Einleitung
Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren viele Branchen grundlegend verändert, und der deutsche Autohandel bildet hier keine Ausnahme. In der aktuellen Folge von ‚Benzingespräche‘ spricht Tim Klötzing mit Jörg von Steinecker über die Entwicklungen und Herausforderungen, die die Digitalisierung im Autohandel mit sich bringt.
Rückblick auf das Jahr 2020
Das Jahr 2020 stellte viele Unternehmen vor unerwartete Herausforderungen. Die Corona-Krise führte zu einem abrupten Stillstand, gefolgt von einer schnellen Erholung. Jörg von Steinecker beschreibt diese Entwicklung als ein kurzes, knackiges V. Trotz des anfänglichen Schocks konnten viele Autohäuser schnell wieder Fuß fassen, indem sie sich auf digitale Prozesse einstellten.
Die Rolle der Digitalisierung
Die Digitalisierung hat sich als Schlüssel zur Anpassung an neue Marktbedingungen erwiesen. Von Steinecker betont, dass Unternehmen, die bereit waren, neue Technologien zu nutzen, besser durch die Krise kamen. Insbesondere die Einführung von Online-Meetings und digitalen Strategien half vielen, effizienter zu arbeiten und Kosten zu sparen.
Herausforderungen und Chancen
Während einige Unternehmen die Krise als Chance zur Innovation nutzten, blieben andere in der Schockstarre. Von Steinecker hebt hervor, dass strukturelle Probleme durch die Krise sichtbarer wurden. Dennoch zeigt sich der Experte optimistisch, dass die mittelständisch geprägte Branche gestärkt aus der Krise hervorgehen kann.
Der Einfluss von Online-Shops
Ein weiterer Aspekt der Digitalisierung ist der Aufbau von Online-Shops. Die Nachfrage nach digitalen Verkaufsplattformen stieg, jedoch bleibt die Herausforderung, diese Systeme effizient in bestehende Geschäftsmodelle zu integrieren. Besonders die Einbindung von Finanzierungs- und Leasingoptionen erfordert zusätzliche Anstrengungen.
Fazit
Die Digitalisierung bietet dem Autohandel zahlreiche Möglichkeiten zur Prozessoptimierung und Kundenbindung. Unternehmen, die bereit sind, sich anzupassen und zu experimentieren, können langfristig profitieren. Die Krise hat gezeigt, dass der Mut zur Veränderung belohnt wird.
Show Notes & Key Takeaways
Themen:
- Einfluss der Digitalisierung auf den Autohandel
- Corona-Krise als Katalysator für Veränderung
- Prozessoptimierung durch digitale Tools
- Herausforderungen bei der Integration von Online-Shops
- Strategien zur Kundenbindung
Key Takeaways:
- Die Digitalisierung ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg im Autohandel.
- Die Corona-Krise hat die Notwendigkeit zur digitalen Transformation beschleunigt.
- Unternehmen, die schnell auf digitale Prozesse umgestellt haben, konnten besser durch die Krise navigieren.
- Online-Shops bieten Potenzial, erfordern jedoch sorgfältige Integration.
- Mut zur Veränderung und Experimentierfreude sind entscheidend für den Erfolg.
- Strukturelle Probleme werden in Krisenzeiten sichtbarer.
- Die Zukunft des Autohandels liegt in der effizienten Nutzung digitaler Technologien.
