Einleitung

In der heutigen Episode von „Benzingespräche“ sprechen wir mit Philipp Kielhorn, Geschäftsführer der Marketer-Gruppe, über ein innovatives Arbeitszeitmodell im Autohandel: die 4-Tage-Woche. Diese Veränderung ist nicht nur ein mutiger Schritt, sondern auch ein potenzielles Erfolgsmodell für die gesamte Branche.

Die Entstehung der 4-Tage-Woche

Die Idee zur 4-Tage-Woche entstand während eines Gesprächs auf einer Veranstaltung von mobile.de in Berlin. Philipp Kielhorn und Tim Klötzing tauschten sich über moderne Arbeitszeitmodelle aus, die sowohl den Mitarbeitern als auch dem Unternehmen Vorteile bieten könnten. Die Marketer-Gruppe entschied sich, diesen Ansatz zu testen, um die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter zu verbessern und gleichzeitig die Effizienz zu steigern.

Ein Blick in den Rückspiegel: Philipp Kielhorns Werdegang

Philipp Kielhorn, geboren 1983 in Bielefeld, ist seit 2007 Teil der Marketer-Gruppe. Nach seiner Ausbildung und Studienabschlüssen in Business Administration und Mittelstandsmanagement übernahm er verschiedene Positionen im Unternehmen, bevor er 2022 Geschäftsführer wurde. Sein Engagement und seine Innovationsfreude haben maßgeblich zur Einführung der 4-Tage-Woche beigetragen.

Die Marketer-Gruppe: Ein Familienunternehmen mit Tradition

Die Marketer-Gruppe, gegründet 1927, ist ein Familienunternehmen mit sechs Standorten in Ostwestfalen-Lippe. Mit 270 Mitarbeitern und einem breiten Portfolio an Automarken wie Volvo, Land Rover, Opel und Peugeot ist das Unternehmen ein bedeutender Akteur in der Region. Die Einführung der 4-Tage-Woche ist ein weiterer Schritt, um die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.

Die Umsetzung und Vorteile der 4-Tage-Woche

Die 4-Tage-Woche wurde eingeführt, um den Mitarbeitern mehr Freizeit zu bieten und gleichzeitig die Produktivität im Unternehmen zu erhöhen. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Mitarbeiter zufriedener sind und die Effizienz gesteigert werden konnte. Die Marketer-Gruppe setzt auf eine hohe Übernahmequote von Auszubildenden, um den Nachwuchs frühzeitig in die Unternehmensphilosophie einzubinden.

Fazit

Die Einführung der 4-Tage-Woche bei der Marketer-Gruppe zeigt, dass innovative Arbeitszeitmodelle auch in traditionellen Branchen wie dem Autohandel erfolgreich umgesetzt werden können. Die positiven Rückmeldungen der Mitarbeiter und die gesteigerte Effizienz sprechen für sich. Dieses Modell könnte als Vorbild für andere Unternehmen dienen, die ihre Arbeitskultur modernisieren möchten.


Show Notes & Key Takeaways

Themen:

  • Einführung der 4-Tage-Woche im Autohaus
  • Philipp Kielhorns beruflicher Werdegang
  • Die Marketer-Gruppe als Familienunternehmen
  • Vorteile und Herausforderungen der 4-Tage-Woche
  • Erfahrungen und Ergebnisse der Umsetzung

Key Takeaways:

  • Die 4-Tage-Woche kann die Work-Life-Balance verbessern.
  • Innovative Arbeitsmodelle sind auch im Autohandel möglich.
  • Die Marketer-Gruppe setzt auf hohe Übernahmequoten bei Auszubildenden.
  • Ein starkes Familienunternehmen kann Veränderungen erfolgreich umsetzen.
  • Positive Rückmeldungen der Mitarbeiter bestätigen den Erfolg des Modells.

