Einleitung
In der neuesten Episode von ‚Benzingespräche‘ spricht Tim Klötzing mit Nikola Deskovic, CEO und Investor bei Instamotion Retail GmbH. Deskovic teilt seine faszinierende Reise vom Bauingenieur zum digitalen Autounternehmer und gibt Einblicke in die Zukunft der Automobilbranche.
Von Split nach München: Ein ungewöhnlicher Karriereweg
Nikola Deskovic, geboren 1964 in Split, begann seine Karriere als Bauingenieur. Trotz familiärer Tradition im Bauwesen zog es ihn nach seinem Studium an der Universität Split und dem MIT in die Beratungswelt von McKinsey. Hier entwickelte er seine Leidenschaft für die Automobilbranche und digitale Innovationen.
Die Geburtsstunde von AutoScout24
Während seiner Zeit bei McKinsey erkannte Deskovic das Potenzial des Internets zur Digitalisierung von Printanzeigen. Gemeinsam mit Kollegen gründete er AutoScout24, einen der ersten digitalen Marktplätze für Autos in Deutschland. Diese Plattform revolutionierte die Art und Weise, wie Menschen Autos kaufen und verkaufen.
Instamotion: Die nächste Evolutionsstufe
Seit 2019 ist Deskovic als CEO bei Instamotion tätig, einem Unternehmen, das den Autokaufprozess weiter digitalisiert. Instamotion bietet eine nahtlose Online-Plattform, die den gesamten Kaufprozess von der Suche bis zur Finanzierung abdeckt. Deskovic sieht hierin die Zukunft des Autohandels.
Die Bedeutung der Digitalisierung in der Automobilbranche
Deskovic betont die Notwendigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Technologien zu integrieren. Die Digitalisierung bietet immense Möglichkeiten, Effizienz zu steigern und Kundenerfahrungen zu verbessern. Unternehmen, die diesen Wandel nicht mitgehen, riskieren, den Anschluss zu verlieren.
Fazit
Nikola Deskovic ist ein Paradebeispiel dafür, wie man durch Mut zur Veränderung und Innovationsgeist die Automobilbranche nachhaltig prägen kann. Sein Werdegang zeigt, dass die Digitalisierung nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem eine Chance für die Zukunft darstellt.
Show Notes & Key Takeaways
Themen:
- Karriereweg von Nikola Deskovic
- Gründung und Erfolg von AutoScout24
- Digitale Transformation im Autohandel
- Instamotion und die Zukunft des Autokaufs
- Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung
Key Takeaways:
- Der Wechsel von traditionellem Ingenieurwesen zu digitalem Unternehmertum
- Die Bedeutung von Netzwerken und Partnerschaften
- Wie digitale Plattformen den Autohandel verändern
- Die Rolle von Innovation und Anpassungsfähigkeit
- Die Zukunftsperspektiven der Automobilbranche
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Benzingespräche – der Personality- und Branchenpodcast der deutschen Automobilwirtschaft. Der Podcast führt mit Menschen aus der deutschen Automobilbranche, die etwas zu sagen haben. Wir teilen die Liebe zum Automobil in persönlichen Erfolgsstories, die es wert sind, erzählt zu werden. Es geht um neue und verschiedene Blickwinkel auf die Autobranche und persönliche Meinungen zukünftiger Geschäftsmodelle und Mobilitätskonzepte. Vom prüfenden Blick in den Rückspiegel bis zur spannenden Aussicht mit Fernlicht in die mobile Zukunft. Ich bin Tim Klötzing, Experte der deutschen Autobranche, Online-Marketing-Spezialist, Unternehmercoach und Agenturinhaber. Kurzer Boxenstopp bei meinem Partner Autoscout24. Mit Autoscout24 machen Sie Ihr Autohaus fit für die Zukunft. Profitieren Sie beim Innovationsführer vom Marktplatz der Zukunft und steigern Sie Ihre Verkäufe. Autoscout24 – einfach ein starker Partner. Herzlich willkommen zurück bei meinem Podcast Benzingespräche. Und heute zu Gast Nikola Deskovic, CEO und Investor bei der Instamotion Retail GmbH. Hallo Niko. Hallo lieber Tim, vielen Dank für die Einladung. Sehr, sehr gerne. Ich freue mich so sehr, dass das klappt, weil Niko uns brachte einen Freund zusammen mit den Worten, ihr müsst euch mal unterhalten. Und in der Tat, das tun wir jetzt. Und da geht ein ganz kleines