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Benzingespräche, der Podcast für und mit Menschen aus der deutschen Automobilbranche, die etwas zu sagen haben. Wir teilen die Liebe zum Automobil in persönlichen Erfolgsstories, die es wert sind, erzählt zu werden. Es geht um verschiedene Blickwinkel und persönliche Ausblicke. Vom prüfenden Blick in den Rückspiegel bis zur spannenden Aussicht mit Fernlicht in die mobile Zukunft. Ich bin Tim Klötzing, Online-Marketing-Experte und freier Berater für die Automobilbranche, Autoliebhaber und Agenturinhaber. Bevor es mit dieser Folge losgeht, ein kurzer Hinweis auf einen starken Partner, der mich bei meinem Podcast unterstützt. CarWow. CarWow ist ihr Platz für den digitalen Neuwagenvertrieb. Als eine der führenden Plattformen für den digitalen Neuwagenvertrieb zählt sie gut 3,5 Millionen Besuche von Autokaufinteressenten monatlich. Hier verkaufen Händler Neuwagen an lokale Kunden mit hoher Kaufabsicht. Jede vierte Anfrage über CarWow führt zum Kauf. Und nun geht’s los. Herzlich willkommen zurück bei meinem Podcast Benzingespräche. Heute begrüße ich meinen allerersten Podcast-Gast und sozusagen Testpiloten zum zweiten Mal. Herzlich willkommen Jörg von Steinecker. Hi. Hi Tim, grüß dich. Schön, dass ich wieder dabei sein darf. Ja, super gerne. Du warst ja damals mein erster Gast in den Benzingesprächen und das hat mir am Anfang genau mit dir echt Sicherheit gegeben. Das war so ein tolles Gespräch, auch da dran zu bleiben. Danke dafür nochmal. Und ich freue mich, dass das nochmal klappt und ein weiteres Mal mit dir so über den Stand der Digitalisierung des deutschen Autohandels zu sprechen, wo sich ja 2020 definitiv einiges getan hat. Das kann man laut sagen, ja, definitiv. Ja, ganz genau. Erstmal eine ganz pauschale Frage. Wie geht’s denn dem Herrn von Steinecker und was gibt’s so Neues? Also wenn ich Anwalt werde, würde ich sagen, ich kann nicht besser klagen. Alles gut, Gesundheit gut, Familie gut. Natürlich gab’s geschäftlich einen kleinen Knick, wie bei vielen anderen auch, aber ich bin da alles andere als unglücklich und reibe mich so ein bisschen auch ein in die Wirtschaftsauguren. Also es war ein kurzes, knackiges V. Also nach dem Motto im März, April ist alles ein bisschen in die Schockstarre gefallen, aber danach ging es eigentlich munter weiter. Insofern, nee, ich kann überhaupt nicht klagen. Geht prima. Danke. Okay und jetzt wieder busy wahrscheinlich, ne? Ja, wie ich dich kenne. Also mit ganz verschiedenen Themen. Wenn man mal so ein bisschen zurückguckt, was so im Jahr, du machst immer so schön mit dem Rückspiegel, im Jahr 2020 das einfach mal Revue passieren lässt. Es fing eigentlich sehr intensiv an mit vielen Online-Workshops, Veranstaltungen, Perspektiven etc. von der Autohausakademie und dann gab’s schon Mitte, Ende März, wir waren glaube ich so eine der letzten, die eine größere Veranstaltung hatten, auch wieder zum Thema interne Effizienz mit Digitalisierung im Autohaus und danach war Vollsperrung, sage ich mal, der Autobahn. Da ging gar nichts mehr und ich war aber relativ überrascht, weil genauso schnell kamen dann plötzlich wieder die Anfragen. So nach dem Motto, ja, wie kann ich den kontaktlosen Service machen oder auch Interesse an Digitalstrategien. Das ist so eins dieser Themen, die wir sehr intensiv gedreht haben in diesem Jahr und das haben wir dann halt einfach mal online ausprobiert und es hat auch funktioniert. Das ist immer das Schöne an Dingen, genauso wie mit deinem Podcast. Man muss einfach mal was ausprobieren und was tun, nur wenn man etwas verändert, kann es besser werden und das wird eben sehr viel motiviert. Ja und als dritten Punkt kann man vielleicht noch sagen, wir stehen kurz davor ein weiteres Baby in die Welt zu entlassen. Das hört auf den Namen Formondo und das zahlt so ein bisschen auf im Moment einen sehr starken Trend ein, den wir spüren. Wie kann ich im Autohaus Prozesse effizienter gestalten? Also Zeit sparen, Kosten runter, mehr Zeit für den Kunden, so diese Richtung und das sind drei Dinge, die im Jahr 2020 eigentlich, ja, bis auf den Knick, den wirklich keiner brauchte, gut beschäftigt haben. Also hast du quasi den Knick für ein eigenes Projekt genutzt letztendlich? Hast