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Benzingespräche – der Branche- und Personality-Talk der deutschen Automobilwirtschaft. Der Podcast für und mit Menschen aus der deutschen Automobilbranche, die etwas zu sagen haben. Wir teilen die Liebe zum Automobil in persönlichen Erfolgsstories, die es wert sind, erzählt zu werden. Es geht um neue und verschiedene Blickwinkel auf die Autobranche und persönliche Meinungen zukünftiger Geschäftsmodelle und Mobilitätskonzepte. Vom prüfenden Blick in den Rückspiegel bis zur spannenden Aussicht mit Fernlicht in die mobile Zukunft. Ich bin Tim Klötzing, Experte der deutschen Autobranche, Content-Creator und freier Automarketing-Berater. Kurzer Boxenstopp bei meinem Partner dieser Folge. Claim Plus. Du willst eine einfache und sorgenfreie Schadensabwicklung. Diese soll am besten nichts kosten und deine Mitarbeiter deutlich entlasten? Claim Plus macht’s möglich. 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Und dann kamen wir auch zu dem Thema von der heutigen Ausgabe, und zwar die Umstellung einer Autohausgruppe auf die 4-Tage-Woche. Und ja, da möchte ich herzlich willkommen heißen, den Philipp Kielhorn, Geschäftsführer der Marketer-Gruppe. Hallo Philipp. Hallo Tim. Vielen Dank für die Einladung. Und ich kann mich noch sehr gut an den Abend erinnern. Kannst du. Ja, es war sehr angenehm. Und wir hatten ja nun eine sehr spannende Tagung hinter uns. Und abends bei einem schönen, kühlen Getränk konnten wir uns dann sehr persönlich mal austauschen dazu. Ganz genau. Ja, das ist ja auch immer, wie sagt man so schön, Part of the Game bei solchen großen Veranstaltungen, dass das Netzwerken auch nicht zu kurz kommt. Und in unserem Fall hat es ja auch wunderbar funktioniert. Ja, genau. Und ja, ich kann einfach nur sagen, dieses Bereichsübergreifende und dass man mal out of the box denken und sprechen kann, das macht einfach Spaß. Ja, absolut. Ja, damals habe ich dir, glaube ich, relativ schnell auch gesagt, wo wir das Thema 4-Tage-Woche hatten, dass mich das Thema grundsätzlich interessiert und ich da auch mal in Ruhe mal drüber sprechen möchte, wie es dazu gekommen ist, wie man es eingeführt hat und natürlich auch, wie ist denn der Stand der Dinge. Ihr seid ja schon ein paar Tage in dem Konzept unterwegs. Und das wollen wir gleich mal besprechen. Bevor wir das machen, machen wir den Klassiker. Wir machen erst mal den Rückspiegel. Wir gucken erst mal in den Rückspiegel auf deinen Werdegang. Und du bist ein Baujahr 83. Du bist Bielefelder, born and raised, wie man so schön sagt, verheiratet drei kleine Kinder. Ich habe drei Kinder und du hast noch kleine Kinder ergänzt, so ungefähr. Wie alt sind die? Mathilda ist gerade fünf geworden und die Zwillinge werden jetzt im April vier Jahre alt. Und ja, wir haben spannende Jahre hinter uns. Oh, so eng aneinander und dann noch ein Zwillingspärchen. Cool. Ja, es ist wirklich wundervoll. Es ist aber natürlich auch mit Anstrengung verbunden. Nicht nur mit Freude. Du bist Betriebswirt der BFC. Da grüßen wir doch mal die liebe Silvia, die uns immer zuhört. Unbedingt. Diese treue Hörerin, die meldet sich auch häufiger aus dem Auto und sagt, ich habe das und das gehört. Ich habe da und die und die Idee noch und den und den und so. Das ist immer sehr, sehr lustig und das ist echt richtig schön. Du hast außerdem Bachelor Business Administration hinter dir und den Master Mittelstandsmanagement auch abgelegt, wenn man so möchte. Und du bist seit 2007 beim Marketer. Erst Brand Manager Land Rover, dann auch Prokurist und du bist seit 2022 da Geschäftsführer. Summa summarum 18 Jahre in einem Unternehmen. Respekt, Lob und Anerkennung. Und das ist also in meinem Podcast, ich bin immer geneigt zu sagen, das ist eher so selten, dass Menschen so lange in einem Betrieb sind, in meinem Podcast, aber kurioserweise doch eher häufig. Was hat dich denn da so lange in dem Betrieb sein lassen dürfen? Ich glaube, dass Ralf Marketer und die Familie allgemein mich immer auch viel haben probieren lassen. Und ich habe natürlich viel Wissen von außen mit in die Organisation reingebracht und wir haben eine gute Diskussionskultur und da siegen oft die besseren Argumente. Und witzig war jetzt am Samstag noch, da war ich mit meiner Familie unterwegs und dann rief Ralf mich an samstags und ich sagte, was könnte er jetzt von mir wollen? Und dann sagte er, er sitzt gerade mit seinen Eltern, die sind schon über 90 Jahre alt zusammen und wollten mir zu meinem 18-jährigen Firmenjubiläum gratulieren. Das hatte ich selber gar nicht auf dem Schirm und ich musste so lachen. War ein schöner Moment. Waren dann alle irgendwie dann im Telefonat, auch die Eltern? Ach, geil. Das berührt mich auch ein bisschen. Das ist echt schön. Toll. Genial. Hat dich selber auch so nicht mit gerechnet? Ja, krass. Da bin ich immer sprachlos, wenn das dann auch so gelebt wird und da halt auch so ein Schluss stattfindet und so ein Familienunternehmen, du bist ja nicht in der Familie sozusagen, aber bist ja da reingewachsen sozusagen. Genau. Ja, cool. Dein Studium bei der BFC deutet es an, du wolltest scheinbar tief in die Branche einsteigen. Du hast, glaube ich, nicht nur gedacht, ich mache da mal irgendwas, sondern ich mache es auch richtig. War das denn auch schon vorher oder war das immer dein Wunsch, in die Autobranche einzusteigen? Wie kam das? Das war nicht so. Ich bin damals so ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde