kann man gar nicht so in kurzen Worten beschreiben. Sie ist echt eine tolle Frau. Okay, ja, klasse. Ich habe in den Podcast schon ganz kurz reingehört. Ihr kennt euch bereits recht lange. Seit wann und woher? Ich glaube 2017 oder 2018 bei einer Business-Tour, Händlertour in Amerika. Da haben wir tatsächlich FAIR in Santa Monica besucht und da habe ich Eva kennengelernt. Und seitdem sind wir befreundet und immer regelmäßig im Austausch. Und sie unterstützt auch Pink Network. Ah, cool. Ja, das ist natürlich geil. Das war, glaube ich, so eine Unternehmerreise im Kontext Automobil. Und ja, super, dass dabei solche Kontakte entstehen. Ja, mega. Die besten Kontakte. Die besten Kontakte natürlich nur. Über was habt ihr im Kern so gesprochen? Also Eva hat so ein bisschen über sich erzählt, über ihre Leidenschaft für das Thema Automobil oder Automotive grundsätzlich, über so ein bisschen Startups, die Mentalität. Sie ist ja sehr viel in Amerika unterwegs und da haben wir ein bisschen über den Tellerrand geschaut, so ein bisschen den Markt analysiert. Und ja, ein bisschen über Pink Network haben wir auch gesprochen. Aber ich möchte nicht zu viel verraten. Ich würde sagen, wir hören einfach mal rein. Ganz genau. Bevor wir hier besprechen, was ihr besprochen habt, das macht wenig Sinn. Das würden die Hörer, glaube ich, alle unterschreiben. Von daher machen wir jetzt hier einen Knopf dran, wie man so schön sagt. Und wir springen ins Interview zwischen dir, Juliane, und der Eva Kellershoff. Und ich sage schon mal viel Spaß. Und die Jule sagt? Viel Spaß. Super. Auf geht’s. Herzlich willkommen zur zweiten Folge des Pink Network Podcasts, powered by Carbau. Mein Name ist Juliane Schleicher und ich freue mich, dass heute eine liebe Freundin von mir mein Interviewgast ist, Eva Kellershoff. Hallo Eva. Hallo, liebe Juliane. Ich freue mich mindestens genauso. Eva, wir kennen uns ja schon eine ganze Weile. Ich glaube, seit 2017 oder 2018. Aber für alle, die dich noch nicht kennen, stell dich doch gerne selber vor. Ja, hallo, gerne. Mein Name ist Eva. Ich bin Startup-Unternehmerin und auch eine Beirätin in verschiedenen Unternehmen, insbesondere im Bereich Fintech, Mobility, Autofinance, Digitalisierung und Strategie. Ich bin derzeit tätig als Vice President Sales für Nordamerika und Europa für die Firma NetSol bzw. ihre Tochtergesellschaft Otos Mobility in Kalifornien und habe noch kleinere Advisory Jobs für Startups an der Westküste darunter. Und ansonsten bin ich in diesem Job seit mehr oder weniger 2021. Davor habe ich als Senior Director of Strategy bei FAIR gearbeitet in Santa Monica in Kalifornien, wo wir das Car-as-a-Service-Abo-Modell ins Leben gerufen haben. Ich glaube, viele hier in Deutschland, die sich mit den Abo-Modellen beschäftigen, haben das auch so ein bisschen als ihren Startpunkt gesehen. Wir waren da der Pionier in der Industrie, haben das da quasi marktfähig gemacht. Bin dann aber allerdings, wie gesagt, 2021 dann in Deutschland wieder mit anderen Dingen an den Markt gegangen. Und ja, davor habe ich noch, also vor meiner Zeit bei FAIR, als VP für Ricardo Strategic Consulting gearbeitet. Die sind ein weltweiter Player im Consulting-Bereich für Sales und Marketing, aber auch Produktentwicklungsthemen, teilweise auch technisch orientiert im Automobilgeschäft und angrenzenden Industrien und habe dort eigentlich auf Vorstandsebene beraten in Europa, Japan und auch in den USA. Da höre ich ganz viel Auto, Automotive. Ja, genau. Ich kenne eigentlich nur Auto und Fintech. Es hat mich mein ganzes Leben lang begleitet, immer schon. Ich muss auch sagen, ich bin da so ein bisschen reingewachsen. Mein Vater hatte eine Bauunternehmung, ich saß gerne auf dem Lkw. Technische Dinge haben mich wirklich sehr interessiert. Dazu habe ich also mindestens genauso viel Lkw- oder Commercial-Vehicles-Erfahrung, wie ich