du selber was gemacht für dich? Ja, es gab da noch eine Alternative. Also es gab eine Anfrage, ob ich nicht ein Buch schreiben wollte und die habe ich also mit in meinem Herzen bewegt und mit meiner Frau diskutiert und dann haben wir gesagt, ach nö, komm, mal wieder ein bisschen programmieren, macht auch Spaß. Einige Studenten, die da immer mal wieder helfen und ja, das war sehr, sehr oder ist immer noch so fühlend und wir stehen eben jetzt kurz vor dem großen Release und da muss eben alles taktisch sein, ansonsten schmeckt es keinem. Okay, alles klar, ich sage mal so, ich bin schon gespannt. Wie fällt denn, jetzt hast du schon so ein bisschen Analyse des Jahres oder der Corona-Krise so ein bisschen gemacht, aber wie fällt denn so die erste Analyse, wir sind noch nicht ganz am Ende des Jahres und wissen nicht genau, was kommt, aber egal, wie fällt denn so deine erste Analyse der Corona-Krise, die Auswirkung für die Autobranche in Deutschland so aus? Also ich war am Anfang, als das alles anfing und wir natürlich alle von großer, großer Unsicherheit geprägt waren, war ich sehr, sehr skeptisch, ob wir da irgendwie Leben durchkommen und mit Leben meine ich, dass ein Großteil der Händler und Servicebetriebe da ja mit nur einem blauen Auge raus hervorgeht. Mittlerweile muss ich ehrlich sagen, bin ich sehr optimistisch. Es mehren sich bei mir die Stimmen, die mir sinngemäß aus dem Handel erzählen, du, also wir hatten einen Juli, der war gigantisch und wir haben einen August, der war noch besser, beide besser als im Vormonat. Wir sind eigentlich schon ungefähr auf Vorjahresniveau. Das höre ich natürlich nicht ganz im Gegenteil, aber das höre ich von überraschend vielen und das spricht wieder für so eine V-Erholung, also ganz schneller Absturz und dann auch wieder genauso schnell nach oben. Wenn ich Klagen höre, Klagen klingt immer sehr negativ, dann ist das merkwürdigerweise eher von größeren Gruppen. Also die scheinen größere Probleme zu haben, dieses Ruder rumzuwerfen, Thema Homeoffice, Thema digitale Ansprache von Kunden und so weiter. Und auch da trennt sich dann die Spreu vom Weizen, hätte ich fast gesagt. Die einen nutzen das wirklich, um intern sich mal in Frage zu stellen, auch ein bisschen aufzuräumen und mal mit denen, das sind auch so Gruppen, mit denen ich dann Digitalstrategien entwickle oder bestimmte Themen bearbeite, aber viele versuchen halt irgendwo im Krisenmodus zu überleben. Aber ich bin eigentlich optimistisch von unserer sehr familiär und mittelständisch geprägten Branche, höre ich im Moment viele gute Signale. Ja, spannend. Du hast ja so ein bisschen gesagt, also das splittet sich ein bisschen, Spaltung der Händlerschaft. Ja, ist denn da, wenn man jetzt so ein bisschen die Digitalisierung rausnimmt, was ja dein Steckenpferd letztendlich auch ist, ist denn Corona da, beschleunigt das den ganzen Prozess oder wirkt es nur so, dass da mehr Aufmerksamkeit drauf ist und danach doch nichts passiert? Also grundsätzlich ist es wie immer im richtigen Leben, diejenigen, die wissen, dass man sich als Unternehmer verändern und anpassen muss, die tun das natürlich heute genauso. Und die, die das nicht verstanden haben, die tun das auch fast genauso wenig. Aber es gab für einige schon ein bisschen Rückenwind. Also nur mal ein Beispiel, wir hatten mit einer Autohausgruppe, haben wir also eine Digitalstrategie entwickelt, das waren so fünf Online-Sessions. Und in der vierten Online-Session sagte mir also der Geschäftsführer, also Herr von Steinecker, ich konnte mir das gar nicht so vorstellen, wie das hier funktioniert mit den Videokonferenzen. Das haben wir ja noch nie gemacht. Aber wir stellen fest, das tut gar nicht weh. Und jetzt haben wir folgendes entschieden, diese ganzen internen Meetings, wo also die Führungskräfte, die haben so fünf Autohäuser, immer so reihum fahren. Das lassen wir jetzt mal alles sein, das machen wir alles online. Das geht ja alles. So und die das etwas tun müssen, also sich verändern müssen, weil es keine Alternative gibt. Das hat bei vielen noch mal, ich sage mal, was freigesetzt. Und die sind auch jetzt dabei und experimentieren und haben also mit Zoom, wie wir beide hier oder mit irgendwelchen anderen Tools, sind die da ganz munter