gekommen und habe dann auch die Ausbildung im Autohaus absolviert und wusste gar nicht so genau, ob ich dann innerhalb der Branche weitermachen möchte. Dann habe ich aber die Silvia Gerl kennengelernt, ehrlich gesagt, die ja nun viel Akquise in Berufsschulen auch betrieben hat. Dann bin ich zur BFC gekommen und ich wusste gar nicht, was mich für eine Welt dort erwartet. Und dieses Gefühl, was ich da für die Branche bekommen habe, das hat mich niemals wieder verlassen und einfach tolle Jahre jetzt in der Branche auch erlebt. Natürlich auch harte Jahre, aber dieses Thema Transformation, Innovation, das ist ja nun in allen Branchen momentan in der großen VUCA-Welt normal. Also ja, ich bin mittlerweile leidenschaftliches Mitglied dieser Branche. War aber sonst, ich sag mal so aus der Jugend raus, irgendwie Autoaffinität schon da oder war es gar nicht so ausgeprägt? Nicht, wirklich gar nicht. Und deshalb bin ich ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde gekommen und habe das dann einfach mal auf mich wirken lassen. Und ich mag einfach die Verbindung von viel technischem, prozessorientiertem, aber eben diesen menschlichen Emotionen auch. Und egal wo man abends auch privat unterwegs ist, irgendwie wird immer über Autos diskutiert und gesprochen und das macht auch was mit einem. Ja, denke ich auch. Ja, ist eine spannende Story. Und was du gerade sagtest, Silvia ist heute noch regelmäßig bei Berufsschulen unterwegs und erklärt dem Nachwuchs quasi, wie toll die Branche ist. Ich habe auch vor ein paar Tagen noch mit ihr Kontakt gehabt und ich weiß, dass genau wenn wir jetzt aufnehmen, ist sie wahrscheinlich wieder in irgendeiner Berufsschule und auf ihrer Mission den Autohandel da nach vorne zu bringen. Das ist ja wirklich Wahnsinn, was die liebe Silvia da treibt. Ja, da muss ich auch noch mal eine Lanze für Sie brechen. Ich muss ganz oft an Ihre Leitsätze denken, die ich in diesem Jahr an der BFC auch verinnerlichen konnte. Und auch wenn man es vielleicht manchmal nicht so wahrhaben wollte kommt man irgendwie doch immer wieder darauf zurück und das ist wirklich bemerkenswert, was sie für den Handel tatsächlich auch getan hat. Ja, liebe Silvia, liebe Grüße. Immer wieder bist du Gesprächsthema bei mir im Podcast. Ja, vielleicht kannst du auch mal die Marketergruppe ein bisschen vorstellen, damit wir, wenn wir gleich auf das Thema zu sprechen kommen, mit der 4-Tage-Woche so ein bisschen einordnen können, welches Volumen oder worüber man da eigentlich spricht. Vielleicht kannst du mal die Marketergruppe da vorstellen. Familienunternehmen seit 1927. Wir haben sechs Standorte in der Region Ostwestfalen-Lippe. Wir haben 270 Menschen, die bei uns tagtäglich ein- und ausgehen. Dazu gehören 40 Auszubildende in der Regel. Wir haben keinen klaren Hauptsitz. Wir sind in allen Standorten gleichmäßig vertreten, so könnte man sagen. Wir haben die Marken Volvo. Wir sind mittlerweile ältester Volvo-Partner Deutschlands. Wir haben die Marke Land Rover, Opel und Peugeot. Seit einigen Jahren vertreiben wir auch Globe Traveler als Campingmodell, auch sehr erfolgreich. Im Großen und Ganzen sind es dann ungefähr 4.500 bis 5.000 Fahrzeuge, die wir jedes Jahr vermarkten. Ich denke, wir haben hier in der Region schon eine gewisse Relevanz. Okay. Wenn ich höre, 72 Mitarbeiter, gut 40 Azubis, hast du gerade gesagt, das ist ja auch schon nicht ganz ohne. Das ist also ein guter Schnitt. Das haben manche, glaube ich, nicht. Das war eigentlich das Erste, was ich gemacht habe, als ich das Personalmanagement strategisch aufbauen durfte, dass ich für eine Art Akademie gesorgt habe, dass wir viel jungen Nachwuchs quasi ins Unternehmen bekommen und eine hohe Übernahmequote auch generieren. Und nicht um jeden Preis, sondern dass das wirklich Talente sind, die erstmal Bock haben, bei uns zu sein und auch ganz viel frischen Wind mit reinbringen können. Also ich habe denen auch eine Stimme gegeben, sehr, sehr früh. Toll. Ja, selber den Nachwuchs gut ausbilden, dann kommst du natürlich auch in den Genuss einer hohen Übernahmequote und die dann mit dem Marketergen quasi infizieren früh. Genau, so war der Plan. Und oftmals hat es wirklich auch gut funktioniert, weil ich auch gemerkt habe, wie mich jetzt die Familie auch früh gefördert hat. Also ich war ja auch noch relativ jung, 23 Jahre alt. Ich kam von der BFC, wollte Assistent der Geschäftsleitung sein und Mädchen für alles, wie Silvia auch immer gesagt hat. Und ja, da bedarf es trotzdem viel Rückendeckung von verantwortlichen Personen, dass man diesen Weg gehen kann. Und das habe ich auch nicht vergessen. Und deswegen war es mir auch wichtig, dass die jungen Menschen das bei uns dauerhaft erleben können. Ist mir ähnlich ergangen. Ich hatte damals, als ich meine berufliche Laufbahn angefangen habe, eine Ausbildung in der damaligen Werbeagentur, ich war ein Vollchaot, machen wir uns nichts vor. Ich war echt ein absoluter Vollchaot und habe eine Chance bekommen. Und deswegen war das auch bis zuletzt, wo ich meine Agentur noch hatte, auch so, dass wenn wir Mitarbeiter oder Nachwuchs oder Auszubildende einstellen, da ging es um den Menschen und nicht um die Noten. Und das ist auch tief in mir drin, weil ich selber das Glück hatte, auf jemanden zu treffen, der so gedacht hat. Und das ist auch echt wichtig. Ja, das ist relativ häufig so, dass Menschen nicht unbedingt die besten Noten haben müssen, um mit