Einleitung
In der neuesten Episode des Podcasts „Benzingespräche“ spricht Tim Klötzing mit Christian Welling, dem Geschäftsführer der Graf-Hardenberg-Gruppe. Welling, der seit 34 Jahren im Unternehmen tätig ist, teilt seine Erfahrungen und Einsichten aus der Automobilbranche. Er beleuchtet sowohl die Herausforderungen als auch die Erfolge, die er in seiner beeindruckenden Karriere erlebt hat.
Ein Leben für den Autohandel
Christian Welling begann seine Karriere mit einem Praktikum bei einem VW-Händler, der Graf-Hardenberg-Gruppe. Was als einfache Neugier auf die Automobilwelt begann, entwickelte sich schnell zu einer Leidenschaft, die ihn bis heute antreibt. „Das Thema Auto und Autohandel hat mich relativ schnell fasziniert und gepackt“, sagt Welling. Diese Begeisterung führte ihn durch verschiedene Positionen innerhalb des Unternehmens, bis hin zur Geschäftsführung.
Die Graf-Hardenberg-Gruppe: Ein Überblick
Die Graf-Hardenberg-Gruppe ist ein bedeutender Akteur im südwestdeutschen Raum mit 1700 Mitarbeitern an 17 Standorten. Das Unternehmen betreut zehn Marken und legt großen Wert auf Kundenorientierung und Mitarbeiterzufriedenheit. Welling beschreibt die Unternehmenskultur als eine, die von Offenheit und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen, geprägt ist.
Herausforderungen und Erfolge
Rückblickend auf seine Karriere erinnert sich Welling an viele Herausforderungen, die die Automobilbranche in den letzten Jahrzehnten geprägt haben. Von der Abgasaffäre bis zur Halbleiterkrise – der Autohandel war stets im Krisenmodus. Dennoch sieht Welling auch die positiven Aspekte: „Es macht einfach Spaß, in dieser Branche zu arbeiten und jeden Tag Kunden zu verblüffen.“
Die Zukunft des Autohandels
Welling ist optimistisch, was die Zukunft angeht. Er glaubt, dass die Graf-Hardenberg-Gruppe gut aufgestellt ist, um den kommenden Herausforderungen zu begegnen. Mit einem starken Fokus auf Ausbildung und Nachwuchsförderung will das Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich bleiben.
Fazit
Christian Welling ist ein Paradebeispiel für Leidenschaft und Engagement im Autohandel. Seine 34-jährige Karriere bei der Graf-Hardenberg-Gruppe zeigt, dass Erfolg im Wesentlichen auf einer starken Unternehmenskultur und der Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen, beruht.
Show Notes & Key Takeaways
Themen:
- Karriereweg von Christian Welling
- Die Graf-Hardenberg-Gruppe
- Herausforderungen im Autohandel
- Kundenorientierung und Mitarbeiterzufriedenheit
- Ausblick auf die Zukunft des Autohandels
Key Takeaways:
- Christian Welling ist seit 34 Jahren bei der Graf-Hardenberg-Gruppe.
- Die Gruppe betreut zehn Marken an 17 Standorten.
- Kundenorientierung ist ein zentraler Wert des Unternehmens.
- Die Automobilbranche steht vor vielen Herausforderungen.
- Optimismus und Anpassungsfähigkeit sind entscheidend für den Erfolg.
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Benzingespräche – der Branche- und Personality-Talk der deutschen Automobilwirtschaft. Der Podcast für und mit Menschen aus der deutschen Automobilbranche, die etwas zu sagen haben. Wir teilen die Liebe zum Automobil in persönlichen Erfolgsstories, die es wert sind erzählt zu werden. Es geht um neue und verschiedene Blickwinkel auf die Autobranche und persönliche Meinungen zukünftiger Geschäftsmodelle und Mobilitätskonzepte. Vom prüfenden Blick in den Rückspiegel bis zur spannenden Aussicht mit Fernlicht in die mobile Zukunft. Ich bin Tim Klötzing, Experte der deutschen Autobranche, Content-Creator und freier Automarketing-Berater. Dieser Podcast wird präsentiert von Yareto, dem Finanzierungsexperten für den Kfz-Handel. Auf Yareto.de könnt ihr als Autohändler schnell und einfach Autokredite und Leasingkonditionen für eure Kunden vergleichen, anfragen und abschließen. Und das mit Top-Zinskonditionen. Euer Vorteil? 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Also bist du so? Ich glaube schon, ja. Wir haben ja gerade schon festgestellt im Vorgespräch, dass wir beide aus dem Ruhrgebiet kommen. Und ich glaube, wenn man Menschen aus dem Ruhrgebiet, aus dem Pott, aus Westfalen so richtig charakterisiert, stellt man immer fest, dass die meistens sehr direkt sind und das sagen, was sie denken. Das ist nicht immer ganz einfach. Macht manche Sachen auch manchmal ein bisschen schwerer. Aber ich glaube, das zeichnet uns halt aus. Und ich sage halt immer das, was ich so denke. Meine Oma hat mir früher mal gesagt, die Wahrheit darf man immer sagen. Deshalb mache ich das ziemlich oft. Ja, das ist richtig. Ist aber auch, also jetzt bei der IFA auf dem Gipfel oder generell, ächzt du damit mit deiner Art gelegentlich an? Nö, eigentlich nicht. Also ich fühle mich da sehr wohl. Ich war jetzt das zweite Mal schon da und die Kollegen und Kolleginnen, die dort ja auch immer präsent sind und sich da engagieren und das IFA-Institut als solches, wir reden ja da relativ offen und frei. Und auch wenn die Kollegen der Hersteller mal da sind, sagen wir einfach so das, was wir denken. Und ich glaube, das bringt uns ja auch alle weiter, wenn man sich gegenseitig die Erwartungen und auch die Gefühle ein bisschen schildert. Macht es meistens ein bisschen einfacher. Ja, das sehe ich auch so. Dennoch bekommt man doch sehr häufig bei solchen Diskussionen mit, dass dann mit sehr angezogener Handbremse oder auch politisch geantwortet wird. Das ist ja einfach so. Naja, unser Podcast hier, der hat immer so zwei Teile und der fängt immer an so mit dem Blick in den Rückspiegel. Und da schauen wir