auch PKW-Erfahrung habe. Interessanterweise traut man das ja Frauen immer weniger zu, insbesondere wenn es dann in die Schwerlastproblematik reingeht. Aber da habe ich mich schon früh rumgeschlagen mit Qualitätsthemen und sogar dem größten Failure- oder Recall-Programm der Welt im Commercial-Vehicle-Sektor. Ich war nämlich fast ein ganzes Jahr mal in Tokio in Japan und habe dort 1,4 Millionen Fahrzeuge geholfen zurückzuholen. Da ging es mit wöchentlichen Pressekonferenzen sehr hoch her. Das kann man, glaube ich, inzwischen aufgrund der Vergangenheit erzählen. Da ging es zurück auf die Übernahme von Daimler, der Tochtergesellschaft Mitsubishi-Fuso. Dort sind zwei Menschen zu Tode gekommen wegen Reifen, die sich an Lkw gelöst hatten. Das Ganze hat dann zu einem wahnsinnigen Rückhol- und Qualitätsthema geführt, das letztendlich Daimler erfolgreich überwunden hat, auch dank unserer Hilfe dort. Aber das waren natürlich echt schwere Zeiten, aber es war super spannend, dabei zu sein. Insofern eine lange, lange History, kann man nur sagen. Was begeistert dich am Thema Auto oder Automotive? Warum liebst du die Branche so? Ich mag einfach das Produkt. Ich mag die Technik drumherum. Ich mag auch die Komplexität. Ich bin ja im Sales und Marketingbereich tätig, die die Menschen fasziniert. Man versteckt sich häufig als Kunde immer sehr rational bei der Kaufentscheidung, auch genau hinter der Technik. Aber wir wissen alle, dass es ein hochemotionales Erlebnis ist, mit dem man dort zu tun hat. Genauso ist es bei mir. Ich bin wahnsinnig begeisterungsfähig für Autos, für Technologie. Ich habe immer versucht, wirklich vorn am Ball zu bleiben und dort mich in die neuesten Dinge hinein zu begeben. Ich fahre selber im privaten Bereich seit 2016 komplett elektrisch. Das hat mich auch immer schon fasziniert. Ich beschäftige mich mit digitalen Vertriebsprozessen. Das ist jetzt nicht der allerneueste Schlager, aber in der Stunde, in der sie geboren wurden, war es so. An der Westküste habe ich mich eben als Pionier mit dem AutoAbo beschäftigt, bevor es irgendjemand getan hat. Auch aufgrund der Tatsache, dass ich das in meiner Beratungsvergangenheit schon mehrfach durch verschiedene Vorstandsvorlagen durchgaloppiert habe. Es war damals in den Großkonzernen noch nicht so reif, sich mit diesem Thema an den Markt zu geben, bis ein Start-up das notwendige Equity zusammenkratzen konnte, um das Thema marktfähig zu machen. Mich fasziniert alles. Es ist diese Kombination aus Dienstleistung, aus dem Produkt. Es ist natürlich shiny, es ist Metall, es ist Glas, es ist Gummi. Du siehst schon aus mir, da leuchten Evas Augen. Du bist ja auch sehr in der ganzen Start-up-Szene unterwegs, hauptsächlich durch Fintech, aber wahrscheinlich auch Automotive. Was begeistert dich daran, an Start-ups? Ist es die Mentalität oder sind es die Storys dahinter? Ja, das ist eine gute Frage, weil da muss ich jetzt auch mal in mich hineinhorchen, was es eigentlich ist. Es ist auf der einen Seite natürlich die Begeisterung, die auch aus meiner Strategieberatung herkommt, immer sozusagen an der Innovation zu kratzen, Dinge neu zu hinterfragen, ständig zu verbessern. Es ist eigentlich dieser Impuls, Dinge ständig weiterentwickeln zu wollen. Gleichzeitig bewundere ich natürlich die Dynamik, die die Start-up-Szene umgibt, in der man Konzepte viel, viel schneller entwickeln kann. Dieses berühmte Motto, try, fail, and then try again, fail better, ist für mich auch so ein Mantra. Ich möchte gerne immer helfen, Dinge schneller und weiterzuentwickeln. Das ist die Faszination. Zum Glück habe ich auch für mich Unternehmen gefunden, Partner gefunden, bei denen das eben auch auf einer gewissen Gegenseitigkeit beruht, wo man sich gegenseitig Respekt dafür zollt, dass man nie zufrieden ist mit dem aktuellen Status quo, dass man es immer wieder weitertreiben möchte, dass