Begeisterung ihr Talent irgendwie auszuleben. Ja, absolut. Okay, jetzt haben wir mal eine Größenordnung und dass euer Unternehmen, du hast es so gesagt, so eine gewisse Relevanz in der Region hat und einen gewissen Namen und Standing. Und dann kommt ihr 2023 oder wahrscheinlich schon früher auf die Idee, so, wir machen jetzt mal im Autohandel was, was glaube ich noch keiner vorher gemacht hat. Wir führen eine Viertagewoche ein, das macht doch total Sinn. Wie ist denn das dazu gekommen? Da brauchen wir doch mal Infos. Ja, das ist auch eine ganz spannende Geschichte. Ralf und ich haben einen Bekannten, der hat gar nichts mit der Branche zu tun. Der hat ein Buch geschrieben, die Fünf-Stunden-Revolution. Und wir kamen dann irgendwann darüber in die Diskussion, dass eine Steigerung der Arbeitseffizienz dazu führen kann, dass man vielleicht die Arbeit gesünder, nachhaltiger und erfolgreicher gestalten kann und somit dann natürlich noch einen positiven Effekt für die Arbeitgebermarke erzielen kann. Und dann bin ich irgendwann auf die Viertagewoche gekommen und habe sehr viel darüber gelesen und dann sind wir in die Diskussion eingestiegen und für uns war es von vornherein natürlich ein Marketing-Gag, weil ich glaube wirklich keine Gruppe in dieser Größenordnung hat das vorher so betrieben und vor allen Dingen auch nicht so konsequent betrieben, weil wir sind ja ein halbes Jahr vorher so in die Vorbereitung gegangen und haben dann am 1.1.2023 gesagt, so, wir machen das jetzt alle. Und es ging wirklich darum, also wir haben gesagt, wie geil wäre es denn bitte, wenn uns das gelingen würde, unsere Prozesse so effizient zu gestalten, dass wir mit 36 Stunden und vier Tagen hinkommen und eben nicht mehr mit 40 Stunden und fünf Tagen. Okay. Dann ist die, also ein halbes Jahr Vorlauf hast du gesagt, ungefähr? Ungefähr, ja. Und ab welchem Moment habt ihr denn die Mitarbeiter involviert und wie waren die Reaktionen darauf? Wir haben das über eine Mitarbeiter- oder Mitarbeitendenversammlung gemacht, unser Forum, das wir einmal im Jahr stattfinden lassen, wo alle anwesend sind. Das war ungefähr acht Wochen vor Umsetzung und da war die Begeisterung erstmal riesengroß, weil erstmal haben wir ein Geschenk verteilt. Wir haben gesagt, wir senken eure Arbeitszeit von 40 auf 36 Stunden bei gleicher Kohle. Also wir sagen, da gibt es den vollen Gehaltsausgleich und wir wollen halt unsere Effizienzen in den Prozessen so steigern, dass wir sagen, wir können dann am Ende des Tages vier Tage arbeiten und drei Tage am Stück zu Hause bleiben. Und da war die Begeisterung erstmal sehr groß. Vier Wochen vor Start sind wir in den Standorten, in die Teams gegangen und haben gesagt, so, wie organisieren wir uns denn jetzt? Weil wir zwar wichtig, dass die Teams selbstbestimmt handeln und sich selbstbestimmt auch organisieren können. Natürlich müssen wir Öffnungszeiten berücksichtigen etc. Aber das lief da nicht so an, wie wir es gedacht haben, weil da hatten wir nämlich 70% Ablehnung. In der Region sagt man, was der Bauer nicht kennt, frisst er auch nicht. Ja, ja, klar. Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten, dass wir das innerhalb eines Projektrahmens, drei bis sechs Monate, erstmal alle probieren und dann Erfahrungen sammeln, evaluieren und dann eine Entscheidung treffen, wie machen wir jetzt weiter. Mittlerweile sind 70 bis 80 Prozent der Belegschaft in der 4-Tage-Woche und wissen die Vorzüge auch für sich einzuordnen. Das waren am Anfang große Berührungsängste da und das ist ja auch das, was ich so in der Branche miterlebe, dass am Anfang erstmal eine große Abneigung da ist. Also es ist ja schön, aber bei uns geht das halt nicht. Es gibt auch Bereiche, da ist es wirklich sehr anspruchsvoll, da können wir gleich nochmal drüber reden, aber es gibt auch Bereiche, wo man das vielleicht denkt, wo es aber ganz, ganz einfach funktioniert hat. Okay. Ja, mir fällt gerade noch so ein, vielleicht sage ich mal, was haben wir denn überhaupt gemacht. Also wir haben gesagt, wir wollen drei Tage am Stück frei. Wir wollen die Wahlmöglichkeiten zwischen Montags und Freitags, es geht dann tatsächlich darum, dass dann diese drei Tage am Stück liegen. Die Arbeitszeit wurde von 40 auf 36 Stunden für alle gleichermaßen gesenkt. Selbstbestimmtheit in den Teams, dass sie sich selbst organisieren dürfen. Wir mussten natürlich für Vertretungsregelungen sorgen, zum Beispiel die großen Urlaube, Ferienzeiten, wo wir eben das Thema Überstunden eben auch angesprochen haben proaktiv, aber das konnten die Teams auch selber organisieren. Grundsätzlich wollten wir das Thema Überstunden aber vermeiden, weil wir wollten eigentlich sagen, wir setzen hier einen Deckel drauf und ihr müsst an den Prozessen mitarbeiten proaktiv, jetzt schon in der ganzen Zeit, damit wir gar nicht in diesen Struggle mit Überstunden kommen, nur eben zu besonderen Zeiten und Flexibilität zu erhalten. Und natürlich das Thema Kollaboration, kollaboratives Zusammenarbeiten, also bei uns hat Microsoft Teams eine ganz besondere Rolle eingenommen. Wir haben mit Trello sehr, sehr viel gemacht, dass die Menschen halt zeitgleich sehr übersichtlich in Prozessen arbeiten können und wir haben ein Prozessmanagement-Tool eingeführt, wo wir unsere komplette FIBU, unseren Serviceprozess schon so vereinfacht haben und digital dargestellt haben, dass einfach vieles einfacher geworden ist. Du hast jetzt mehrfach gesagt, das ist dann quasi in