uns mal ein bisschen deinen Werdegang an und das ist sehr interessant. Auf jeden Fall, du bist ein Baujahr 69, du bist verheiratet, du hast zwei inzwischen erwachsene Kinder. Gebürtig aus Wanne, sagt man hier. Also für alle Nicht-Pottler aus Wanne-Eickel und groß geworden in Bochum. Brennender Bochum-Fan, muss man hier auch erwähnen. Du bist ganz glücklich nach dem Wochenende. Genau, ich habe den Klassenerhalt gehalten. Ganz genau. Inzwischen lebst du aber in Ettlingen bei Karlsruhe. Ja, und jetzt zu deiner beruflichen Vita. Du hast begonnen mit einem Praktikum bei einem VW-Händler und das war auch schon Graf Hardenberg. Genau. Die Graf Hardenberg-Gruppe sozusagen. Dann hast du gedacht, ja mal schauen, dann machen wir mal eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Das war so 1990 rum, die Ecke. Und was ich dann so ein bisschen ausspionieren konnte, war, dass du dann zum Verkaufsleiter dich weiterentwickelt hast, zum Prokuristen 1999 bis 2009. Und du bist jetzt Geschäftsführer der Graf Hardenberg-Gruppe seit 2009. Alles in einem Unternehmen. Also ich habe hier fast 24 Jahre noch stehen, weil ich nicht wusste, dass du davor auch dein Praktikum und deine Ausbildung da gemacht hast. Also fast 34 Jahre. Genau. Also 34 Jahre schwer vermittelbar hast du es vorhin auch genannt. 34 Jahre in einem Betrieb. Wahnsinn. Was ist denn das Geheimnis dieser Beziehung? Das ist eigentlich relativ einfach. Ich bin, wie gesagt, vor fast 34 Jahren irgendwie zur Graf Hardenberg-Gruppe gekommen. Natürlich das Thema Auto und Autohandel. Das hat mich relativ schnell fasziniert und gepackt und nicht mehr losgelassen bis zum heutigen Zeitpunkt. Und ja, warum bleibt man so lange bei einem Arbeitgeber, weil es einfach passt? Ich glaube, das Besondere, wenn man die Graf Hardenberg-Gruppe mal so von außen betrachtet, das Besondere an uns ist eigentlich, dass es einen wahnsinnigen Spaß macht hier zu arbeiten, dass man hier unheimlich viel bewegen kann. Wir haben eine tolle Gesellschaftsfamilie, die einem immer wirklich den Rücken stärkt und einen auch wirklich ermutigt, neue Wege zu gehen. Und das Gesamtkonzept, das Gesamtpaket passt seit 34 Jahren einfach. Und deshalb sage ich auch heute noch, es ist eigentlich nicht ein Beruf oder ein Job. Es ist eine Berufung und es ist immer noch Hobby für die Graf Hardenberg-Gruppe, tätig zu sein. Ja, den Eindruck habe ich auch so bei dir. Ich meine, wir haben uns live so gar nicht so häufig gesehen. Aber das, was ich so online über LinkedIn poste, dass du gelegentlich was, was auch mit deinem Job und so zu tun hat. Und das ist immer sehr authentisch, finde ich. Und das ist immer so ein Signal dafür, dass dem Menschen in dem Unternehmen gut geht. Und das kommt drüber bei dir. Ja, Graf Hardenberg-Gruppe, beschreibt uns doch mal mit ein paar Worten euer Unternehmen. Weil das ist ja schon was Besonderes. Das wusste ich persönlich. Ihr seid ja wirklich im Südwesten hauptsächlich mit euren Standorten. Und deswegen habe ich keinen so persönlichen Draht. Und ich kannte euer Haus so nicht. Aber jetzt bei der Recherche dachte ich, wow, gib uns doch mal einen Eindruck, was euch da so ausmacht und wie groß ihr seid. Ja, wir sind mittlerweile 1700 Kollegen, die an 17 Standorten in 34 Betrieben für 10 Marken zuständig sind und aktiv sind. Wir sagen immer, wir sind in drei Regionen unterwegs. Entlang des Rheins bis zum Bodensee. Das ist einmal die Nordgruppe. Das ist natürlich lustig, wenn man einem Hamburger erzählt, Karlsruhe ist die Nordgruppe, die Graf Hardenberg-Gruppe. Dann sind wir mit sieben GmbHs und mehreren Betrieben und 10 Marken unterwegs. Dann sind wir einmal so in der Ortenau vertreten, in Offenburg, Laar, Gengenbach und dann einmal so grob um den Bodensee. Das ist dann die Südgruppe bei uns. Und wir sind, wie gesagt, 1700 Hardies, nennen wir uns manchmal so selber, die gemeinsam Autohandel machen, die jeden Tag versuchen, Kunden zu begeistern. Wir sagen eigentlich immer Verblüffen, weil Verblüffung ist die Steigerungsform von Kundenbegeisterung. Und wir sind sehr offen für neue Wege, aber letztendlich im Mittelpunkt steht immer der Kunde, der Kunde und der Mitarbeiter. Und ich glaube, wenn man das authentisch lebt, dann merkt man das halt selber als Teil dieser Gruppe. Und unsere Kunden merken es auch und es macht einfach Spaß. Und so vergehen dann 34 Jahre. Ja, Wahnsinn. Nicht nur deine 34 Jahre sind ja relativ lang, sondern die Historie reicht ja bei der Graf-Hardenberg-Gruppe bis in die 40er zurück. Das ist ja wirklich ein ganz frühes Stadion, was ich da entdeckt habe. Richtig, eigentlich sogar noch früher. Der Ursprung ist in Karlsruhe entstanden, an dem größten Standort der Graf-Hardenberg-Gruppe, 1926 im Herzen von Karlsruhe. Da hat Richard Kramling ein Autohaus gegründet, beziehungsweise eigentlich eine Hanomag-Garage. Daraus wurde er dann irgendwann großer, großer VW-Händler. Und unser Namensgeber und Firmengründer Günther Graf von Hardenberg, der absolute Benzin im Blut hatte und ein passionierter Autofahrer war, der damals schon Rennen mit Ferry Porsche gefahren ist, hat dann 1954 diesen Betrieb übernommen. Und dann ist die Graf-Hardenberg-Gruppe entstanden. Und dann kamen halt über die Jahre immer mehr Betriebe und auch mehr Marken dazu. Wir haben eine sehr große Porsche-Affinität, auch haben sechs Porsche-Zentren in Deutschland oder in Südwestdeutschland und brennen und leben halt für das Thema Automobil. Und unser Claim sagt ja schon begeistert für Mobilität. Das leben wir jeden Tag und versuchen natürlich