großes Danke an Philipp K. aus Norddeutschland raus. Wahrscheinlich weiß er, wer gemeint ist und die anderen auch. Ja, das war durchaus illuster. Philipp hatte mal einen Termin mit dir, hat sich mit dir ein bisschen unterhalten. Und genau danach habe ich ihn auch getroffen. Der sagte, Mensch, ich hatte gerade einen Termin. Das war so interessant mit dem zu sprechen. Das war vor zwei, drei Monaten in München, glaube ich. Ja, richtig, richtig. Genau. Aber ich muss dazu auch hinzufügen, es ging ja auch in die andere Richtung. Meine PR-Kollegin hier hat auch gesagt, Mensch, da gibt es diesen Benzintalk und kannst du nicht mal irgendwie diesen Tim Klötzing heraussuchen und finden. Und es wäre doch cool, dass wir da mit denen was machen. Und ich habe gesagt, ja, dann haben sich irgendwie zwei Welten auf einmal zusammengetroffen. Es hat gut zusammengepasst. Ja, super. Das ist lustig, wenn es dann von beiden Seiten so Anlauf nimmt irgendwie. Ja. Und dann haben wir Kontakt aufgenommen. Wir haben auch sehr schnell direkt den Hörer hochgenommen und uns unterhalten. Auch gemerkt so, wow, es ist echt geil, dass wir mal sprechen. Wir steigen mal ein. Und zwar gehen wir wieder erstmal mit dem Blick in den Rückspiegel zu deinem Werdegang. Du bist im Baujahr 1964. Du bist verheiratet, hast drei Kinder. Du lebst in München, bist aber gebürtig aus Split. Du hast ein Studium zum Bauingenieur, also zum Doktor gemacht, in Split gestartet. Dann weiter in, jetzt kommt mein Lieblingswort, Massachusetts am MIT weitergemacht und dann nochmal in Split vollendet von 1983 bis 1993. Danach bist du zu McKinsey gegangen als Senior Engagement Manager 1994 bis 1998. Und danach, da wurde es ja so ein bisschen relevant auch hier für unser Gespräch, ging es los mit AutoScout24 als CEO und Founder. Das war 1998 und da warst du bis 2011. Warst aber auch gleichzeitig noch bei der Scout24 Group Mitglied des Corporate Boards von 2005 bis auch bis 2011. Und dann wird es auch wieder interessant. Du bist Geschäftsführer von verschiedenen anderen Unternehmen. Da kommen wir gleich auch nochmal hier und da ein bisschen drauf zu sprechen. Betamax, Ride, Tribescale, Adriatic Home und dann hast du mir noch ETC dahinter geschrieben. Die Liste scheint noch länger zu sein. Interessant. Was aber wiederum dann jetzt so für die Autobranche, für unsere Hörer interessant wird. Instamotion, da bist du auch Investor und CEO seit 2019 und halt bis heute und weiterhin aktiv. Das so zu deinem Lebenslauf. Da hat sich mir eine spontane Frage aufgedrängt mit dem Blick auf deinen Lebenslauf. Doktor Bauingenieur im Bereich Konstruktion und innovative Materialien. Consulting bei McKinsey. Autounternehmer und dann noch andere Unternehmungen. Sag mal, wird dir eigentlich schnell langweilig? Und wie kam es eigentlich vom Bauingenieur zum, ich nenne das mal, digitalen Autounternehmer? Ja, das ist gut herausgearbeitet und die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Aber vielleicht, wenn ich mich so zurückerinnere, warum bin ich Bauingenieur geworden? Die Frage ist leicht zu beantworten. Mein Vater war ein großer Bauingenieur, mein Vater war Bauingenieur, mein neunjähriger Bruder Bauingenieur. Also was wurde ich? Kein Schuster. Somit war das für mich selbstverständlich. Und ich habe mich sehr bald mit diesem Bauingenieurwesen als solchen nach dem Studium auch nicht ganz wohl gefühlt. Ich brauchte irgendwie mehr. Dieses reine Ingenieurwesen hat mir nicht gereicht. Und dann öffnet sich die Tür, um in die USA zu gehen. Ich hatte ein Stipendium bekommen vom MIT. Das war eine riesen Sache für mich, aus dem kleinen Split damals noch Jugoslawien in die USA zu gehen. Das war wie eine neue Welt, eine Mondlandung eigentlich für mich. Ich habe dort Bauwesen weiter studiert, aber in der Zeit dort habe ich gesehen, dass es durchaus andere Sachen gibt. Und was dort so besonders war, war einfach dieses Eintauchen in eine neue Art des Lernens. Alles