die Teams zur Selbstorganisation gegangen. Erste Frage, was ist ein Team genau? Ist das ein Standort oder ist das in einem Standort wieder ein Unterteam? Also wenn ich von Teams spreche, dann sind das meist so Bereiche wie Finanzbuchhaltung, die standortübergreifend arbeiten, Disposition, die standortübergreifend arbeiten, aber dann eben auch die standortspezifischen Teams, wie das Werkstatt-Team, das Service-Team, wo man ja nun von den Kundenströmen und den Öffnungszeiten auch stark geprägt ist. Okay und du sagtest am Anfang haben alle die Hände hochgerissen und geklatscht und super und dann seid ihr dann da mit eurem, ja seid ihr dann quasi kurz vor Live zu denen gegangen und habt gesagt, so jetzt besprechen wir das mal konkreter und dann war die Angst ein bisschen größer. Kann das daran liegen, dass dann, ich meine vielen wird ja irgendwie bewusst sein, wenn ich vier Stunden weniger arbeite, dass ich dasselbe Geld bekomme, ja schon irgendwie der Anspruch des Arbeitgebers ist, dass in der wenigeren Arbeitszeit der gleiche Output da ist. Kam da Angst auf? Ist das der Punkt? Ja, es kam Ängste auf, es kam auch natürlich Druck auf, weil wir das auch so klar kommuniziert haben, so hey wir schenken euch was, das ist ein Benefit, aber am Ende des Tages wollen wir natürlich die Ergebnisse so halten, wie sie jetzt auch sind und dann kam noch hinzu, dass die Belastung, die auf die Menschen zukam, also der Neun-Stunden-Tag, also weg von dem Acht-Stunden-Tag hin zum Neun-Stunden-Tag, das war ein Riesenthema, dass Menschen ihre sozialen Neigungen, sag ich jetzt mal abends, vielleicht nicht mehr so wahrnehmen konnten und haben gesagt, Philipp, du greifst in mein Privatleben ein, das möchte ich so nicht. Das war sehr erstaunlich aus meiner Sicht, aber das kam nicht nur einmal vor und ja, da mussten wir schon viel kommunizieren, um da auch Verständnis zu erzeugen. Auf der anderen Seite greifst du ja auch positiv in das Privatleben ein mit einem freien Tag. Wenn ich überlege, dass ich regelmäßig, ich gehe jetzt mal so an Werktagen, klassisch hast du ja den Samstag irgendwie komplett frei, wo du was machen kannst und einkaufen, shoppen gehen kannst, wie auch immer und dann hast du entweder Freitag und Samstag oder Samstag und Montag. Ja, ich erinnere mich, dass wir im November in Berlin da auch schon mal drüber gesprochen haben, dass positive Sachen natürlich schnell auch vergessen werden bzw. dann auch als selbstverständlich vereinnahmt werden und das ist auch eine Erfahrung, die wir jetzt gemacht haben. Die Menschen, die früher die größten Skeptiker waren, würden jetzt gar nicht mehr von der 4-Tage-Woche abgehen. Wir haben das auch im Vertrieb gemerkt, dass Menschen, die jetzt Samstags im Vertrieb frei haben und wir einen Aktionssamstag einbauen, das hatten wir jetzt kürzlich, da ganz viel Abneigung auf einmal da ist und gesagt wird, nee, eigentlich wollen wir das so nicht mehr und wir sagen, das ist doch eine Ausnahme, nicht die Regel und trotzdem stößt das auf Unverständnis. Ja, also damit muss man klarkommen, dass Menschen immer schneller das Negative sehen als das, was sie als Benefit bekommen oder was als positiver Anreiz da mitschwingt. Ja, ich meine, da gibt es, ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine, es gibt so eine Erhebung, dass ein negativer Reiz siebenmal stärker als ein positiver Reiz wahrgenommen wird. Das ist so, du gehst den ganzen Tag 8 Stunden arbeiten und hast nur positive Erlebnisse und dann hinten drauf kommt ein negatives, ist ja Tag am Abend halt doof gewesen. Die Studie kenne ich auch, habe ich auch schon, also ich habe es am eigenen Leid einfach viel zu oft auch erfahren, weil wir haben in den letzten Jahren nochmal sehr, sehr viel für unsere Belegschaft auch getan und trotzdem wird da oft noch der Rotstift angesetzt bzw. wird das gar nicht mehr so reflektiert, was da alles schon passiert ist. Aber das ist nun mal auch normal, das ist auch in Ordnung so, wir wissen damit umzugehen und haben ja unsere Schlüsse auch aus den ganzen Erfahrungen, die wir jetzt auch als Feedback in der Evaluierung bekommen haben, auch verarbeitet und auch angewandt. Also wir sind jetzt mittlerweile so, dass wir nicht sagen, wir haben jetzt die 4 Tage Woche, sondern wir sagen, wir haben eine individuelle und flexible Arbeitszeitgestaltung. Bei uns kann die Mutter von 2 Kindern, kann sich ihre Arbeitszeit weitestgehend auch selbstständig einteilen, wenn es im Teamkontext halt auch passt und das ist ganz häufig so, wenn man einfach mal darüber spricht. So und in der Werkstatt, gerade da, wo wir so, wo die Menschen so fremdgesteuert sind durch Aufträge, durch Kunden, da brauchen wir halt straffere Strukturen. Es geht ja nicht, dass da jeder das heute so, morgen so möchte und dass wir da eine maßgebliche Flexibilisierung hinbekommen, das geht so nicht. Da brauchen wir Strukturen und so unterscheiden sich halt die Bereiche. Ja, eigentlich hatte ich mir als Frage aufgeschrieben, ob die Mitarbeiter mitentschieden haben. Jetzt hast du aber vorhin gesagt, dass ich glaube 70 bis 80 Prozent in diesem Arbeitszeitmodell sind mit der 4-Tage-Woche, die anderen nicht. Sprich, also die haben quasi mitentschieden, ob die es machen oder nicht. Die haben nicht darüber entschieden, ob das ganze Unternehmen das pauschal so macht. Das ist ja ein großer Unterschied. Ist denn das Zweigleisige oder das sehr Flexible, wirft das nicht sehr viel organisatorischen