auch, dass unsere Kunden das spüren. Ja, ist natürlich in so einer Größe natürlich auch ein Brett, was man da bohrt. Dass das in alle Betriebe reingeht, in alle Hardis auch verinnerlicht haben, dass der Kunde da im Mittelpunkt steht. Da brauchst du ein gutes Team. Ich glaube, das hat viel mit Vorleben zu tun, mit Haltung. Mit Haltung, die man tagtäglich auch vorlebt und die wir natürlich dann in die 300 Azubis implementiert, die wir ausbilden in der Gesamtgruppe. Also das Thema Ausbildung und Feierung, Nachwuchsförderung ist uns extrem wichtig. Und wenn wir das gut gemacht haben nach drei Jahren, sagen wir immer, dann hat der Mensch dann das Hardenberg-Gen. Und dieses Hardenberg-Gen besteht daraus eben, sehr kundenorientiert zu denken. Ich meine, viele Unternehmen sagen, der Kunde steht bei uns an erster Stelle und hat oberste Priorität. Aber es dann wirklich auch zu leben und leben zu dürfen, auch die Entscheidung zu treffen im täglichen Doing, zu sagen, ich entscheide jetzt erstmal für den Kunden. Das wird bei uns, glaube ich, gelebt und das macht dann am Schluss auch den Erfolg aus. Wenn du so auf deine Zeit bei Graf Hardenberg die Jahre zurückblickst, was geht dir da so durch den Kopf an? Was denkst du da? Das waren ja in der ganzen Zeit sicher, du hast ja lange Zeit im Unternehmen, da waren ja mit Sicherheit viele, viele Herausforderungen auch bei. Da würde mich mal interessieren, fallen dir da kritische Jahre, kritische Momente als auch erfolgreiche Dinge ein? Das würde mich mal interessieren. Wenn ich so zurückdenke, ich mache das immer so fest in Golf-Markteinführungen. Also ich weiß noch, die Markteinführung vom Golf 3 1991, das war so meine erste Golf-Markteinführung. Damals hatten wir Borneo M im VW-Zentrum in Karlsruhe da, ein volles Haus. Damals sind auch viele Leute noch gekommen zu einer Markteinführung. Mittlerweile habe ich sechs Golf-Markteinführungen mit begleiten dürfen. Das war eigentlich eine bewegte Zeit, würde ich sagen. Wir sind ja seit Jahren im Krisenmodus in unserer Branche. Wenn ich so zurückdenke, was mich wirklich damals extrem bewegt hat, so Abgaswahnsinn 2009, als Menschen auf einmal in Zweierreihen an unseren Tischen standen und Autos bestellt haben. Aber natürlich auch die Abgas-Thematik 2015. Irgendwo danach kam Pandemie und Ukraine-Krise und Halbleiter-Thematik. Also so wirklich normal gefühlt arbeiten wir eigentlich seit vielen, vielen Jahren nicht mehr. Aber das macht es ja auch so spannend. Ja, da bleibt ja irgendwie gefühlt, ich stehe ja so an einer Seitenlinie und arbeite mit der Branche. Ich bin ja nicht selber im Autohaus. Da denke ich immer, meine Güte, also geht es auch mal irgendwie ohne extrem. Und was der Autohandel da seit Jahren zu verdauen hat, woher das auch immer kommt, das ist ja echt irrsinnig. Das liegt wahrscheinlich so ein bisschen an unserer Mentalität auch in Deutschland. Ich sage mal, wir haben 82 Millionen Bundestrainer und wir haben 82 Millionen Testfahrer. Also das Thema Fußball und Auto ist halt nun mal sehr präsent und jeder hat da was zu sagen und hat eine Meinung dazu. Und man steht natürlich in der Branche auch immer ein bisschen mehr im Fokus als in anderen Branchen vielleicht. Von dem her macht es das natürlich spannend, aber man steht auch immer so ein bisschen im Mittelpunkt. Und dann gerade in den letzten Jahren hat das Auto in Deutschland ja jetzt vom Stellenwerder beziehungsweise von der Diskussion auch ein bisschen eine Veränderung mitgenommen. Das macht es auch nicht immer ganz einfach, aber ist natürlich auch immer gleichzeitig eine Riesenschance. Du hattest dich damals bei der IFA schon, ja ich will nicht sagen aus dem Fenster gehängt, aber du hast schon sehr deutlich gesagt, dass so Agenturmodell und so das Verhältnis zwischen Handel und Herstellern strapaziert ist, sagen wir mal so. Naja, also nicht bezogen jetzt auf das Agenturmodell. Ob das Agenturmodell jetzt der richtige Schritt ist oder nicht, das weiß ich gar nicht. Ich weiß gar nicht, ob das so, das wird immer so extrem heftig aufgehängt, ob wir jetzt ein Agenturmodell haben. Natürlich hat das andere Vertragsgrundlagen und hat auch ein paar Auswirkungen auf unser Tun, aber letztendlich ist es ja nur eine andere Abwicklung des Vertriebsgeschäfts. Wenn Hersteller und Handel hier konstruktiv miteinander arbeiten können, dann können beide Modelle erfolgreich sein. Ich glaube, wichtig ist das Konstruktive, der Austausch miteinander und dass man sich eben die Erwartungen gegenseitig, auch dass man ordentlich miteinander umgeht und das ist ja in der Regel auch so. Ich weiß, welchen IFA-Gipfel du meinst, das war der erste, als ich so ein kleines, als ich mir ein bisschen im positiven Sinne mit Philipp Noah von Audi getauft habe. Das war ja total Spaß. Ich fand auch seine Antwort super genial. Auch die Kommunikation macht mir übrigens mit ihm sehr viel Spaß. Das ist eine super Bereicherung für die Audi AG. Es ist wie immer im Leben, Menschen gehen zusammen einen Weg und manchmal funktioniert es gut, manchmal nicht so gut. Ich wünschte mir halt, und das war das, was sich an dem Tag, glaube ich, auch geäußert hat, man muss sich halt klar und offen und transparent sagen, was man voneinander erwartet und bis zu welchem Blick man geht. Und das ist jetzt in den letzten Jahren nicht immer so der Fall gewesen bei allen Herstellern. Aber das ist natürlich alles menschenbezogen und mit den Einglubs, mit den Einglubs vielleicht nicht ganz so gut. Und ich finde wichtig ist, dass man sich immer offen und ehrlich