dabei und kommen auch in so einen Experimentiermodus rein. Und das ist ja immer so mein Credo bei der Digitalisierung. Bitte nicht lange Berater beschäftigen und Anforderungen und Sollkonzepte, sondern mit kleinen Wortmitteln einfach mal anfangen. Ausprobieren, lernen, das, was nicht funktioniert, wegschmeißen und das, was funktioniert, ausbauen. Und da hat Corona einen Beitrag dazu geleistet, dass wir mehr in diesen Modus reinkommen. Hast du denn auch Erlebnisse gehabt, wo du sagst, dass die Krise so eine Handbremse reingeworfen hat, die noch immer nicht im Kopf wieder gelöst ist, wo die Schockstarre hält? Oder kannst du da was identifizieren, wo Zusammenhänge vielleicht sind, wo das vielleicht nicht so funktioniert? Sind die vielleicht finanziell vorher schon nicht sicher aufgestellt gewesen, hatten eh schon Probleme? Ich versuche da mal einen Zusammenhang herzustellen. Also das passiert natürlich immer in solchen Zeiten, wenn jemand ohnehin schon strukturell krank war, es vielleicht noch nicht wusste oder auch nicht wahrhaben wollte. Das schlägt natürlich in solchen Zeiten umso mehr durch und das wird dann umsichtbarer. Ich muss aber auch zugeben, diejenigen, die nichts tun und diejenigen, die vielleicht auch größere Probleme haben, sind auch nicht die, die typischerweise sich bei mir melden. Also ich, das ist eine gefilterte Sicht. Ich habe natürlich mehr mit denen zu tun, die auch wirklich mal eine Innovation anstoßen wollen und was ausprobieren wollen. Aber was zum Beispiel auch eine interessante Erkenntnis ist, es gab ja auch einige Kollegen, die sagten, ja, ja, hätte der Handel schon E-Shops seit Jahren gehabt, dann wäre es jetzt nicht so schlimm gewesen. Da kann ich nur sagen, also guten Morgen, das ist wirklich Blödsinn. Es gibt einen ganz einfachen Grund für Angst kauft nicht. Ob online oder offline, ist völlig egal und diese Verunsicherung der Corona-Krise, Kurzarbeitergeld, Angst um den eigenen Job und so weiter, da gibt man kein Geld aus. Also selbst hätte der Handel E-Shops gehabt, hätte ihm das nicht nennenswert weitergeholfen. Was auf jeden Fall sind natürlich Dinge und auch Wissen im Autohaus, wie ich zum Beispiel einen kontaktlosen Service herstelle. Wie mache ich sowas? Also wie kann ich eine Rechnung online erstellen, übermitteln? Wie kann ich Fahrzeugdaten aufnehmen, ohne da irgendwas in die Hand nehmen zu müssen und so weiter. Da gibt es ja zig Hilfsmittel und das hilft natürlich schon auf jeden Fall, wenn man da gewesen ist für. Aber nochmal, viele haben da eine extrem steile Lernkurve hingelegt und das war richtig gut. Stichwort Online-Shops, da habe ich mal spontan noch eine Frage zu, weil wir erkennen auch bei unserem Business im Marketing mit der Agentur, dass viele Angebote, die seit und nach Corona nach außen kommuniziert werden, immer weniger Barpreisangebote sind, weil man mit den hohen Preisen nicht auf die Kunden zugehen möchte. Hat ja aber natürlich auch eine Auswirkung auf Online-Shops und Co. Hattet ihr da einen höheren Bedarf, Online-Shops zu erweitern, schrägstrich umzubauen, Raten zu inkludieren und ich sage mal das ganze Finanzierungsleasing, Privatkundenleasing-Thema auch nach vorne zu bringen? Ja, Ausrufezeichen, absolut. Genau die Beobachtung machen wir auch und genau diese Anfragen haben wir auch gekriegt und genauso schwierig ist das auch. Das muss man wirklich mal ganz deutlich sagen, weil man kommt bei diesen Dingen ja sofort in Finanzierungsgeschäfte und Finanzierungsgeschäfte sind dann Endkunden, Privatkredite, Verbraucherkredite. Das heißt, das ganze Thema Online-Vertragsabschluss hat eine ganz andere Dimension. Man braucht plötzlich eine qualifizierte digitale Signatur, wer bietet das an und dann ist man als Händler schnell in der Situation, dass man sich für einen Anbieter entscheiden muss, der auch komischerweise gleich die Finanzierung mitbringt. Also mit Anbieter meine ich digitalen Anbieter und das ist so ein bisschen Schwierigkeit. Ich suche immer noch und ich glaube es wird ihn auch nie geben, aber ich gebe da die Hoffnung nicht auf. Ich suche nach einem Anbieter, der sagt, ich kann mit allen Captive und Non-Captive Banken und Finanzierungsgebern online digital Verträge abschließen, Abos durchführen, Beträge