digitalisiert. Jeder hatte einen riesen Computer. Wir hatten so Computerräume, wo man sich die Hausaufgaben rausholen konnte. Da waren sozusagen die ersten Berührungen. Und das war dort noch in so 1991, 1992. Die Zeit, wo das in Europa noch lange nicht der Fall war. Da gab es auch noch kein Microsoft, da gab es auch noch kein Apple. Das war noch die Zeit davor. Und das war so ein bisschen prägend. Aber ich hatte da auch noch nicht richtig gewusst, was eigentlich mein Werdegang sein sollte. Wo sollte ich hin? Und als ich mit dem Doktor fertig war, nach vier Jahren, hat sich eben die Sache so entwickelt, dass ich im letzten Jahr meines Doktorstudiums auch an der Sloan School, es gibt die MIT, das ist die Engineering School und Sloan School, das ist die MBA Schule vom MIT. Und dort konnte man auch Kurse an der Harvard Business School nehmen. Und dort habe ich dann mehrere Kurse gehört und mir hat das auch alles gefallen. Also diese Verbindung des Know-hows, was man in dem Ingenieurbereich gelernt hat, anzuwenden im unternehmerischen Bereich und auch im wirtschaftlichen Bereich. Und diese Kombination hat mich dann zu McKinsey gebracht. Die haben dort rekrutiert. Ich habe mich beworben und das brachte mich dann nach Deutschland. Und dann habe ich hier sozusagen ein zweites Mal den Sprung ins kalte Wasser von einem Ingenieurstudium in eine sehr anspruchsvolle und herausfordernde Umgebung bei McKinsey gefunden, die mir aber auch sehr, sehr viel Spaß gemacht hat und ich da extrem viel lernen konnte. Das war für mich auch immer wichtig. In jedem dieser Schritte musste eine Komponente sein, wo etwas Neues da war, wo etwas, was ich bis dahin, also nicht das praktizieren, was ich schon kannte, sondern etwas Neues lernen, was es noch nicht gab und was für mich ganz neu war. Und das hat mich immer inspiriert und so auch McKinsey. Und dann innerhalb der McKinsey, da habe ich ja sehr viel in der Auto- und Elektronikbranche beraten und unterstützt, hat sich eben aus dem Netzwerk der Kollegen, das waren alles tolle Leute, alles phänomenale Freunde bis heute, mit denen man sich die Abendstunden um die Ohren gehauen hat, während man irgendwelche Präsentationen für die Klienten gemacht hat, die Idee entwickelt, etwas zu machen, etwas Neues zu machen, ein Start-up zu gründen. Und unsere Idee war, diese uneffizienten und bis dahin nicht wirklich funktionierenden Marktplätze, die gedruckten Marktplätze aus den Tageszeitungen zu digitalisieren. Das war die grundlegende Idee und somit sind wir dann gestartet. Die Anfangsfirma hieß noch Master Netz, darunter gab es die Master Car, Master Home, Master Travel und so weiter. Das haben wir gegründet, das war so parallel zu McKinsey. Ich habe noch bei McKinsey gearbeitet, mein anderer Partner, der war schon raus. Und dann haben wir das irgendwie so ein Jahr parallel gemacht und dann war es klar, da geht es jetzt ab und haben dann die ersten Investments bekommen. Und so entstand dann aus dieser Master Netz später die Autoscom. Kannst du dich noch daran erinnern, an die ursächliche Idee, Printanzeigen in der Masse zu digitalisieren und ins Internet zu stellen? Weißt du noch, wie das kam? Also hast du irgendwas gesehen und dann so, meine Güte, das kann doch nicht sein, das ist immer noch auf Papier gedruckt, das muss doch ins Internet oder weißt du es noch? Ja, wir haben uns da viele Sachen angeschaut, welche zu dem Zeitpunkt relevant waren. Die ganz ursprüngliche Idee kam eigentlich von einem anderen Kollegen, auch bei McKinsey, der später auch super erfolgreich wurde und in den USA ein Riesenbusiness aufgebaut hat. Wir wollten eigentlich den Altunternehmen, die Unternehmen hatten in Deutschland, helfen, junge Nachfolger für ihre Unternehmen zu finden. Es gab ungefähr 300.000 Unternehmen in Deutschland, Mittelstand, die eine Nachfolge gesucht haben. Diese Information hatten wir aus unserem McKinsey-Netzwerk und wir wollten eine Plattform haben, wo