die Meinung sagen darf. Konstruktiv, ehrlich und auf eine gute Art und mit einer ordentlichen Tonalität. Ja, absolut. Ich habe hier in der Vorbereitung für unser Gespräch, habe ich so ein kurzes Profil noch von dir in die Hände bekommen. Und in dem stehen folgende Punkte. Du nimmst gern Herausforderungen an. Du bist unvoreingenommen, Schaffenskraft, positive Macherqualität. Und ich persönlich würde noch so Klartextfreunde ergänzen. Was hat dich denn in deiner Entwicklung geprägt, so zu werden? Was treibt dich an? Das hört sich ja schon blöd an. Ich habe das nicht von mir selber gesagt. Wir haben eine ganz tolle Leiterin für Kommunikation bei uns im Haus. Die hat das mal verfasst, was mich natürlich sehr ehrt, aber das kommt nicht von mir selber. Aber ich glaube, was bei uns im Haus schon immer sehr gefördert wurde, ist so das Thema, wer eine gute Idee hat, der darf loslaufen, darf sich dann auch mal blutige Nase holen, darf aber auch ausprobieren. Und das habe ich auch bei uns im Unternehmen immer sehr, sehr positiv empfunden. Ein Beispiel, wir haben einen Kollegen, der sehr Harley-Affine ist, der schon immer Harley-Davidson fährt und der irgendwann mal auf die Idee kommt, es war ein Niederlassungsleiter bei einem unserer Betriebe und hat gesagt, warum machen wir das nicht selber und ist dann losgelaufen und hat angefangen, dieses Projekt zu fördern. Und heute haben wir einen Harley-Davidson-Store und eine unserer Marken, die wir vertreiben, die wir mit Passion leben. Und er ist jetzt heute dort Geschäftsführer und ist halt Harley durch und durch. Ich meine, der läuft schon ganz anders rum, klar. Und das sind so Themen, die uns halt einfach antreiben. Und genau so war das übrigens bei uns bei Vespa, als mein Sohn 16 geworden ist und uns die Hölle heiß gemacht hat, bis er sich dann durchgesetzt hat und ich mit ihm eine Vespa gekauft habe, habe ich mir auf dem Rückweg von diesem Händler, nicht in Karlsruhe ist, weil wir keinen mehr hatten, überlegt, Vespa ist ja so klasse, warum machen wir das nicht selber? Und dann habe ich mal geguckt, wer ist denn überhaupt Piaggio-Chef in Deutschland und habe dann Angelo Mazzone kennengelernt, ein super toller Typ. Genau so habe ich mir den Vespa-Chef Deutschland vorgestellt, anders konnte der gar nicht sein. Ein unheimlich sympathischer, engagierter, leidenschaftlicher Mensch für dieses Thema und habe ihn dann angerufen und gesagt, ich möchte Vespa-Händler werden, was muss ich tun? Und heute sind wir Vespa-Händler, ich glaube einer der größeren in Deutschland und haben wahnsinnig viel Spaß daran und das passt einfach zu uns. Also wirklich so Ärmel hoch und machen, auch so deins. Ja, macht ja Spaß, wenn man da was auf die Beine stellt und es wird was Gutes draus und man kann damit sein Portfolio und sein Angebot für die Kunden bereichern und da findet man ja auch immer Menschen, die sagen, hey, das ist eine tolle Sache, da möchte ich mitmachen. Und dann macht es am Schluss natürlich, wenn es erfolgreich wird, richtig viel Spaß. Kommt das bei dir irgendwo her? Also warst du schon immer, auch in jungen Jahren, irgendwie so ein Typ, der nach vorne weggegangen ist und hey, lass mal ausprobieren, lass mal machen? Oder hat sich das entwickelt? Ich weiß nicht, ich glaube, das entwickelt sich dann bei Menschen, wenn man ihnen den Freiraum lässt und das ist, wie gesagt, ich möchte wieder so ein bisschen die Brücke spannen zur Philosophie der Graf-Hamberg-Gruppe. Menschen befähigen sich selbst zu befähigen und Projekte und Herausforderungen anzugehen. Ich glaube, wenn das in einem agilen Unternehmen gefördert wird und gefordert wird auch, dann entsteht Kreativität und dann entsteht Schaffenskraft und das ist gut. Das bringt ein Unternehmen nach vorne. Ja, super spannend. Also muss auch nicht immer klappen. Nee, geht auch mal schief. Also wie gesagt, wir haben in manchen Bereichen oft heute auch so ein bisschen Start-up-Mentalität und versuchen uns auch mal aus an manchen Themen. Und ich glaube, das ist auch wichtig heutzutage, einfach mal probieren. Ich glaube, nicht jedes Projekt ist risikobewusst, müssen wir natürlich an jedes Thema rangehen, aber ich glaube, man muss sich auch ausprobieren. Und gerade in der jetzigen Zeit, wo sich der Markt neu verteilt, wo Mobilität sich komplett verändert, da muss man einfach auch mal ein bisschen mutig sein und mal ausprobieren und mal testen. Und wenn das in einem Unternehmen, und darauf bin ich wirklich sehr stolz, so gefördert wird wie bei uns in unserer Unternehmensgruppe, dann entsteht eben diese Kreativität und diese Schaffenskraft von allen, aus 1700 Gehirnern, die praktisch jeden Tag überlegen, was können wir denn noch tun, um noch erfolgreicher und langfristig erfolgreich zu sein. Und dann geht es von alleine. Habt ihr da irgendwie ein Team für? Habt ihr da irgendwie ein Lab für? Oder ist das einfach in eurer DNA so drin, dass ihr euch solche Themen einfach mit in das Haaresgeschäft nehmt und das einfach normal macht? Oder habt ihr gewisse Mitarbeiter, die da an solchen Themen so ein Board, ich sag mal, so ein Start-up-Board intern, ich weiß nicht, wie man das nennt. Nee, kommt eigentlich mehr so aus der DNA aus. Also dieses Graf-Hardenberg-Gen hat dazu, glaube ich, geführt, oder die Verbreitung des Graf-Hardenberg-Gens hat dazu geführt, dass Menschen eben einfach mal loslaufen und dass man sich selbst befähigt auch. Und wir haben, seit Jahren wollen wir die Graf-Hardenberg-Akademie gründen, die eigentlich in den Köpfen schon drin ist, die es aber noch nicht