wiederholt abrufen und so weiter und so fort. Aber das liegt im Interesse der jeweiligen Anbieter, sich da zu öffnen. Ja okay, da bringen sich ja eher die Captives, die Banken in Stellung und bieten die Tools ja dem Handel an, das zu integrieren. Nur dann bist du halt wieder bei einem. Ja, wenn sie es mal tun würden, die Captives. Also ich beobachte eher die Non-Captives. Santander und so weiter, die sind da ganz, ganz aktiv. Ja, sorry, die meinte ich eigentlich, ja. Genau, aber von den herstellereigenen Banken habe ich das Gefühl, da schläft der eine oder andere noch vermehrt. Ja, okay, Hersteller halt. Ich will die jetzt nicht bashen oder so, aber da könnte durchaus an verschiedenen Stellen mehr kommen. Ja, absolut. Okay, aber ich habe noch ein anderes. Das kann man jetzt eigentlich nicht so stehen lassen. Auch da muss man sagen, da wird auch Gas gegeben. Also das, was jetzt hier die FSAG von Volkswagen macht, gerade mit dem Piloten, mit Audi und so weiter. Das geht ja alles in die richtige Richtung. Bisschen langsam manchmal. Ja, okay. Ein anderes Stichwort, was zur Corona-Krise relativ schnell groß aufpoppte, war das Thema Online-Videoberatung. Videoberatung am Fahrzeug, was im Handel durchgeführt wird, nicht beim Hersteller. Und da hat es relativ schnell großen Run draufgegeben. Ich muss gestehen, wir sind da auch, haben uns da auch schnell beschäftigt, aber waren gar nicht so primär direkt bei der Videogeschichte, sondern haben geschaut, ob wir Messenger halt an der Online-Kommunikation anflanschen können, im Marketing sogar direkt. Das ging auch einigermaßen, wir hatten aber das Gefühl, dass das relativ schnell waren ein, zwei Anbieter, die das quasi im Portfolio hatten und dann schnell rausgerollt hatten und das war dann da. Aber wir hatten nie so den richtigen Eindruck, dass das so in der Breite angenommen abgehoben ist. Hast du da eine Meinung zu? Genauso wenig abschließend wie deine. Ich beobachte, dass das für bestimmte Marken, für bestimmte Verkäufertypen, das muss ja auch aktiv angeboten werden, für bestimmte Zielgruppen, für bestimmte Themen wird das gut angenommen und gerne angenommen. Und die Schwierigkeit dabei ist, dass ein Händler natürlich nicht vorher weiß, was ist das für ein Kunde, welchen Kanal bevorzugt der und die gesamte Klaviatur anbieten kann. Von, ich sag mal, Telefonie über Chat, über Video und so weiter. Das heißt, die Händler stürzen sich und das ist auch völlig richtig und ist auch besser als nichts zu tun, auf einen Kanal oder einen Anbieter und machen dann durchaus gemischte Erfahrungen. Diese ganzen Themen spielen sich ja hauptsächlich auch in der Präferenzbildung ab. Also in der Phase der Customer Journey, wo der Kunde Fragen hat, wo man nochmal, du sagtest ja Online-Beratung, das ist ja genau der Punkt. Wo wir immer noch, ich sag mal, nicht so richtig weit gekommen sind, ist der Übergang von dieser Phase mit allen Medien, die dabei eine Rolle spielen können, zur Konvertierung. Also wo kann ich einen Kunden jetzt, wenn ich mit ihm gechattet habe, wenn ich mit ihm eine Video-Beratung gemacht habe, wie kann ich ihm eine nahtlose Benutzer-Erfahrung bieten, dass er gleich in den Online-Abschlussprozess geführt wird? Da haben wir noch eine Lücke und ich glaube, das ist auch der Grund, warum das etwas ist, wo der Handel jetzt nicht vor Begeisterung strotzt. Also ja, wir haben hier Aufwand und die Leute haben sich da engagiert, aber es hat noch nicht in der Kasse geklingelt oder es hat vielleicht in der Kasse geklingelt, nur man konnte es nicht auf dieses Tool zurückführen. Die Verbindung dazwischen fehlt noch und das ist so generell ein Problem in der digitalen Welt oder eine Herausforderung im Handel, die Durchgängigkeit der Customer Journeys bis zur Konvertierung, sodass wir es auch messen können. Da haben wir noch ein paar Baustellen und ich glaube auch, dass das ein Grund ist für das, was du beobachtest, was ich genauso beobachte. Es ist nicht, aber es ist auch nicht die eierlegende Wollmilchsau. Auch hier gilt ausprobieren und man ist immer überrascht. Ich hatte letztens einen Händler, der sagte, also Chat mit meinen Kunden wird nie funktionieren. Blödsinn, geht durch die Decke. Dafür mal was anderes. Das geht bei anderen, das geht bei