man sozusagen sein Unternehmen dort platzieren konnte. Sagen, hey, das ist das Unternehmen, so groß, so viel Umsatz, so viel Mitarbeit, und Nachfolger wird gesucht und wer kann es machen? Das war die Ursprünglichkeit, aber dann war das doch schwierig und so haben wir gesagt, was ist denn nahe dem und dann kamen wir natürlich auf die Thematik Autos. Wir haben alle ein bisschen stärker in der Automobilbranche beraten und gesagt, hey, Autos, das ist doch jedermanns Sache. Es musste etwas sein, was viele Menschen befriedigt und somit war das Thema Auto eigentlich im Fokus. Da aber dieses Ansatz, Classified zu produzieren, nicht nur auf Auto, hat beruhend sich können, haben wir dann gesagt, ja, wir müssen auch in Immobilien gehen und dann haben wir eine andere Gruppe gefunden, die das gleiche hatte und dann sind wir mit denen zusammengegangen und so ist dann die Scout-Gruppe entstanden. Ja, spannend. Du hast hier und da bei der Antwort schon meine nächste Frage gestriffen. Trotzdem will ich noch ein bisschen näher drankommen, wie das gelaufen ist. Anfang der 1990er Jahre, als du noch am MIT warst, da hattest du quasi schon die ersten Auseinandersetzungen mit digitalen Tools oder hast dich damit auseinandergesetzt und die auch eingesetzt und dann bei McKinsey 1997, da entstand dann effektiv die Idee, dieses damals noch einigermaßen junge Internet wirklich als Chance für die Digitalisierung von den Printanzeigen zu nutzen, richtig? Das war dann schon so der Punkt, das hat sich so entwickelt, ne? Das ist genau so. Wir haben gesehen, dass damals war dieses Internet ja noch eigentlich nicht präsent. Wer sich daran noch erinnert, AOL hatte damals so Kampagnen gestartet mit Boris Becker, bist du schon drin? Und das war die Zeit 98 und wir waren davor. Also das Internet gab es eigentlich als solches nicht, aber man konnte so langsam mit ganz langsamen Modems sich vernetzen und zugreifen auf allgemeine Informationen, die zur Verfügung standen. Da gab es noch Teletext und solche Geschichten. Und wir haben gesagt, hey, das mit dieser Technologie, und die war mir ja schon bekannt aus USA, weil wir haben eigentlich diese, das war ein Intranet am MIT, also nicht Internet, sondern Intranet nur für die MIT Community, Schüler und Professoren und dort hat das wunderbar funktioniert. Wir haben da Hausaufgaben verteilt und so weiter. Das hat sich angeboten, dass man sagt, hey, das müssten wir jetzt schaffen, aber für eine andere Nutzung, nämlich das mühsame Suchen nach dem Auto. Und wir hatten all die Vorteile, die man sich nur denken könnte. Wir konnten viel mehr Volumen schaffen. Die Anzeigen konnten viel detaillierter beschrieben werden. Du konntest viel besser und schneller suchen. Du konntest es eingrenzen. Also du hast dir Zeit gespart, hast einen viel besseren Überblick bekommen, was eigentlich überhaupt angeboten wird und konntest vergleichen. Und das lag so auf der Hand. Das war so offensichtlich, dass das funktionieren muss. Aber es gab natürlich schon Hürden auf der Strecke, wie man eigentlich in die Masse kommt. Ja, was muss man da zu tun? Und das hat uns dann am Anfang sehr beschäftigt. Und da waren wir uns natürlich noch unsicher, ob und wie wir das schaffen. Aber dass es so ein Service geben muss, das war klar. Da hast du natürlich wirklich, ich nenne das jetzt mal, ein geiles Timing gehabt, zu der Zeit am MIT zu sein. Ja, das war Zufall. Da muss man auch noch sagen, in der Zeit war eine Brand, die es heute eigentlich gar nicht mehr gibt. Yahoo hat in den USA gestartet. Das war so ein bisschen so der Fall wie Facebook. Ja, aus Zufall ist man dazu gekommen, einen tollen Service, einen tollen Nutzen zu schaffen, wo ein paar Schüler versucht haben, irgendwie eine Liste zu machen von Sachen, die sie für wichtig halten. Und dann haben sie die verteilen wollen an andere. Plötzlich haben das Tausende gelesen. Und so entstand Yahoo als eigentlich ein Katalog von Informationen, die allen