wirklich so gibt. Und das ist für mich jetzt gerade wieder ein Impuls, wo ich mit dir darüber spreche, das endlich mal anzugehen. Also wirklich zu sagen, ja, so ein Treffpunkt, wo wir sagen, da nehmen wir ein paar Leute mit, die wir vielleicht jetzt gerade so vor Augen haben und die wir dort auch weiter fördern. Und wie gesagt, wichtig ist, glaube ich, immer das Thema Kreativität ausleben und der Wille eben zum Erfolg. Ja, und Raum geben dafür. Raum geben, genau. Plattform, ja. Blicken wir mal so ein bisschen jetzt weg von eurer Gruppe, so ein bisschen auf die deutsche Autobranche. Wenn du so spontan und relativ allgemein so darüber nachdenkst, wo steht die mit den Stichworten Digitalisierung, Vertriebsmodell, Umgang mit Kunden, Angebote an Kunden, ganz allgemein? Ich glaube, die deutsche Automobilindustrie ist deutlich besser als sein Ruf oder als ihr Ruf und deutlich weiter und deutlich stärker ist, als sie momentan dargestellt wird. Das ist auch wieder so ein bisschen deutsche Mentalität. Wir sind unheimlich schnell dabei zu sagen, die deutschen Automobilhersteller haben irgendwas verschlafen oder der Deutsche ist da relativ kritisch mit manchen Sachen. Ich weiß noch, als wir 2015 auf einmal diesen Schwenk hatten zu E-Mobilität. Mag sein, dass er vielleicht in Deutschland ein bisschen zu spät gekommen ist, aber irgendwann war er dann da. Ist auch egal, wie entstanden. Da hat man relativ schnell in Deutschland schon wieder gesagt, ja, aber Elektromobilität ist ja doch nicht die Zukunft und von Wasserstoffen, allen möglichen und E-Fuels gesprochen. Wir sind vielleicht nicht immer die schnellsten, aber wenn wir dann kommen, sind wir eigentlich meistens recht gut dabei. Aber wenn ich heute so Artikel lese, dass die chinesischen Automobilmarken jetzt gerade den Markt überschwemmen, da sage ich immer, ganz so ist es halt dann doch nicht, weil natürlich gibt es mittlerweile ein paar Marken mehr auf deutschen Straßen, aber da gehört ja ein bisschen mehr dazu, ein Auto zu bauen. Ich muss ja eine langfristige Ratenstabilität darstellen. Ich brauche eine ordentliche Captive, ich brauche einen ordentlichen Finanzdienstleister im Hintergrund. Ich brauche ein gewisses Händlernetz, um das alles darzustellen. Ich glaube, wir haben in den letzten Monaten ja schon gelernt, dass es nicht so einfach ist, einfach irgendein Auto zu bauen und das online anzubieten, weil die Stückzahlen sprechen da noch nicht dafür. Da gibt es zwar einen großen, der vielleicht schon ein bisschen online macht, aber er versucht gerade, glaube ich, auch ein Händlernetz aufzubauen und letztendlich entscheidet am Schluss immer der Kunde, welchen Weg er geht. Absolut, das ist echt so ein Punkt, den man immer wieder mal sich in Erinnerung rufen muss und auch manchen Leuten sagen muss, weil da wird immer so viel diskutiert, wie ist der Ansatz und wie sind meine Prozesse und wie mache ich das und gala. Und dann einfach mal so, meinst du denn der Kunde möchte das so oder vielleicht möchte der ja nicht nur digital oder online Auto kaufen, vielleicht kommt er ja sehr gerne ins Autohaus noch. Also der Kunde darf da nicht vergessen werden, ganz klar. Ja und er beweist es uns ja gerade. Also wir sind in Deutschland bei dem Thema, ich weiß noch, als Carsharing anfing, da haben wir ja alle schon gedacht, in vier Jahren gibt es gar keinen Einzelkunden mehr und gar keinen Autobesitz mehr und jeder wird Carsharing nutzen. Genau das Gegenteil ist passiert. Carsharing hat sich eigentlich nicht wirklich durchgesetzt und wir haben auch keine Urbanisierung in Deutschland, sondern wir sind gerade in einer Phase der Deurbanisierung. Das heißt, Umfragen bei der Generation Y, also eigentlich den Menschen, von denen wir denken, sie wollen alle urban leben, haben gerade eigentlich ergeben, dass die Menschen, auch die jüngeren Menschen, eigentlich nicht in den Großstädten leben wollen, sondern eigentlich wieder in kleinere Städte ziehen und da brauchen sie Individualmobilität. Wenn ich mir in unserer Region den ÖPNV angucke, dann sage ich heute, das Auto ist doch lange nicht tot. Mit Sicherheit gibt es neue Mobilitätslösungen, es gibt mit Sicherheit auch andere Formen der Nutzung und es gibt auch heute ein anderes Verständnis von Besitz und von Einzelkunden Großkundenverhältnis. Das ist übrigens auch ein Thema vom IFA-Gipfel, über das ich berichtet habe. Bei uns sind es in der Gruppe schon weit über 60 Prozent, die an einen Großkunden gehen. Da wird sich natürlich einiges ändern. Es wird Gehaltsumwandlungsmodelle geben, alles mögliche, aber von der Individualmobilität sind wir, glaube ich, noch sehr abhängig. Die muss sauberer werden, die muss anders werden, die wird auch anders, aber ich glaube, wenn ich so in die Zukunft gucke, ist der Autohandel noch lange nicht tot. Nee, auf gar keinen Fall. Also der abgesangen, der ist doch teilweise wirklich sehr unfundiert oder unfundierte Quellen, sagen wir mal so. Der Agenturvertrieb, da vielleicht nochmal so eingehakt, du hast vorhin schon was dazu gesagt, so Agenturvertrieb, Umgang, Hersteller, Handel und so, nicht überall das einfachste Thema, weil das ist auch bei vielen Marken ja sehr unterschiedlich. Mercedes ist jetzt gerade, gerade gestern kam die Nachricht, ist jetzt voll eingestiegen ins echte Agenturmodell. Bei anderen Volumenmarken kommen die Nachrichten so nach und nach und da werden, werden alle gekündigt, keiner weiß, wie es weitergeht und dann kommen happenweise Infos raus, die den Handel dann teilweise doch eher erschrecken, die Kommunikation nicht