man auch versuchen möchte, den Kunden dort abzuholen, wo er ist. Wenn wir mal ganz ehrlich miteinander sind, ist die Automobilindustrie auf der einen Seite, also produktseitig, mit Sicherheit ganz, ganz weit vorne. Dort werden wirklich neue Standards gesetzt, ständig. Aber wenn es darum geht, das bestmögliche Einkaufserlebnis dem Kunden zu präsentieren, dann schielen alle eben zu Amazon. Ganz ehrlich, von Amazon und dieser Kundenzentriertheit sind wir noch ganz, ganz weit entfernt. Und seit ich denken kann, versuche ich auch, diesen Prozess zu verbessern, against all odds. Wir geben nicht auf. Wir geben nicht auf, genau. Und wir kämpfen für den Kunden. Und ich habe ein großes Herz für den Kunden. Und ich glaube, alle Vorstände der großen OEMs haben auch ein großes Herz für den Kunden. Aber ihr Kunde ist dann auch noch der Händler. Und das darf man nicht vergessen. Und die Komplexität des Systems ist eben deutlich größer. Und man kann es nicht einfach nur auf ein kleines Gerüst an Beziehungen reduzieren. Du bist ja, wie gesagt, viel im Startup-Bereich New Economy unterwegs. Der Autohandel ist ja eher immer so gerufen als Old Economy. Du bist ja viel in Amerika unterwegs. Wie verhält sich da so die Automotive-Szene, die Automotive-Branche aktuell? Genau. Also das muss man dann schon mal sehr differenziert, glaube ich, betrachten. Auf der einen Seite, und das war eben bei FAIR auch so der Fall, hatten wir einen extrem hohen Kapitalbedarf, ja, um dieses Geschäftsmodell. Das war ja auch Heavy Asset. Also sprich, wir haben unsere eigenen Autos dort finanziert und hatten fast 100.000 Verträge, also fast 100.000 Autos unter die Menschheit gebracht. Nur die Leute in Kalifornien und auch in anderen großen urbanen Regionen in den USA. Und dafür benötigt es viel Kapital. Und dieses Kapital ist vorwiegend in den USA vorhanden, dieses Wagniskapital. Natürlich ist es jetzt ein bisschen abgeschmolzen, auch aufgrund der veränderten Zinsverhältnisse, nicht nur in den USA, aber auch weltweit. Dafür ist die USA natürlich prädestiniert. Da kann man Dinge ausprobieren. Und wenn man dann mal daneben liegt und vielleicht mal, so wie jetzt Scott Painter, mein ehemaliger Vorstandsvorsitzender, zusammen mit seinem Kollegen Georg Bauer, der ja den Deutschen auch, glaube ich, sehr nah und sehr bekannt ist. Und wenn man dann mal ein Pferd quasi gegen die Wand gefahren hat und ein Unicorn damit gegen die Wand gefahren hat, bekommt man trotzdem noch eine zweite Chance und man kann erneut Wagniskapital einsammeln und sein nächstes Startup aufbauen. Und so ist Scott Painter mit, ich glaube, fast 20 verschiedenen Unternehmen als Serial Entrepreneur sehr, sehr erfolgreich gewesen bis heute. Das andere Thema ist natürlich, wie funktioniert der Automobilhandel? Und dort ist es sehr, sehr andersherum oder besser gesagt sehr, sehr viel konservativer geht es dort zu. Der Hebel, die Machtverhältnisse zwischen OEMs und Handel sind dort ganz anders als in Europa. Wir haben jetzt in Europa zum Beispiel das große Agentenmodell, das hier und da diskutiert wird, insbesondere mit der Ankunft der Elektromobilität gibt es dort sicherlich den ersten großen Schwenk dahin. In den USA hat man das auch seitens der OEMs versucht und läuft jetzt in die erste große Lawine von Gerichtsprozessen hinein, weil sich dort der Händler von Seiten der Legislatoren, also der Gesetzgeber in den einzelnen Staaten, aber auch auf föderaler Ebene sehr viele Schutzrechte sich gesichert hat oder gesichert bekommen hat, auf die sie sich jetzt zurückziehen. Und wir wissen ja alle, dass Elon Musk mit seinem Tesla und dem Direktvertriebsmodell das eher etablieren konnte, weil er eben damals noch klein genug war und dort ein kleines Schlupfloch gefunden hatte, durch das er verkaufen konnte, eben in Kalifornien, USA. Und das haben ihm weitestgehend auch sämtliche