Aufwand bei euch auf? Ja, gerade in Kommunikationshinsicht. Also wir haben erlebt, dass wir auch Kommunikation strukturieren und kanalisieren müssen. Und wie ist das gemeint? Also zu jeder Minute für jeden erreichbar zu sein und zu jeder Minute E-Mails immer wieder zu lesen und sich dann aus der Arbeit rausreißen zu lassen, das haben wir festgestellt, dass das ein unheimlich großer Hämmer ist, um effizient herzuarbeiten. Also es ist ganz häufig so, dass wir jetzt, wir haben so Clean-Desk-Modelle installiert in den Standorten, dass die Menschen in den Bereichen sich auch zurückziehen können und zwei, drei Stunden auch ungestört, konzentriert arbeiten können. Wir haben Kommunikationsrunden neu erschaffen, ich sag mal unsere FIKA, die aus dem Skandinavischen kommt, wo wir zweimal die Woche uns in Richtung Vertrieb, Disposition etc. eben in einem lockeren Rahmen für fünf bis zehn Minuten zusammentreffen und da sehr, sehr spezifisch über den Alltag auch reden, weil man sich halt nicht immer so sieht und weil man sich auch zurückziehen muss, um die Arbeit in der Zeit zu schaffen und das haben wir in der Werkstatt sehr erfolgreich mit unserem Team Targetboard gemacht. Da haben wir ein digitales Board eingeführt, wo die Mitarbeitenden per App auch ihre Themen drauf senden können und da reden wir über Kundenzufriedenheit, über Kennzahlen und das geht, das dauert fünf Minuten dreimal die Woche und alle Menschen sind einigermaßen informiert und können sich auch über vielleicht Besonderheiten in den Schichtplänen etc. austauschen und das war aber notwendig, dass wir die Kommunikation so professionell kanalisieren und dass das auch Menschen moderieren, die das können und dies auch attraktiv moderieren, dass am Ende des Tages ein Ergebnis daraus kommt. Also Kommunikation hat dabei eine ganz, ganz große Rolle gespielt und wir mussten natürlich auch Verständnis dafür haben, dass es einige Menschen gibt, für die das einfach nichts ist, die sind vielleicht gerade in einer Lebenssituation, die es nicht hergibt, für die ist es noch mehr Stress und da haben wir auch ganz offen drüber gesprochen und da bin ich dann auch fein mit, weil die haben sich da ja auch zu reflektiert und haben dann ja auch gesagt, okay, für mich geht das nicht Philipp, lass uns da bitte drüber sprechen und das ist auch in Ordnung für uns. Okay, jetzt seid ihr knapp zwei Jahre in dem System. Über zwei Jahre jetzt schon. Knapp über zwei Jahre habt ihr das so umgestellt und jetzt habt ihr natürlich eure Erfahrung gesammelt und im Vorgespräch sagtest du auch, lass jetzt nicht nur hier Arme hoch, wie geil das ist, sondern Licht und Schatten. Was würdest du, wenn du das so spontan vor dem inneren Auge passieren lässt, sagen, wie ist deine, wie ist eure Erfahrung damit? Die Erfahrung ist grundsätzlich erstmal positiv, weil wir uns getraut haben, das zu machen. Wir haben, wenn man mal nur auf die Ergebnisse guckt und wir sagen, das ist nicht alles, wir sagen im Grunde, das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile und wenn wir aber nur auf die Ergebnisse schauen, haben wir mehr Umsatz gemacht, trotz weniger Arbeitszeit. Vorrangig gilt es für den Vertrieb, weil die gelernt haben, wirklich über digitale Tools, über ein professionelles Lead-Management ihre Anwesenheit wirklich sehr effizient zu nutzen und im After-Sales-Bereich hatte ich schon angedeutet, das Thema Kommunikation und Kundenströme ist natürlich eine Riesenherausforderung gewesen. Gerade die Übergabe, wenn ein Kollege montags nicht da ist und der andere ist freitags nicht da, war wirklich eine große Herausforderung. Da haben wir auch viel Lehrgeld bezahlt, weil der Service-Bereich sich dann ein Stück weit auch runter geplant hat, um sich zu schützen und da mussten wir natürlich gegensteuern und haben jetzt auch Schwerpunkte gesetzt, dass wir montags eine stärkere Besetzung haben wollen als freitags. Freitags machen wir viel mit internen Arbeiten und dass wir eben diese Power von Montag bis Donnerstag auf die Straße kriegen, weil ganz viele in den Teams haben auch gesagt, es ist total schwierig Termine zu finden, wenn nur Dienstag bis Donnerstag die volle Mannschaft da ist und das führt schon zu Herausforderungen. Wir haben dann auch so Weeklys eingeführt, dass wir die weitestgehend über Teams machen und uns nicht mehr persönlich sehen. Das hat auch schon viel geholfen, aber jetzt speziell nochmal zum Werkstatt-Bereich, da braucht man wirklich hohes Engagement des Teams, dass das funktioniert, weil da sind viel zu viele Fallstricke, wo man dann auch Kundenbeziehungen beschädigen kann. Zum Beispiel, wenn man sagt, der Kunde ruft an, der möchte einen Termin, der hat es vielleicht auch eilig und man sagt dann, der Kollege, den er seit zehn Jahren kennt, der ist nicht da, der hat die vier Tage Woche. Also das waren so Erfahrungen, das kommt natürlich überhaupt nicht gut an beim Kunden. Das ist ja nicht mein Problem. Ja, genau und die haben es nicht mehr nötig so ungefähr. Da kommt natürlich schnell auch wieder so eine Polemik auf und da mussten wir sehr, sehr sensibel mit den Menschen umgehen und ich hatte ja auch gesagt, Kommunikation, man braucht auch Menschen, die das können, die Kommunikation als Orientierung auch führen können und wir haben ganz viel auch in das Thema Kompetenzentwicklung gesteckt, damit die Menschen lernen, Dinge besprechbar zu machen, sagen wir immer und so ein bisschen auch den Druck da