ihm nicht. Also es ist alles unterschiedlich. Ja, crazy. Also das ist wirklich immer wieder unterschiedlich. Wir arbeiten ja auch wirklich mit vielen Händlern zusammen und bei ganz vielen Sachen könnte ich überhaupt nicht pauschal sagen, mach das, dann wird das. Also zuletzt hatten wir sogar eine Google Ads Geschichte für eine Händlergruppe. Da waren ungefähr acht Händler drin. Derjenige, der es jetzt hört, der wird wissen, dass ich von ihm rede, aber ich sage ja keine Namen. Und da haben wir halt eine parallele Kampagne ausgespielt und das, was an Kennzahlen hinten rauskam, war komplett unterschiedlich und die waren in einer ähnlichen Region. Das war jetzt nicht einer in Berlin, einer in Stuttgart. Ähnliche Region, aber dann ländlich, Ballungsgebiet. Also das ist wirklich erstaunlich. Deswegen, wir werden ja auch immer wieder gefragt so, hey, sag uns doch mal dies und das. Wir wollen gerne das investieren. Was kommt denn da hinten raus? Das ist genau wie mit Social Media. Hey, sollen wir Social Media machen? Wie viele Verkäufe werden wir haben? Ja, genau. Ist auch eine völlig unsinnige Frage in dem Kontext. Also da sehe ich auch wirklich die Rolle der Berater und Agenturen eher darin zu sagen, also ich kann dir eigentlich nicht versprechen, wie viel Geld du damit verdienst, aber ich verspreche dir, dass du es nie rausfinden wirst, wenn du es nicht ausprobierst. Richtig. Dieses Vorfiltern und sagen, also nach unserer Erfahrung, deiner, meiner, wer auch immer da als Beratungsdienstleister draußen rumturnt, das sind so die drei Punkte, da sollten wir mal reingucken. Aber es kann sein, dass alle drei in die Hose gehen und dann suchen wir uns halt ein Video raus. Also dieses Vorfiltern und Begleiten, das ist eigentlich eher die Aufgabe. Ich bin immer bemüht oder kurz davor eine Agentur, das erlebe ich hin und wieder mal, den Puls zu fühlen, wenn die einem Autohändler sagt, also ich weiß ganz genau, wie deine Kunden ticken und ich weiß ganz genau, wo wir die abholen müssen und so funktioniert das dann. Sondern wir müssen ausprobieren, wir müssen messen und aus den Messdaten lernen und dann schmeißen wir das weg, was funktioniert hat und das bauen wir aus, was funktioniert hat. Es gibt in dem Kontext einen wunderbaren Vergleich. Der ist relativ alt und zwar konntest du denn damals, als du eine Zeitungsanzeige geschaltet hast, wusstest du auch nicht, was passiert, oder? Du weißt nur, dass du eine Auflage von, was weiß ich, 200.000 Stück Buchs und die werden verteilt. Ohne Targeting, ohne alles, doch ein regionales Targeting, Verbreitungsgebiet und dann wusstest du auch nicht. Aber das war ja auch ein super Tool und da hängen ja nach wie vor welche dran, ist ja genau so eine Blackbox. Aber das ist dann so über die Jahrzehnte gelernt und eine Anzeige geht ja immer und wird auch von den Herstellern. Da müssen wir Hersteller mal ein ganz kleines bisschen ins Boot holen. Die WKZ-Politik der Hersteller, die immer noch Richtung diesen Medien gehen, aber bei Online-Medien ganz starke KPIs fordern und bei Offline nicht, das ist eigentlich auch echt total out. Ja, bin ich absolut bei dir. Stimmt. Bei Online-Sachen, Stichwort Deserver. Du bist ja auch, bei Deserver ist ja auch so ein Baby von dir, da bist du ja auch tief verdrahtet. Da würde mich mal interessieren, weil das ja eine Online-Plattform ist, die ja Wissensaustausch auch durchaus macht, wie hat sich denn Deserver 2020 entwickelt? Also wir merken in den Zugriffszahlen eigentlich immer dann eine Steigerung, wenn es wieder irgendwo beworben wurde, das ist vollkommen klar. Aber Ende März, Anfang April und Mai ging das Ding durch die Decke. Also ich konnte mir das so richtig vorstellen, ich weiß nicht, ob das richtig war, aber ich konnte mir vorstellen, man hat jetzt also alle in die Kurzarbeit geschickt als Autohändler, als Führungskraft und jetzt drehen die natürlich alle nicht Däumchen, aber dann kriegt der eine oder andere vielleicht schon mal die Frage, ja was kann ich denn machen? Ach, dann gucke ich mal. So und da wurde also extrem viel gestöbert und sehr viel gesucht, gerade so Impulse im redaktionellen Bereich, also wir sammeln da ja auch Artikel rund um das Thema Digitalisierung und Transformation im Autohandel, aber