Elektromobilitätsanbieter nachgemacht, sei es jetzt ein Rivian oder ein Lucid oder auch jetzt WinFast. Aber die Altherrgebrachten, die mit den Benzinmotoren ausgestatteten klassischen OEMs, die haben ihre klassischen Netzwerke von Händlern und die lassen sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen und die klagen jetzt einfach. Und diese große Klagewelle, die rollt jetzt zu und wir werden einfach mal sehen. Ich persönlich bin eher der Auffassung, dass sich das irgendwann tatsächlich im Sinne des Kunden hoffentlich in eine positive Lösung wenden wird. Also ich bin unbedingt ein Gegner des Agentenmodells. Wir haben das auch damals schon bei der ersten BER, wie hieß das, Block Exemption Regulation, in Deutschland heißt das. Okay, ich komme nochmal drauf. Klassisches deutsches Wort, das mir gerade entfallen ist. Und wir haben es auch damals gerechnet. Es ist mit Sicherheit ein sehr kostspieliges Modell, weil das Risiko, das der Händler heute hatte, das wird künftig an den OEM übergehen. Und das bedeutet auch natürlich ein entsprechendes finanzielles Risiko. Großes Machtwerkzeug, aber auch ein großes Investment inklusive der ganzen Kompetenzen, die bei den OEMs aufgebaut werden etc. Also wie gesagt, das ist ein großes Rad, aber ich bin der Verfechter der Kunden und ich möchte es den Kunden wirklich einfacher machen und wir wissen in den USA, wie viele Milliardäre gibt es dort. Man spricht ja immer von Bill Gates und Elon Musk, aber unter den Händlern haben wir wirklich einige Milliardäre in den USA. Ja, ich glaube das auch. Ungefähr. Und die Ökonomen wissen, woher das kommt. Das kommt nämlich von der Produzentenrente, die letztendlich dort beim Händler hängen bleibt und die dem Kunden abspenstig gemacht wird. Und da kann man noch so einige Machthebel verschieben. Lass uns das mal so ausdrücken. Okay. Wie bewertest du die Entwicklung auf dem deutschen Markt im Vergleich dazu? Ja, ich glaube in Europa ist der Drops irgendwie gelutscht, wie man so schön sagt, denn das Agentenmodell lässt sich jetzt glaube ich nicht mehr aufhalten. Wie gesagt, ich halte es nicht für eine verkehrte Entwicklung. Händler sind aus meiner Sicht ja auch grundsätzlich immer schon Unternehmer gewesen. Die werden ihre unternehmerischen Freiheiten in neuen Segmenten suchen. Stärker halt im Gebrauchtwagen-Segment. Und wir sehen das auch in den USA, wo man sich dort deutlich neue strategische Leitlinien setzt. Sei es jetzt zum Beispiel, wie sagt das, Gebrauchtwagen-Segment oder auch die Integration mit Finanzdienstleistern, um dort die sogenannten F&I-Revenues stärker abzuschöpfen. Das sind solche Entwicklungen. Aber ich glaube, der Händler wird dort findig werden und wird auch für sich die Zusammenarbeit, die Kooperation mit den OEMs neu auslegen, neu definieren und wird daraus sicherlich auch positive Effekte finden. Und vom Risiko entlastet zu sein, ist ja vielleicht auch anderen Händlern nicht unbedingt negativ, sondern es ist aus meiner Sicht eine positive Entwicklung. Und da habe ich eben, wie gesagt, immer den Kunden letztendlich im Blick. Und mit Sicherheit gibt es da Effizienzen bei dem Händler, die wir heben können. Ich bin nur gespannt, wie OEMs die neuen handelsbezogenen Kompetenzen intern aufbauen werden. Das wird noch spannend zu sehen. Wo siehst du die größten Kompetenzen beim Handeln? Natürlich in der Kundennähe. Das ist schon immer so gewesen, sowohl im Service wie auch im Vertrieb, dass Verkaufsabschluss nicht unbedingt tolle Erfahrung ist für den Kunden. Das wissen wir, weil es eben da diese Friktionspunkte gibt, sowohl bei der Anbahnung der Finanzierung wie auch bei dem Vertragsabschluss und letztendlich auch bei dem Verhandeln. Deshalb finde ich es auch nur gut, dass man sagt, okay, lass uns das Verhandeln ganz vom Tisch nehmen. Das ging ja in den letzten paar Jahren auch ganz gut, als der Kunde nicht mehr