zugänglich waren. Und die haben es geschafft. Also in 97 war Yahoo schon ziemlich groß und bedeutend in den USA. Und das war auch so ein bisschen der Wegweiser für uns, sich da in die Richtung hineinzudenken. Ja, sehr spannend. Dann habt ihr ja quasi so richtig als Startup begonnen. Ohne große Mittel, wenig Gehalt bis keinem Gehalt möglicherweise, aber mit einer Vision. Ist das richtig? Ja, die Vision war klar da. Also wir hatten von Anfang an gesagt, hey, es muss eine Brand geben. Ja, das war für uns damals die Masternetz, die später dann zur Scout wurde. Oder Scout24 besser gesagt. Es gibt auch einen Grund, warum es nicht Scout und Scout24 war. Aber das kann ich gleich noch sagen. Und die Vision war, dass wir unter dieser Dachmarke dann die einzelnen Verticals, also die Bereiche Auto, Immobilien, Reisen, Finanzen, wir hatten sogar Ideen über Kunst und Freunde und so das zu bauen. Die ist daraus entstanden. Wir sagen eigentlich ist es die gleiche Technologie, eine gleiche Plattform. Der Kundennutzen, das Lösen eines notwendigen Kundenbedürfnisses und der Frage, wie kann man mich unterstützen bei wichtigen Lebensentscheidungen. Haus, Auto, Freund, Freundin, große Finanzierung. Das waren eigentlich die Themen. Und somit haben wir gesagt, ja, das müssen wir tun. Aber wir hatten keine Mittel. Wir haben ein bisschen was gespart durch die Zeit, vier, fünf Jahre bei McKinsey. Da konnte man ein bisschen was zur Seite legen. Aber wenn man dann anfängt, hier wirklich Geschäfte aufzubauen, ist alles private Vermögen, natürlich Peanuts. Und vor allem, wenn man anfängt, eine Brand aufzustellen, ging das gar nicht. Und wir hatten damals das Glück, dass wir durch einen Kontakt zu dem Gründer von der Metro, dem Beisheim und seiner Holding in der Schweiz gekommen sind. Und über den haben wir dann wirklich ein sehr großes Investment bekommen, dreistellig in D-Mark damals, in 99. Und der hat uns verholfen, eigentlich dann die Größe, die Brand zum Autoscout, der Immobilien-Scout und insgesamt der Scout-Gruppe herzustellen und dann das zu schaffen, wovon heute die Autoscout nach wie vor lebt. Ja, das ist ja das Investment, das wir von 20 Jahren haben. …gemacht haben, ist das, was heute Autoscout tatsächlich nach wie vor ihre Kundschaft bringt. Dieses Top-of-Mind, dass alle das kennen, weil sie so viele Jahre das schon im Hinterkopf haben. Ja, sehr spannend. Also so entstand dann quasi die Scout-Gruppe oder Scout24, wobei du dich dann schon von Beginn an oder auf das Thema Automobil konzentriert hast und dann Autoscout24 dann entstanden ist? Ja, es gab auch einen Grund. Also die Scout-Gruppe ist entstanden durch, wenn man so will, den Zusammenschluss aus unserer Aktivität Masternetz und einer anderen Gruppe in Berlin, die Immobilienscout gemacht hat, allerdings nicht mit Internet, sondern mit Telefonservice. Du kommst da anrufen und hast so einen Fax gekriegt mit den Anzeigen, die für dich relevant waren. Und wir sind dann zusammengegangen und gemeinsam haben wir eben diese Mittel vom Beisheim und ihn überzeugen können. Und diese Leute haben dann Immobilienscout weitergemacht und wir haben in München das Thema Auto weitergemacht. Und da kommt jetzt auch der Schnunzler zu dem Namen. Wir wollten uns ursprünglich Autoscout nennen, aber es gab schon den Schulranzenscout. Und da gab es einen Brand-Konflikt. Und um dem aus dem Weg zu gehen, haben wir dann die 24 angehängt, damit das wirklich getrennt ist. Und so wurde dann aus der Scout, Scout24, und aus Autoscout, Autoscout24, Immobilienscout, Immobilienscout24. Ah, interessant. Also hat es wirklich damit zu tun? Ja. Das ist ja lustig. Ja. Ja, weil es nicht alles gibt. Ja, aber wenn man darüber nachdenkt, macht es Sinn. Klar. Dann habt ihr ein Investment gehabt. Wie nahm denn dann dieses neue Geschäftsmodell wirklich Fahrt auf? Nicht nur rein durch ein Investment, sondern da muss ja was passieren. Das Entscheidende war Nachfrage und