so optimal ist. Ihr habt jetzt einen bunten Blumenstrauß an Marken. Das ist mit Sicherheit für euch natürlich auch am schönsten wäre, wenn alle gleichzeitig ein ähnliches Agenturmodell einführen würden, wo das vielleicht ein bisschen einfacher, auch für so einen Multimarkenhändler wäre, mit Sicherheit eine Riesenherausforderung für euch. Wo steht ihr denn da und was ist deine persönliche Meinung? Ja, also das ist natürlich ein sehr spannendes Thema, weil es auch sehr divers diskutiert wird. Es gibt ja Hersteller, die sich klar gegen das Agenturmodell ausgesprochen haben. Es gibt Hersteller wie Mercedes, die ja praktisch seit heutigem Datum in der echten Agentur angekommen sind. Mal gespannt, wobei ich glaube, alle noch nicht so richtig wissen, welche Auswirkungen das wirklich dann am Schluss hat. Wir haben ja im Grunde genommen beim Volkswagen-Konzern schon, jedenfalls bei der Marke Volkswagen, das Großkundgeschäft und das reine Elektrogeschäft zusammenrechnet, schon irgendwie um die 80, 85 Prozent Agenturgeschäft. Also allerdings nicht die echte, sondern die unechte Agentur sozusagen. Ich glaube, weder der Handel weiß final noch die Hersteller wissen final, wie es am Schluss aussehen wird oder wie die echte Agentur dann irgendwann mal ankommt. Ich glaube auch, dass es ein Prozess ist, der mit Sicherheit noch nicht ganz klar definiert ist, sondern der sich finden wird. Da mache ich mir auch gar nicht so viele Gedanken, weil das wird sich, denke ich mal, finden. Wird mit Sicherheit nicht ganz reibungslos am Schluss sein bis zur finalen Situation, aber da sind wir immer irgendwie noch klar gekommen. Und bis das Vertragswert dann noch fertig ist, dauert ja bei den Marken auch bis 2028. Also da haben wir noch ein bisschen Zeit. Viel wichtiger ist, das hast du gerade auch angesprochen, wie wollen wir denn denken und wer entscheidet denn am Schluss, was sich durchsetzt. Und ich glaube, da ist eben ein ganz wichtiger Baustein doch dann der Kunde, der am Schluss sagt, so will ich mein Auto kaufen. Und das sind die wichtigen Themen, die mich umtreiben. Das ist das Thema Testfahrt, Probefahrt, Beratung, Probleme im Service, im Aftersales, beim Unfall und so weiter und so fort. Und welche Rolle dann der Handel am Schluss spielt und der Hersteller oder die beiden in einer harmonischen Zusammenarbeit. Das, denke ich mal, werden die nächsten Jahre zeigen. Ja, echt total wichtig. Und du sagst ja, teilweise dauert es bis 2028. Dann gibt es andere Marken, die wollten in diesem Jahr, die haben gesagt, in diesem Jahr kommt auf jeden Fall ein Agenturvertrag und dann kam das Datum, der Vertrag war nicht da und dann geht es doch erst mal so weiter wie vorher. Ist ja schon echt eine gewisse Unsicherheit auch am Markt da und vor, ich glaube letzte, vorletzte Woche habe ich mich mit ein paar Leuten getroffen, auch alle aus der Branche und da kam man auch so auf den Punkt, ist ja jetzt total toll, wenn zwei, drei Marken vielleicht den Schritt in den Agenturvertrieb machen, dass Pricing halt zentral gesteuert wird, dass es keine Nachlässe mehr gibt, also Regionale und sowas, das was ja propagiert wird. Und der Rest des Marktes ist nach wie vor so unterwegs, wie er bis dato unterwegs war. Das ist ja auch ein ganz komisches Spannungsfeld, wenn eine Marke, ich sag mal, nicht mehr so rabattfreudig ist und die anderen Marken da vielleicht noch, der Handel da vielleicht noch schön reingerätscht. Das habe ich noch nie verstanden. Also müssen wir jetzt mal outen nach 34 Jahren Autohandel. Also ich habe schon immer gesagt, das ist vielleicht eine krasse Aussage, aber eigentlich ist das Margensystem völlig egal, was wir haben, weil am Schluss regelt sowieso der Markt. Ich habe schon immer gesagt, ob wir 17 Prozent Marge haben oder 27 oder 47 Prozent, am Schluss regelt sowieso der Wettbewerb und der Markt. Von dem her ist das Agenturgeschäft bei dem Thema Agenturprovision und Restmarge gar nicht so falsch, weil ich glaube, am Thema Dacia hat man das relativ früh gesehen, umso weniger der Handel am Schluss zur Verfügung hat, umso weniger wird natürlich auch weitergegeben. Und das regelt sich von alleine. Und wenn ein Produkt nicht geht, egal ob die Preishoheit beim Handel ist oder beim Hersteller, wenn ein Produkt irgendwann nicht geht, dann brauchen wir Verkaufsförderung, um das Modell oder das Produkt irgendwie in den Markt zu platzieren. Weil ich glaube, kein Hersteller kann sich am Schluss erlauben, Bänder stillstehen zu lassen, sondern da müssen halt Autos produziert werden. Wir sind gerade in diesem Findungsprozess, wo jeder Hersteller natürlich auch guckt, klar habe ich die richtigen Produkte zum richtigen Preis, wie biete ich sie an, wie vertreibe ich sie und das ist, wie gesagt, ein Findungsprozess sind wir gerade. Und am Schluss wird aber in jedem Fall der Kunde bestimmen, für welche Mobilitätslösungen er sich entscheidet. Das kommt ja noch obendrauf sozusagen. Mit einem Bein sind wir schon, mit einem Auge sind wir schon aus dem Rückspiegel raus und haben eigentlich schon das Fernlicht angemacht und gucken nach vorne. Und deswegen gucken wir mal noch ein bisschen weiter nach vorne. Du mit deinem persönlichen Wissen aus der Branche und deiner Erfahrung. Jetzt mal so eine sehr reißerische Frage. Wie siehst du die Zukunft des Autohandels? So goldene Zeiten oder düstere Zeiten? Ich sehe eigentlich goldene Zeiten, weil, wie gesagt, ich glaube, dass das Thema Individualmobilität noch viele Jahre Bestand hat. Und das merken wir auch momentan. Die Führerscheinabsolventen