richtig handeln konnte, als die Knappheit der Waren die Preise diktiert haben. Und für den Kunden ist es ein Stück weit Entspannung, weil warum soll er rumdiskutieren? Bei Tesla diskutiert er auch nicht darum, wie viel das Auto kosten soll. Ich sehe schon jetzt wieder viele alteingesessene Händler im Kopfschüttel oder mit den Augen rollen. Aber das ist für mich, vor allen Dingen jetzt, wenn wir auch mal den Bogen schlagen zum Thema Frauen, ein echtes Thema. Also wir hatten bei FAIR zum Beispiel knapp 45 Prozent, ich nenne sie jetzt einfach mal Käufer, dieser Abos im Vergleich zu 55 Prozent Männern. Und jetzt überlegt man mal, wie viele Männer kaufen im Vergleich beim Händler und wie viele Frauen. Mit Sicherheit überlegen Frauen nicht nur oder bringen sich nicht nur dann ein, wenn es darum geht, die Farbe des Autos zu definieren, sondern sie bestimmen auch viel, viel mehr noch bei dem Auto. Aber der Käufer letztendlich ist oft der Mann. Und das hat auch was damit zu tun, dass Frauen sich dort an der Stelle vielleicht schlecht vertreten fühlen oder eben diesen Prozess als nicht besonders positiv empfinden. Und wenn man Dinge einfach macht, transparent macht, dieses leidige Thema Handeln rausnimmt, dann wird es auch für die Frauen ein deutlich more convenient process, wie man so schön sagt. Und das andere, was wir eben auch beobachtet haben bei FAIR, war, wenn man, das ist ja das Schöne bei der digitalen Analytik, man bekommt ja alles mit, man weiß genau, wie lange ist die Zeit, die vergeht zwischen dem Erstkontakt mit der App und dem tatsächlichen Kaufabschluss. Da konnten wir eben sehen, dass Frauen circa dreimal so schnell ihr Auto erworben haben im Vergleich zu Männern. Also da ist natürlich diese Gamification auch bei Männern, die schauen halt nur auf das Produkt und es reizt sie, noch mal alles durchzuschauen und noch mal tausend Vergleiche anzustellen und vielleicht die Zubehörlisten hoch und runter zu gehen und so weiter. Bei Frauen, das ist jetzt mal meine Unterstellung und ich glaube, das spiegelt sich auch in den diversen Marktstudien wieder, sind es vor allen Dingen mehr pragmatische Gründe, weshalb sie ein Auto brauchen, weil irgendwie da muss jetzt noch ein zweiter Kindersitz rein oder ich brauche mehr Platz. Meine Lebensumstände haben sich geändert, also brauche ich ein anderes Transportmedium. Und das sind letztendlich auch die Gründe, weshalb Abos so eine bedeutende Rolle spielen, auch aus meiner Sicht für die Zukunft, weil natürlich das Leben diktieren sollte, wann du welches Auto oder welches Transportmittel brauchst und nicht unbedingt der drei Jahre Leasingvertrag, der dann abläuft. Ja, und die Flexibilität dann im Prinzip im Vordergrund steht. Ja klar, genau. Apropos Pink Network, wir waren ja, du warst Keynote-Speakerin beim ersten Pink Network Event im Dezember bei Jenny Koch in Berlin. Mich sehr gefreut, dass du da dabei warst, hast auch eine Menge Eindruck bei den Händlerinnen hinterlassen. Wie wichtig ist Netzwerken gerade im Businessbereich für dich? Ja, also erst mal, das war ganz toll, Punkt. Ich habe das super genossen, der Austausch mit den Damen, der war super hochinteressant, von den absoluten Top-Vorstandsetagen, so C-Street-Managerinnen, bis hin zu den Pragmatikern, die irgendwie draußen auf dem Land so ein bisschen vor sich hin wuseln. Und ich meine das im positiven Sinne und dort den Job machen, weil der Vater womöglich jetzt nicht mehr kann und sie dann das Autohaus übernommen haben und ganz neue Kreativität damit entwickeln. Also ich fand das ein total gelungenes Event, also nochmal auch Glückwunsch an dich, wie du es gemeldet hast mit der Jenny Koch, die ich ja zu dem Zeitpunkt erst kennenlernen durfte, die ich ganz, ganz, ganz herzlich grüße hier aus diesem Rahmen. Netzwerken, nochmal auf den zweiten Teil deiner Frage zurückzukommen, ist für mich eine der