Angebot. So, die Nachfrage konnte man sich einkaufen, das Angebot natürlich nicht. Das Angebot musste man sich erarbeiten. Und das zu erarbeiten war eine mühsame Geschichte. Am Anfang wollten eigentlich die Händler, das war ja eigentlich die Quelle von den Autos, die wir uns vorgenommen haben, die Autos nicht hergeben. Wozu, verstehe ich nicht, Internet, was soll das? Dann kann ja jeder meine Autos sehen. Also das waren natürlich Ängste, die verständlich waren, weil es ein komplett neues Medium war, das keiner kannte. Und keiner auch absehen konnte, was sich daraus entwickeln würde. Die Leute haben gesagt, ja, das wird ja dann gehackt und dann werden meine Autos von jemand anders gekauft. Und ich weiß das gar nicht. Also ganz legitime Themen, die damals vorkamen. Und wir haben uns am Anfang natürlich sehr schwer getan und haben aber zum Glück so schwer getan, dass unsere Familienmitglieder geholfen haben, Händler anzurufen, um die zu überzeugen, uns die Autos zu geben. Und da gab es auch eine schicke Anekdote. Die Händler hatten ja die Autos nicht digital. Die haben die Autos, wenn dann, auf irgendwelchen Listen, Papierlisten bei sich gehabt. Und wir mussten die abholen. Aber das war dann auch irgendwie schwierig, wenn die Händler über ganz Deutschland verteilt waren. Dann haben die uns gesagt, macht es ganz einfach, wir inserieren die Autos ja jedes Wochenende in der Zeitung. Kopiert sie einfach aus der Zeitung. Und dann gab es bei uns den sogenannten Datenbus. Und das funktionierte so, dass wir die Zeitungen gekauft haben am Freitag in der Früh, sie in einen Bus gesteckt haben, physischen Bus, der fuhr danach Kroatien. Dort waren irgendwelche Studenten, die billig über Nacht diese Anzeigen abgetippt haben und sie am Montag dann alle live holen. Und so haben wir angefangen, ein bisschen kritische Masse zu entwickeln, um ein Angebot zu haben, die ersten paar tausend Autos. Und natürlich auch immer aktuelle Autos. Wir haben sehr aufgepasst, dass die Autos nicht schon irgendwie vor Monaten möglicherweise verkauft wurden. Und dann kam eigentlich der Durchbruch dadurch, dass wir eben über McKinsey viele Kontakte, ich habe da selber viele Projekte und Aufträge gehabt, eben Bekanntschaften gemacht. Und dadurch haben wir das Vertrauen gehabt, dass uns BMW den Zugang zu der BMW-Datenbank aller Händler gegeben hat. Ja, da waren alle Autos aller Händler zentral tatsächlich digital abgelegt und wir konnten darauf zugreifen und konnten dann mit den Händlern sagen, hey, möchtest du nicht mitmachen? Wir haben deine Autos schon, du musst nur Ja sagen. Und so entstand die erste Bewegung. Dann kam später Ford und dann kamen langsam Opel und andere nach. Und so haben wir zuerst die Markenhändler, alle bei uns abgerufen. Und damit sind wir dann gestiegen und wurden attraktiv. Und letztlich hatten wir irgendwann 40.000, 50.000 Autos. Und das war dann schon eine Nummer. Und damit konnte man dann natürlich, dann wurden wir auch interessant für Private, dann haben die Privaten gesagt, hey, kann ich da nicht auch inserieren? Und so wuchs das Geschäft von sich aus. Und für die Privaten haben wir das immer kostenlos gemacht, weil eigentlich war das Ziel, durch Werbeeinnahmen sich zu finanzieren. Und dieses Thema Classifieds, das entstand zuerst on the way. Und wir haben dann gesagt, na ja, aber um das Geschäft wirklich groß zu machen, muss man auch profitabel werden und muss auch entsprechend wirtschaftlich agieren. Und dann haben wir angefangen, den Händlern diese Dienstleistung in Rechnung zu stellen, weil es war immer die Frage, wer soll bezahlen, der Käufer oder der Verkäufer? Und es war der Verkäufer. Es war auch, der Markt war ein Käufermarkt. Daher war es logisch, dass der Verkäufer zahlt. Und das hat gut funktioniert. Und das Schöne an dem Geschäft ist, dass, wenn man einen Kunden einmal überzeugt hat, also einen B2B-Händlerkunden und ihm gute Geschäfte gebracht hat, der natürlich zufrieden