werden nicht weniger, sondern werden gerade wieder mehr. Wir haben eine Deurbanisierungsphase in Deutschland. Die Menschen wollen mobil sein. Ich glaube auch nicht, dass die Bahn oder die Regionalflughäfen es morgen schaffen, eine nachhaltig umweltfreundliche und funktionierende Infrastruktur in Deutschland darzustellen. Das heißt, wenn ich heute von A nach B möchte und das recht flexibel brauche, brauche ich ein Auto, brauche ich eine individuelle Möglichkeit. Ich glaube, dass in den nächsten Jahren sich einiges verändern wird. Das Thema, ich kaufe mir mal ein Auto, das wird sicherlich weniger werden. Situative Mobilitätslösungen, Autoabo habe ich sehr kritisch am Anfang gesehen, weil es letztendlich nichts anderes ist als eine Kurz- oder Langzeitmiete, aber wie ich es auch immer nenne, was für einen Namen ich dem Baby gebe. Ich glaube, dass immer mehr Menschen, Firmen, Großkunden, Projekte zu uns kommen werden und sagen, ich brauche jetzt für so und so viel Zeitraum die und die Mobilität oder ungefähr die und die Mobilität. Und dass wir dann einfach ein passendes Angebot setzen müssen, um diesen Menschen diese Mobilität zu gewährleisten. Das geht nicht immer über den Preis, sondern vielleicht über das Komplettpaket. Aber das wird in den nächsten Jahren so bleiben. Und das Thema Elektromobilität, wir sind ja in der größten Transformation vom Verbrenner zum Elektrofahrzeug. Auch hier denke ich mir manchmal, ich weiß nicht, was die Deutschen erwarten, aber so schnell geht es dann halt doch nicht. Das ist auch in Ordnung. Aber ich finde, wir sind schon ziemlich weit und es ist schon sehr praktikabel. Auch gerade in dem Bereich ist es gerade so, dass Menschen gerade sich ausprobieren und dass immer mehr Menschen sagen, ich will das jetzt mal testen. Ich möchte mal ein Elektroauto haben für ein paar Monate oder wenige Jahre. Und dann erstmal, bevor sie vielleicht kaufen, dann so ein Autoabo abschließen bei uns oder einen Leasingvertrag abschließen und dann so die ersten Gehversuche beim Elektroauto machen. Und da wir mit 46,5 Millionen Autos auf unseren Straßen in Deutschland noch genug Verbrenner haben, wird auch der Autohandel und die Werkstätten, glaube ich, noch ein bisschen was zu tun haben. Also von dem her, abschließend, Antwort auf deine Frage. Ich glaube, wir werden noch ein paar gute Jahre haben in diesem Land. Viele Hörer hier sind ja direkt aus dem Autohandel oder bei den Herstellern. Wenn du denen einen Rat geben solltest, wie würde dieser lauten? Und da füge ich noch eben hinten an, so als Mensch, menschliche Komponente und unternehmerische Komponente, weil du vereinst ja auch beides. Also der Tipp Nummer eins, egal in welche Richtung es geht, würde ich immer sagen, redet mehr miteinander. Kommunikation ist das Schlüsselwort. Lasst uns miteinander reden, lasst uns gemeinsam Lösungen erarbeiten, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Weil letztendlich haben wir alle das gleiche Ziel. Wir wollen Mobilität an den Kunden möglich machen, wir wollen sie sauberer machen, nachhaltiger machen. Wir wollen unsere Umwelt schonen und das Thema CO2-Bilanz optimieren. Und wenn man das dann gemeinsam im Kontext macht, glaube ich, gibt es noch viele, viele Ansatzpunkte, um das erfolgreich gemeinsam darzustellen. Aber Kommunikation ist dabei, glaube ich, ganz wichtig. Viel Aufklärungsarbeit. Ich glaube, das ist auch ein Riesenproblem momentan, dass Menschen einfach zu wenig Information kriegen und deshalb verunsichert sind. Und deshalb ist Reden miteinander immer ganz gut. Ja, und so unternehmerisch? So, wenn das Unternehmerherz in dir schlägt und überlegt, was sage ich da? Nochmal, ich habe schon ein paar Mal gesagt, Kundenorientierung, immer den Kunden fragen, vor allen Dingen am Kunden sein, viel, viel Fragen zuhören und einfach viel wagen. Also ein bisschen Startup-Mentalität, ab und zu mal ein paar neue Sachen ausprobieren. Und wenn die funktionieren, die können ja auch sehr situativ und regional unterschiedlich sein, aber alles, was funktioniert und am Schluss irgendjemand glücklich macht und dafür sorgt, dass wir auch noch Geld verdienen, dann ist es eine gute Sache. Okay, gehen wir mal über zu den Abschlussfragen. Da ist ein Klassiker gleich dabei, aber vorneweg würde ich dir jetzt gleich mal so drei Stichworte um die Ohren hauen und mit der Bitte um eine kurze Antwort oder kurze Meinung dazu. Und zwar Digitalisierung. Ja, schwieriges Wort. Also wir kämpfen momentan auch damit. Ist nicht einfach, lässt sich aber leider nicht verhindern. Ich habe neulich mal davon gesprochen, weil natürlich jeder momentan stöhnt, wird erstmal alles ein bisschen komplexer. Ich glaube, dass wir momentan an so einem Komplexitätspeak sind und vielen Menschen erstmal klar machen müssen, dass da auch ein Nutzen dahintersteckt. Aber ich glaube, dass es mittelfristig, hoffentlich vielleicht sogar kurzfristig wieder ein bisschen besser wird und für alle ein bisschen verständlicher. Aber das ist halt jetzt gerade auch eine extreme Umstellung. Müssen wir durch. Okay, das zweite Stichwort, das nehme ich eigentlich schon fast wieder raus. Agenturmodell war es, da haben wir aber glaube ich schon ausreichend zu gesprochen. Mich würde vielmehr noch das nächste Stichwort und deine Meinung interessieren und zwar die Eigenmarke Autohandel. Ja, also ich glaube an die Eigenmarke und unsere stärkste Marke ist immer unsere eigene Marke, also die Marke Graf Hardenberg. Und die Frage ist ja am Schluss, geht der Kunde zu einem Automobilhersteller und kauft dort