wesentlichen Grundpfeiler überhaupt jeder Karriere und jedes beruflichen Erfolgs. Witzigerweise hatte ich damals, als ich noch VP war bei Recaro Studio Consulting, habe ich so einen Harvard-Kurs mitbesucht, der war Teil meiner damaligen Promotion. Und da ging es um Professional Services und how women execute. Also das war so ein Teilbereich dieses mehrwöchigen Kurses. Witzigerweise, was mir davon noch in Erinnerung geblieben ist, war, dass es ein Studium darüber gibt, wie Frauen Netzwerke schaffen und wie Männer Netzwerke schaffen. Jetzt bin ich gespannt. Ja, genau. Und aufgrund der Tatsache, dass Männer tatsächlich ja mehr so ein Boys-Club bilden, insbesondere je höher sie in dem Unternehmen nach oben aufsteigen, sind sie sehr, sehr eng vernetzt miteinander in dem Unternehmen. Frauen, wie du ja auch weißt, sind ja eigentlich viel, viel seltener vertreten, insbesondere, wenn es nach oben hin dünner wird und das Glassealing näher rückt. Und dadurch können sie automatisch nicht die gleichen Bonds schmieden, wie das Männer tun. Dem gegenüber steht aber, dass Frauen, um das zu kompensieren, viel stärker nach außen hin, also zu ihren Klienten, zu allen anderen beruflichen Mitkolleginnen und Kollegen in der Branche stärkere Netzwerke bilden. Und dass sie aufgrund dessen, wenn sie dann mal einen Jobwechsel haben, von einem Unternehmen zum anderen wechseln, relativ konstant weiter ihren Erfolg an ihren Erfolg anknüpfen können. Ich bin gegen Männer erstmal in so einen kleinen Slump geraten, um dann erst wieder sich nach oben weiter vorzuarbeiten. Das hat jedenfalls meine Studie zu den Rainmakern, insbesondere auch im M&A-Geschäft, dargelegt. Ich fand das sehr interessant und ich glaube, das ist sehr gut getroffen. Jedenfalls würde ich das jetzt für mich veranschlagen. Es ist auch bei mir der Fall. Deshalb ist es für mich relativ einfach, auch sowohl in den USA als auch hier in Europa, ein relativ enges und dichtes Netzwerk zu halten und darauf immer wieder zurückzugreifen. Natürlich, die Automobilbranche ist nicht so riesengroß und auch gerade im Bereich Fintech und überall, wo es Innovationen gibt, findet man meistens die gleichen Köpfe wieder, auch über 10 oder auch 20 Jahre hinweg. Aber das ist natürlich schon toll und deshalb bin ich froh, dass wir jetzt auch mit diesem Pink Network, diesen Netzwerk-Gedanken nochmal neu aufgelegt haben und all den Frauen, die da wirklich alleine teilweise umherpendeln. Und als Unternehmerin ist man ja automatisch nicht so vernetzt, wie man das vielleicht in einem Unternehmen ist oder in einem Großunternehmen ist, mit anderen Kolleginnen beisammen. Das zu verstärken und diese Förderung möchte ich gerne und jederzeit unterstützen. Dankeschön. Ja, wir hatten jetzt auch schon den zweiten Event in Augsburg bei der AWAG mit Christine Brandmeier. War auch sehr spannend, war wieder eine ganz andere Konstellation. Waren Damen dabei vom letzten Mal, Unternehmerinnen Neue dabei. Und es ist einfach spannend zu sehen, wie vielfältig die Themen auch einfach sind, die die Unternehmerinnen und die Managerinnen bewegen, so wirklich vielseitig. Und das macht so viel Spaß, da zuzuhören und da in die Diskussion einzusteigen. Und dafür lohnt sich das Netzwerken. Man geht immer mit Impulsen raus und ein bisschen mehr Wissen und neuen Kontakten, wertvollen Kontakten auch. Genau. Vielen Dank dafür, dass du das unterstützt hast. Und vielen Dank für deine Zeit, liebe Eva. War mir ein großer Vergnügen. Sehr gerne. Immer jederzeit, wenn es jemanden gibt, dem man wohlfühlig einspringen soll, rufe ich immer an und ich mache es, wenn möglich. Vielen Dank. Dir noch eine gute Zeit und bis ganz bald. Auf jeden Fall. Auch ganz bald und viel Erfolg noch mit dem Format, liebe Juliana. Dankeschön. Bis bald, Eva. Bis dann, tschüss.


Diese Episode ist Teil des Podcasts Benzingespräche von Tim Klötzing.