war und dabei blieb und man dann jedes Jahr neue Kunden dazugewinnen konnte, aber die alten blieben. So wuchs das Geschäft, ohne dass wirklich die Substanz der Operations wachsen musste, weil es war ja alles digital. Und so haben wir dann auch ordentliche Margen sehr bald erzielen können. Aber es war nicht ganz so einfach. Da kam das Jahr 2001, dann der Zusammenbruch des Internets, die Dotcom-Blase und so weiter. Wir hatten auch schwierige Zeiten und die mussten wir alle durchstehen. Aber am Ende haben wir Glück, dass wir eine der wenigen waren. Also es gab eine Zeit, da gab es 150 Autobörsen in Deutschland. Das war so Ende 2001. Jeder hatte das. Die Autohändler, die Verlage, die Zulassungstellen, also die Grale hatten ihre eigenen Börsen und am Ende haben sich nur Autoscout und Mobile durchgesetzt. Wahnsinn. Krass. Eine Notiz habe ich mir gerade noch gemacht. Erinnerst du dich noch daran, wie das am Anfang mit Autoscout 24, wo die Börse quasi live war, wo ihr da mit dem Bus durch Deutschland gefahren seid? Wahnsinn, diese Geschichte. Wie die Zugriffszahlen auf der Plattform sich entwickelt haben. War das so, das dümpelte erst mal, ich sage mal, Monate, Jahre lang rum und ging dann so langsam los? Oder hat das so einen gewissen Kick am Anfang direkt erlebt? Erinnerst du dich daran? Ja, der Punkt ist, es wuchs ja miteinander. Zum einen wuchs unser Angebot, damit wurden wir attraktiv und auch unsere Brand wurde immer bekannter. Wobei man muss sich das damals so vorstellen, wir haben 1999 und 2000 insgesamt fast 40 Millionen D-Mark ausgegeben. Wenn man das heute medientechnisch vergleicht, da kannst du eine Null dranhängen in Euro. So viel Geld haben wir in zwei Jahren ausgegeben. Also wir waren in jeder Fernsehsendung, wir waren in jedem Spot, wir waren auf Plakaten, wir haben die deutsche Tourenmeisterschaft gesponsert. Damals war Fußball nicht so, aber das waren alles Themen, die wir gemacht haben. Das ist zum einen gewachsen, zum anderen aber ist, und das war entscheidend, ist die Internetpenetration gewachsen. Weil heute hast du Internetpenetration, da fragt ja keiner, sind genügend Leute im Internet? Damals war das ein Thema. Bis 2004 waren in Deutschland immer noch 50 Prozent der Leute nicht im Internet. Unvorstellbar. Und in der Zeit musste man wachsen. Das heißt, wir sind gewachsen zum einen mit unserer Brand, aber zum anderen haben wir nicht schneller wachsen können als was der Markt und die überhaupt Verfügbarkeit dieser Services bei den Leuten. Und dann war natürlich auch die Frage der Geschwindigkeit. Ja, du konntest am Anfang hattest du eine Geschwindigkeit, das kann man heute gar nicht ausrechnen, 9,6 Kilobyte in der Sekunde. Ja, also Kilo, nicht Megabyte, Kilobyte, tausendmal langsamer. Und da war die Zeit, wenn du dir so ein Bild von einem Auto hochgeladen hast, das eine sehr schlechte Auflösung hatte, musstest du 30 Sekunden lang warten. Ja. Das ist heute nicht vorstellbar. Das waren auch Hürden und Barrieren, die man nicht so leicht überwinden konnte. Und man musste warten, bis einfach alles mitgewachsen ist, damit du dich eigentlich etablieren kannst. Und ich glaube, das erste Mal dann auch die Messung, wie viele tatsächlich User hattest du? Also so Nielsen, NetRatings, das waren damals die Agenturen, die das gemessen haben. Ich glaube, wir hatten nach drei oder vier Jahren das erste Mal eine Million User im Monat auf der Plattform. Das hat aber schon sehr lange gedauert. Also so 2004, 2005 war das erste Mal. Ja, sehr spannend, was du jetzt auch erwähnt hast, zu dem Zeitpunkt die Internetnutzung, weil ich habe gerade so halt überlegt, ich bin halt drangegangen mit meiner aktuellen Denke, die aktuelle Denke kannst du halt nicht mit damals vergleichen. Also das ist sehr spannend, was du da gerade erzählt hast. Du bist ja auch mit anderen Unternehmen erfolgreich. Das durfte ich da in deiner Vita, ich habe es so durchgelesen und ich wusste nicht, was das