rauszunehmen, dass man sagt, wir brauchen eine Lösung, wir brauchen nicht nur die Probleme. Ja, du, Kommunikation, das klingt immer so einfach, aber Kommunikation und Menschen, das muss nicht immer matchen, ne? Nein, vor allen Dingen lassen wir ja auch viele Menschen einfach unkontrolliert mit ihrer Kommunikation aufeinander los. Das habe ich beim letzten Forum auch gesagt, da mussten einige auch schmunzeln, weil es da eben, ja weil es halt so frei Schnauze ist oftmals und wir haben ganz, ganz viel gelernt zu dem Thema Vorfahrtsregeln der Kommunikation innerhalb eines Unternehmens. Okay, okay, hast du sonst noch was, wo du sagst so, hm, boah, das ist echt schwierig? Ja, was auch richtig schwierig ist, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die das einfach nicht wollen und die das aber auch nicht so offen sagen. Also es gibt ja tatsächlich auch Menschen, die sind so stille Verweigerer, die hat man auch in einer Organisation und das herauszufinden, das ist wirklich schon schwierig und das sorgt auch für Unruhe innerhalb des Betriebes und damit muss man halt auch klarkommen, dass es diese Menschen nun mal gibt und dass die auch ein Stück weit, man darf das nicht immer nur so negativ sehen, die haben ja vielleicht auch Ängste und bewahren etwas, was sich über Jahre hinweg etabliert hat, die sprechen da halt nur nicht so offen drüber und das war auch eine große Herausforderung und wir haben nach wie vor auch Menschen, die sich davon nichts annehmen und das war auch ein negativer Punkt. Wir haben auch ein paar Menschen verloren, auf diesem Weg, die sich das nicht vorstellen konnten, diesen Weg mit uns mitzugehen. Also da sind, kann ich sagen, das sind zwei Menschen, die über 20 Jahre bei uns waren, die unser Unternehmen verlassen haben oder verlassen mussten, kann man jetzt sagen, wie man will, aber wo wir uns in die Augen geguckt haben und gesagt haben, okay, das ist jetzt Wir kommen so nicht weiter. Es wird nicht funktionieren und das ist auch diese dunkle Seite, wenn man so eine fundamentale Veränderung vornimmt, dass nicht alle Juhu schreien und sich dann nicht alle mitkommitten können. Im Umkehrschluss, was hat das mit eurer Arbeitgebermarke im Positiven gemacht? Im Positiven, dass wir viele tolle neue Menschen gewonnen haben, die bewusst aufgrund unserer Kultur zu uns gekommen sind, die es auch explizit ausgesprochen haben und gesagt haben, ich beobachte Markkörper jetzt schon längere Zeit hier in der Region und jetzt ist wirklich für mich der Zeitpunkt gekommen, dass ich diesen Schritt gehe und da sind auch wirklich ein paar Hochkaräter dabei, die auch eben über 15 Jahre, über 20 Jahre bei einem Arbeitgeber waren und die gesagt haben, das ist Grund genug für mich, diesen Schritt tatsächlich zu gehen. Das ist dann die sonnige Seite der Medaille, wenn man so will. Das ist so, ja. Schöner Effekt. Wenn wir jetzt ein bisschen Blick aus dem Rückspiegel raus und das Fernlicht anmachen und in die Zukunft schauen, jetzt auf Basis eurer langen Historie und der Erfahrung in der Vergangenheit, ist dieses Modell der Schlüssel für euer oder für alle Autohäuser der Branche in der Zukunft? Nein, auf gar keinen Fall. Also ich sage ganz klar, es braucht mehr als nur ein Arbeitszeitmodell. Die Viertagewoche ist mittlerweile ja schon auch ein Stück weit negativ angehaucht und ein bisschen belastet. Es gibt Menschen, die differenzieren oder die distanzieren sich auch aktiv davon. Und ich sage einfach nur, wir brauchen flexible und bereichsindividuelle Arbeitszeitmodelle, sodass für jeden, was dabei ist, wir brauchen eine Employer-Branding-Strategie, dass jeder weiß, was will ich und was will ich nicht. Also dass ich einfach sage, ich agiere und reagiere nicht nur auf den Arbeitsmarkt. Und wir brauchen auf jeden Fall gute Führungskräfte, die auf diese Herausforderungen, die unsere Welt mit sich bringt, einfach auch aktiv reagieren können und dass sie damit tatsächlich auch umgehen können. Da sehe ich auch bei uns in der Branche noch Potenzial nach oben, sage ich mal, weil wir uns auf das rudimentäre Geschäft oft beziehen, aber auf das, was an Menschen auf uns zukommt und an Erwartungen und mit dem Fachkräftemangel gepaart, da tut es gut. Also viel über Kommunikation und Orientierung von Führung auch nochmal vielleicht mitzunehmen. Okay. Ja, war ja natürlich jetzt auch in der Frage so intoniert. Ist es der Schlüssel für euch oder die Häuser oder alle in der Branche? Das ist natürlich auch ein mega Unterschied und jedes Unternehmen ist unterschiedlich. Und was du aber schön auf den Punkt gebracht hast, was ich auch immer sehe, ist, auch auf so Events wie der More-Konferenz oder welchen Konferenzen auch immer, es ist ja häufig sehr faktisch, Sales getrieben, Zahlen getrieben, Prozess orientiert, la la la. Aber an jedem Sale, an jedem Prozess hängen Menschen und zwar auf beiden Seiten, also im Angebot und in der Nachfrage. Und da ist diese Kommunikation und Kultur natürlich so eminent wichtig. Und da gibt es noch Potenzial. Das würde ich jetzt hier so auch unterschreiben. Ja. Okay, jetzt werden wir nochmal ein bisschen allgemeiner, weil wenn ich hier schon die Möglichkeit habe, mit dir exklusiv ein bisschen Zeit zu verbringen, dann würde mich auch ein, zwei andere Fragen noch interessieren. So der Autohandel, im Grunde jedes Jahr ist ja irgendwas, da ist ja nie Ruhe drin, auf Deutsch gesagt. Es ist anspruchsvoll, jedes Jahr kommt noch was und jedes Jahr