auch bei den Tools. Und bei den Tools ist ganz bemerkenswert, es waren weniger diejenigen gesucht, die jetzt, ich sage mal, Lead-Generierung oder ähnliches, sondern ganz stark interne Effizienz. Also ich glaube, dass da zumindest die Gedanken gewälzt wurden, wie kann ich die Corona-Zeit nutzen, um intern mal aufzuräumen, Effizienzen zu steigern, Prozesse zu besser zu unterstützen, Zeit zu sparen und so weiter. Das hat man sehr stark gemerkt. Das ist ja spannend. Also interessant, hätte ich so nicht erwartet. Ich hätte jetzt erwartet, so dass da so ganz viele Tools, was kann ich jetzt machen, wie kann ich noch die Leute erreichen, aber anscheinend… Also die gab es natürlich auch. Also ich hatte ja auch Online-Seminare gehalten und da ging es natürlich auch darum, mit welchen Werkzeugen kann ich denn zum Beispiel einen kontaktlosen Service-Prozess abwickeln oder ähnliches. Das auf jeden Fall. Aber es war nicht mehr dieses, was ich sonst immer nur gehört habe, Lead, Lead, Lead. Und wie kann ich verkaufen? Online und Webseite. Sondern es war ein ganz, ganz starker Fokus auf interne Prozesse und interne Effizienzgestaltung. Und ich glaube, da werden wir auch, was Digitalisierung angeht, nicht einen Schwenk machen. Also man wird immer noch digitale Werkzeuge suchen und stark nutzen im Handel, die einem Kontakte generieren, Kundenbindung aufrechterhalten und dann letztendlich auch die Verkäufer auf die Verkäufer einzahlen. Aber es kommt immer stärker das Thema interne Effizienz. So ein paar Beispiele dieses hier RPA, also Bots, Software-Roboter, die irgendwelche Routine-Aufgaben übernehmen, Social-Internet-Lösungen. Wir haben, ich weiß nicht, bestimmt ein Dutzend Social-Internet-Lösungen in diesem Jahr eingeführt bei Händlern. Das hat es vorher auch nie gegeben. Immer schön, wenn man mal ausprobieren kann. Also das sind so Dinge, die ganz stark nachgefragt werden. Und das führe ich auch darauf zurück, dass man bei Corona einfach mal nachgedacht hat, sich auch mal vielleicht mal zurückgelehnt hat und gesagt hat, jetzt gucke ich mir mal meinen Betrieb an. Ja, Kundenseite wollen wir was tun, müssen wir auch ausbauen. Aber wo verlieren wir eigentlich Zeit? Oder warum haben wir eigentlich keine Zeit, uns um die Kunden zu kümmern? Weil wir Systeme fördern, weil wir irgendwelche Checklisten ausfüllen und so weiter. Das muss doch anders gehen. Da kann man doch Geld und Zeit sparen. Das ist so der Hintergrund, den ich auch von vielen Händlern gespiegelt bekomme. Okay, also war ja durchaus nachgefragt und ein Thema in der Beratung. Und wenn ich recht informiert bin, da gibt es auch in Kürze eine Veranstaltung zu, die du haustest. Ja, genau. Und zwar die zweite. Da freue ich mich schon sehr darauf. Am 7. Oktober in Wiesbaden. Wieder von der Wiener Hausakademie organisiert. Also findet man auch sowohl auf meiner Webseite, als auch auf die Server, als auch auf autohaus.de. Da geht es darum, dass eben Händler aus der Praxis berichten. Da ist einer dabei, der also Social Intranet selber entwickelt hat mit einem Programmierer. Schon seit fünf Jahren sitzt er da dran und hat eine geniale Lösung. Und dafür, dass er eben auch da ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudert. Was hat das gekostet? Wie hat das funktioniert? Was waren die Schwierigkeiten und die Erfolge? Natürlich das Thema Roboter werden wir mit annehmen, aber auch ganz normale Dinge wie Workflow oder ähnliches. Da freuen wir uns drauf. Ok, gut. Auch sehr spannend. Ich mache mal das Fernlicht an. Relativ knackig. Top drei Trends, die der Herr Steinecker, von Steinecker, so viel Zeit muss sein, so sieht. Ja, das habe ich damals auch schon gemacht. Was du so siehst, so Top drei Trends, die so Ende 2020 in 2021 reinschwappen. Was würdest du da raus rauspicken? Ja, also das, da kann ich bei nahtlos bei dem ansetzen, was ich gerade gesagt habe. Das wird auf jeden Fall dieses Thema interne Effizienz sein. Man merkt zum Beispiel, diese klassischen Dokumenten Management und Workflow Management Systeme, die erleben im Moment einen riesen Boom. Da geht es auf jeden Fall weiter, auch mit den Themen, die ich eben genannt habe. Damit einhergehend, und das kriege ich auch immer häufiger als Anfragen, ist, wie kann ich diese Landschaft