sein Auto im Internet? Ich glaube es nicht. Oder geht er zu einem Automobilhändler, der in seinem Regal ein ordentliches Portfolio hat und sehr kundenorientiert am Markt und am Puls ist und der seine Anforderungen erfüllt? Ich glaube an das Thema Automobilhandel, weil er alles kann und weil er vor Ort ist. Und von dem her bin ich eigentlich sehr optimistisch. Ja, stark so. Ich habe gerade das Gefühl, das Thema Eigenmarke haben einige Händler drauf. Ja, auch schon lange drauf und schon lange verstanden. Aber auch einige oder auch viele nicht so. Die haben sich damals durchaus eher so das Markenlogo an die Attika hängen lassen und vielleicht den Namen runter und das war auch alles ganz toll und die Marke ist ja eh schon seit 50 Jahren mein Partner und so. Ich habe das Gefühl, dass einige gerade da einen Schwenk machen und wahrnehmen, so Mensch, meine Eigenmarke muss da sein, muss gestärkt werden. Das kommt ganz stark auf. Ich bin ja Marketer und von daher, das merkt man so richtig und das ist so wichtig und so wahr, die Eigenmarke. Das glaube ich auch. Die Eigenmarke muss im Fokus sein. Das steht aber nicht im Widerspruch zu einer tollen Zusammenarbeit mit den OEMs. Also das kann auch harmonisch gemeinsam funktionieren. Man muss nur ordentlich miteinander umgehen am Schluss. Ja, so der Klassiker, die Abschlussfrage. Wann sitzt du das erste Mal in einem komplett autonomen Auto? Du steigst ein, gibst ein Kommando, fahre mich zur Arbeit, machst die Zeitung auf, Füße hoch. In Deutschland. Ich muss die Frage inzwischen immer genauer fassen, weil ich habe schon die interessantesten Antworten gekriegt. Ja, wenn ich in Texas zufällig auf Geschäftsreise bin und abends an der Bar betrunken bin, dann glaube ich, dass dann… Nein, hier bei uns. Okay, klare Antwort, gar nicht. Gar nicht? Nein, glaube nicht dran. Also nicht mehr, also jedenfalls nicht mehr in meinem Leben. Meine Kinder vielleicht, ich nicht. Sorry, da muss jetzt kommen. Aber ich weiß nicht, wie lange haben wir für die Maut gebraucht? Nur, wollte einer erzählen. Wir können in Deutschland in zehn Jahren mit einem Fahrzeug der Autonomie Stufe 4 völlig autonom fahren und dabei eine Zeitung lesen, lache mich kaputt. Ich glaube da nicht wirklich dran. Deshalb vielleicht, also ich weiß nicht, wie alt ich werde. Und irgendwann so mit Ende 90 ist einem das vielleicht auch egal, ob das System funktioniert. Vielleicht dann, aber in den nächsten 20 Jahren sehe ich mich da überhaupt nicht. Okay, alles klar. Ich bin aber auch nicht unbedingt so der Mensch, der sein Schicksal fremd erhält. Ich habe auch ein bisschen Flugangst. Also ich bin, wie nennt man das oft so? Wenn man Probleme hat, so loszulassen. Ich weiß nicht, ich bin da nicht unbedingt. Kontrollverlust. Kontrollverlust, genau. Also ich glaube, ich bin da nicht der erste Kunde, der in so einem Auto sitzt. Ja, okay. Ich sehe mich da nicht. Ist kurios. Ich habe, glaube ich, heute oder gestern eine Stellungnahme. Irgendjemand hat wohl hochoffiziell Ferrari angefragt, was die zu dem Thema autonomes Fahren sagen. Die haben relativ kurz und knapp geantwortet. Interessiert uns nicht. Wer will das? Wer will ein Ferrari autonom fahren, Leute? Ich stelle mir das gerade vor. Also erstmal muss man ja da reinkommen noch im Halter. Und wenn ich mir irgendwo autonom chauffieren lassen würde, dann mit Sicherheit nicht in einem Ferrari. Also den möchte ich schon selber fahren. Da würde mich aber irgendwann mal interessieren, wie geht denn die Marke Porsche damit um? Klar, ich glaube die Marke Porsche. Assistenten werden die haben. Assistenten werden die auf jeden Fall haben. Aber ich glaube, die Marke Porsche, ja, die Marke ist so fantastisch und hat so eine Anhängerschaft. Und ja, ich sage auch, unsere Porsche-Kunden sind, glaube ich, auch ein bisschen anders. Da ist es, es ist ja kein Autofahren, es ist ja absolute Passion und Leidenschaft. Und wie die Menschen mit ihrem Auto umgehen, das ist wirklich faszinierend. Wir haben übrigens gerade mit unseren, das muss ich noch als letzten Satz erinnern, wir haben uns neulich mal überlegt, können wir denn eigentlich machen, um unsere ITler, das sind ja Menschen, die extrem wichtig sind, gerade bei dem Stichwort Digitalisierung heute, mit unseren ganzen ITlern, was können wir denn machen, um die mal zu motivieren? Da haben wir die Idee gehabt, das fand ich total klasse. Wir gehen mit denen einfach mal zur Porsche-Experience nach Hockenheim und lassen die mal, anstatt mit Bits und Bytes, endlich mal mit PS ein bisschen was machen. Und ich habe noch nie so strahlende Menschen gesehen. Also von dem her, ja, das wird sich auch ein bisschen verändern. Ich denke mal, die Marke hat da auch ganz viel im Köcher. Aber ich glaube, sich auch von einem Porsche, von einem Elfer fahren lassen zu lassen, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Das wäre geil. Ja. Ja, du, ganz, ganz, ganz lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, dass wir hier mal entspannt quatschen konnten. Das war mir ein Anliegen, nachdem ich dich da eher so auf der Bühne erlebt habe. Und da wollte ich mal wissen, was ist denn das für einer? Ja, war mir vergnügelt, viel Spaß gemacht, war sehr kurzweilig. Ja, so soll es sein. Und ich hoffe, dass den Hörern da draußen das auch wieder Spaß gemacht hat und hat. Und von daher, für heute sind wir durch. Und wir beide sagen Tschüss, Ciao, macht’s gut. Ganz herzlichen Dank und viele Grüße ins Ruhrgebiet. Danke. Ciao. Ciao.
Diese Episode ist Teil des Podcasts Benzingespräche von Tim Klötzing.