sagt man wieder, meine Güte, dieses Jahr ist aber wieder, hast du keine Pandemie, sind keine Chips da und so weiter und so fort. Oder ich nenne es auch agil wie nie. Was glaubst du, wohin entwickelt sich denn der stationäre Autohandel in den nächsten Jahren so, mit all den Einflüssen? Ich habe natürlich ein großes Interesse, dass der stationäre Autohandel weiterhin auch die Relevanz hat, die er heute noch hat. Ich gehe aber auch davon aus, dass es auch so bleiben wird. Es wird sich natürlich verändern, ja. Aber unsere jahrelange Nähe zum Kunden und dass der Kunde eben auch entscheidet, wo will ich denn bitte meine Dienstleistung, meine Ware eben konsumieren, in Anspruch nehmen, das kann man nicht einfach wegdiskutieren. Und das haben ja auch viele Hersteller tatsächlich schon gemerkt, als sie mit dem Direktvertrieb und Agenturmodellen um die Ecke gekommen sind. Zum einen muss das alles finanziert werden und zum anderen braucht man eben auch Menschen mit dem passenden Know-how. Und da bin ich nach wie vor von unserer Branche auch überzeugt, dass wir als stationärer Handel da weiterhin mit von der Partie sein werden. Die Branche hat tolle Menschen. Also ich fühle mich da so wohl, das ist eine große Familie, das ist immer wieder fantastisch. Und mir ist gerade eine Sache durch den Kopf gegangen. Ich habe letztens in einem Workshop mit einem Kunden, haben wir so einen Blick in die Zukunft irgendwie gemacht. Und um das nicht so einfach so ein paar Phrasen dreschen und jeder soll mal seine Meinung sagen, habe ich einfach mit KI das auch mal bebildert. Und da kamen so Bilder raus wie Autohäuser in urbanen Umgebungen, aber komplett offen und dann noch irgendwie einen Wald oben drauf gepflanzt. Und wow, und im Showroom VR-Brillen, sind da Hologramme von Fahrzeugen, sind da noch physische Fahrzeuge, all sowas. Da wird schon echt was passieren, gehe ich von aus, weil die Technologie auch einfach uns im positiven Sinne treibt und Möglichkeiten erschafft. Aber nichtsdestotrotz, es wird nachher, also in all diesen generierten, es waren so sechs oder sieben Thesen, in all den Thesen waren immer Menschen zu sehen. Das ist das Wichtige dabei. Dem kann ich nur zustimmen. Und wenn es uns im Handel gelingt, intelligente, KI-orientierte Lösungen zu finden, um der Kostensituation gegenüber zu treten, dann glaube ich ganz stark an uns. Und dann partizipieren wir und dann partizipiert auch der Kunde davon. Okay, vielen Dank bis hierhin. Jetzt kommen wir zu der klassischen Abschlussfrage. Die ist seit Jahren irgendwie unverändert und zum Teil habe ich die irgendwann mal ein bisschen rausgenommen. Da habe ich von dem einen oder anderen ein bisschen Schelte gekriegt, weil die da doch irgendwie neugierig sind. Letztens habe ich jemanden, ich habe letztens den Volker Tolksdorf hier im Talk gehabt. Und der Podcast, den er macht, der hat auch immer eine Abschlussfrage. Und da habe ich den Volker so wunderbar, so Volker, jetzt kommen wir mal zur Abschlussfrage. Und dann wusste er genau, was kommt. Ich habe ihm aber seine eigenen Gedanken gestellt. Dann hat er so, okay, okay, habe ich mich ein bisschen überrascht. Das war ganz, das war ganz nett. Liebe Grüße an Volker. Also der Klassiker. Wann sitzt du das erste Mal in einem komplett autonomen Auto? Am besten, du rufst dir das über eine App. Das Fahrzeug fährt vor, du steigst ein, fährst zur Arbeit oder machst irgendwas in der Freizeit und achtest von vorne bis hinten nicht auf den Verkehr. In Deutschland. Das muss man auch vielleicht noch hinzunehmen. Ja, ja, ich kenne ja, ich kenne ja meine Gäste inzwischen. Die suchen ja jede Ausfahrt, um das irgendwie anders zu beantworten. Aber nee, nee, ich will das hier in Deutschland ganz gerne wissen von dir. Ja, also ich habe natürlich keine Glaskugel, aber ich habe momentan ein interessantes Buch, was ich lese. Das heißt 2034 und dieses Buch haben 32 intelligente Zukunftsforscher geschrieben und haben einfach mal versucht darzustellen, wie unsere Welt in zehn Jahren ausschaut. Und deswegen ist das jetzt meine Antwort. 2034 ist es aus meiner Sicht realistisch, dass wir dieses Szenario erleben können. Und ich würde es auch sehr begrüßen, wenn ich einfach auch da meine Zeit effizienter nutzen könnte, um andere Dinge, vielleicht ein Buch zu lesen oder andere Dinge zu tun während der Fahrt. Du wirst mit deinen Kids eine gute Zeit haben, wenn du irgendwo in der Freizeit unterwegs bist, ne? Das wäre auch fein, ja. Würden wir nehmen. Ja, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und meine Fragen hier alle beantwortet hast, weil das einfach, es hat mich persönlich sehr, sehr gereizt, sehr gereizt darüber zu sprechen. Und du wirst ja auch in den letzten anderthalb Jahren, überall, wo das Thema irgendwie aufgepoppt ist, wird ja jeder gesagt haben, sei es, erzähl doch mal, ne? Also von daher, vielen lieben Dank und dann sind wir hier mit dem Podcast hier für dieses Mal auch durch. Und vielen Dank, dass ihr zugehört habt, wo auch immer ihr seid und wenn ihr auf der Autobahn seid, immer schön aufpassen und wir hören uns demnächst wieder. Die nächste Folge, die kann ich schon absehen, die wird extrem spannend. Aber mehr verrate ich noch nicht. Von daher, Philipp, ich verabschiede mich und der Philipp verabschiedet sich auch. Ich sage tschau, ich bin raus und der Philipp sagt, tschau, ich bin auch raus, danke.


Diese Episode ist Teil des Podcasts Benzingespräche von Tim Klötzing.