und dies und das ist. Und dann hast du mir netterweise noch so ein Interview mal zur Führung gestellt, wo du ein bisschen darüber geredet hast, wo es vorgestellt wurde. Als Beispiel würde ich jetzt mal rausgreifen, Betamax. Sagt mir jetzt persönlich nicht so viel, aber ist es erwähnenswert, was ich da so gelesen habe? Vielleicht, Nico, gib uns doch mal einen Eindruck, wie es zu Betamax oder was Betamax ist und was es besonders macht. Vielleicht mal kurz einen Eindruck. Ja, sehr gerne. Also Betamax ist ein toller Service. Es ist ein, ich würde sagen, digitaler Mathelehrer, der besser erklären kann und unendlich Zeit für dich hat. Der, also das System ist gedacht für Lehrer und Schüler und inzwischen ist es etabliert. Es haben Kulturministerien freigegeben. Da gibt es Landeslizenzen für Bayern und Hamburg und so weiter. Das hat sich sehr gut etabliert. Und am Ende ist es eine mit dem Curriculum, also mit dem offiziellen Material, was in der Schule behandelt werden soll. Von der vierten bis zur zehnten Klasse. Wir haben auch Inhalte darüber hinaus. Deckt es den kompletten Mathematikbereich ab. Und das Sexy daran ist, dass du, du kannst an jeder Stelle einsteigen, also in der achten Klasse und dann fängst du an, die Aufgaben da zu lösen. Das Ding führt dich da durch und hilft dir. Und wenn du sagst, du hast hier aber eine Wissenslücke, dann bringt es dich zurück, vielleicht in die vierte oder fünfte Klasse, wo du nochmal die Brüche nachholen musst oder die Funktionen oder so. Da musst du dich halt in der Zurückarbeit. Natürlich braucht es die Disziplin. Am Ende ist jedes System nur so gut, wie viel Zeit du reinsteckst. Und wenn die Kinder aber keinen Bock haben, dann kannst du da lange Software anbieten. Deswegen ist es wichtig, dass das integriert ist mit der Schule, dass der Lehrer das auch nutzt, dass die Hausaufgaben dadurch verteilt werden. Aber es fängt an, den Kindern Spaß zu machen. Nur, ich muss nicht sagen, da haben wir lange, lange gebraucht, bis in Deutschland überhaupt das Niveau erreicht wurde, wo solche Medien oder solche Lösungen gegeben der Verfügbarkeit der Medien überhaupt verwendet werden können. Und wir hatten zum Beispiel einen schnelleren Durchbruch in dem kleinen Uruguay in Lateinamerika, wo die Landesregierung gesagt hat, wir kaufen das für alle Kinder, 300.000 Kinder brauchen diese Software. Jedes Kind kriegt ein Laptop. Jedes Kind kriegt Breitbandzugang zum Internet in der Schule. Und die Lehrer müssen jetzt irgendwie sich damit zurechtfinden und haben eigentlich da den Durchbruch geschafft. Wir haben in drei Jahren den Notendurchschnitt in Mathe um eine Note verbessert. Das schaffen andere Ministerien in Jahrzehnten nicht. Also das war schon bedeutend. Und dann hat sich das auch in anderen Ländern, in Lateinamerika, in Mexiko, aber auch in Europa, in Holland, und in anderen Ländern zusammen mit Verlagen entwickelt. Und dann wurde das nochmal beflügelt durch Corona, weil natürlich Digitalisierung lernen zu Hause. Wir hatten die Lösung. Und so ist Betamax heute ein sehr erfolgreiches Unternehmen und bietet seine Services nach wie vor. Okay. Und ihr seid weltweit, aber überall mit demselben Markennamen unterwegs, Betamax. Mit demselben Markennamen. Deswegen wurde der von Anfang an so gewählt. Und der sagt ja auch, was er aus ist, für jeden verständlich. Und in der Tat, wir schaffen die bessere Note. War klasse. Das war mir wichtig, aus deinen anderen Unternehmungen auch mal was hier reinzuholen, um dich nicht, ich sage jetzt mal, nicht falsch verstehen, aber so ein- oder zweidimensional Bauingenieur und Automobil-Digitalunternehmer, sondern da sind echt noch andere Sachen da in deinem Portfolio. Total spannend. Wenn wir jetzt wieder Richtung Automobil schauen. Ja, Insta-Motion ist da der Punkt. Hallo. Danke fürs Zuhören bis hierhin. Weiter mit der Story geht es im zweiten Teil.
Diese Episode ist Teil des Podcasts Benzingespräche von Tim Klötzing.