an Datensilos, also ich habe da ein Verkäufer-System, ich habe die Management-Systeme, ich habe da zig verschiedene Systeme, wie kann ich die eigentlich endlich mal zusammenführen, sodass wenn jemand sein System mitnimmt, ich trenne mich vom Hersteller, der Hersteller trennt sich von mir, dass die ganzen Daten nicht weg sind. Und das ist etwas, wo dann eben über Middleware und so weiter, da stellen auch einige Programmierer ein. Und das nicht Nur die Großen. Ganz interessant. Also, interne Automobilbranche, das ist das eine Thema. Das andere Thema, wir werden weiter mit Geschäftsmodellen experimentieren. Ich glaube fester daran, dass wir nicht mehr an so viele Kunden, in Anführungsstrichen, Blech verkaufen werden, sondern es werden Mobilitätsnutzungskonzepte, Mieten, Sharen, wie auch immer die aussehen werden, werden an Bedeutung zunehmen. Auch hier immer wieder einschränkend, wird das alles Kunden betreffen? Nein. Wird das von heute auf morgen passieren? Nein. Ist das auf dem Land genauso wie in der Stadt? Nein. Aber es wird zunehmen. Und da werden wir uns also richtig schön austoben können mit verschiedenen Anbietern und das eben auch in den Handel überführen. Das sind so die beiden Top-Themen, die ich sehe. Die kann man jetzt natürlich noch in Unterthemen eingrenzen, aber da ist nicht der Trend. Okay. Ja, sehr spannend. Ja, du, das war erst mal so ein Update. Das hat mich jetzt erst mal total gefreut und interessiert. Jetzt eine Frage, Chris, zum Schluss aber immer noch. Da frage ich ja alle immer und diesmal ganz konkret nochmal an dich. Lass mich raten. Wann sitzt du das erste Mal in einem komplett autonomen Auto, ohne auf deine Umwelt zu achten und du fährst von A nach B? Ja. Hat sich da was verändert? Also gegenüber dem letzten Mal, wo wir miteinander gequatscht haben, nicht viel. Wir hatten ja damals schon eine Ernüchterung. Also autonomen Fahren wurde wahnsinnig gehypt vor zwei Jahren und da hieß es, Elon Musk allen vorweg, da hieß es ab morgen nur noch autonom und, und, und, und. Und dann hat man eben auch festgestellt, so einfach ist es nicht. Deshalb die Antwort, die ich dir gebe, ist ziemlich genau die, die ich dir damals schon gegeben habe. Es hängt von der Verkehrssituation ab. Wenn du beispielsweise in Singapur vom Flughafen in die Stadt fährst, dann ist autonomes Fahren mit einem Taxi heute möglich. Aber auf abgesperrten Streifen. Nicht in einem, in einer Verkehrssituation, wo sich Tim Dosenbrot und Lieschen Müller eben auch tummeln können. Wir sagen LKW-Autobahn. Ja, das werden wir sehr früh erleben. Da werden wir vielleicht auch gar nicht so spüren, wo der Übergang zwischen Assistenzsystem zu vollautonomem Fahren ist. Da rechne ich so mit maximal fünf Jahren. Aber im privaten Auto, ich sage mal, Autoverkehr, Innenstadt, jede Situation, 20 Jahre. Okay, wieder was dazugelernt. Da gibt es ja diesen schönen Gartner-Hype-Cycle. Also wir interpretieren viel zu viele Erwartungen in eine Technologie rein. Die wird dann total gehypt und danach stürzt sie dann ab in das Tal der Desillusionierung. Und da sind wir im Moment beim autonomen Fahren. Jetzt kommt es eben drauf an, für welche Szenarien wir da rauskrabbeln. Lernkurven entwickeln und wirklich praktisch nutzbare Konzepte finden. Und man kann mit Lügen strafen, dass das alles doch schneller geht. Ja, mein Gott, und wenn es schneller geht, dann geht es halt schneller. Also so ist das. Ja, du, Jörg, ganz lieben Dank, dass ich dich nochmal interviewen und meinen Podcast zerren durfte. Das hat wieder total Spaß gemacht. Und ich finde das auch so spannend. Dieses Jahr war so ein extraordinäres, wenn man so möchte. Und wie so deine Learnings daraus sind und wie es bei dir so ist. Vielen Dank, du. Also ich freue mich auch, dass ich dabei sein durfte. Und wir verlieren uns sicherlich nicht aus den Augen. Auf gar keinen Fall. Ja, super, dann sind wir soweit durch. Und auch danke an die Leute daraus, die es hoffentlich mit Aufmerksamkeit mal wieder gehört haben und vielleicht hier und da auch mal lächeln mussten, wenn wir auch mal lachen mussten. Ja, wir sehen uns, ja. Dann sage ich bis demnächst. Wir hören uns. Macht’s gut. Tschau. Tschüss.
Diese Episode ist Teil des Podcasts Benzingespräche von Tim Klötzing.